Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Teenagerschwangerschaften in England: 

Kinder, die Babys abtreiben

05. Jul 2008 16:03
Junge Frauen sind mit einer Schwangerschaft oft überfordert.
Bild vergrößern
In keinem anderen Land Europas werden so viele Teenager schwanger wie in England. Die Zahl der Abtreibungen steigt erschreckend an, besonders bei ganz jungen Mädchen. Nun verteilen Schulen die Pille sogar an Elfjährige.

Nach der ersten folgten drei weitere Abtreibungen - im Jahrestakt. Jetzt fühlt sich Luise Kelly schuldig, wird von Selbstzweifeln gequält. Über Fälle wie diesen berichten britische Medien derzeit häufig. Denn in keinem anderen westeuropäischen Land werden so viele Teenager schwanger. Und rund die Hälfte der Mädchen treibt ab. Mit ungewöhnlichen - und auch umstrittenen - Maßnahmen wird jetzt gegen Teenagerschwangerschaften und den Rekord bei Abtreibungen gekämpft.

So verteilen neuerdings einige Schulen Verhütungsmittel und die Pille danach schon an Elfjährige, während sich die Regierung besseren Aufklärungsunterricht wünscht. Eine Online-Apotheke versendet sogar die Verhütungspille ohne großen Aufwand: Die Kundinnen füllen einen Fragebogen aus, und der Cyber-Arzt verschreibt das Medikament.

Zahl der Abtreibungen steigt jedes Jahr

Mehr als 4000 Mädchen unter 16 Jahren ließen nach Angaben des Gesundheitsministeriums im vergangenen Jahr in England und Wales ihr Kind abtreiben, das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den unter 14-Jährigen stieg die Zahl sogar um 21 Prozent auf 163 Abtreibungen. Dagegen treiben in Deutschland immer weniger Jugendliche ab: Im vergangenen Jahr wurden bei Minderjährigen 400 Abbrüche weniger gemeldet als im Vorjahr.

«Wir haben nun Kinder, die Babys abtreiben. Das Problem wird von Jahr zu Jahr größer», sagt die konservative britische Abgeordnete Nadine Dorries. Seit zehn Jahren investiert die Regierung mehrere Millionen Pfund in Aufklärungskampagnen, verteilt Kondome an Schulen und vor Schwimmbädern. Berichte über die Ausgabe der Pille danach an Schulen für elf Jahre alte Mädchen hatten allerdings für Empörung bei den Eltern gesorgt. «Natürlich wünschen wir uns nicht, dass Kinder Sex haben. Aber wir müssen sie trotzdem vor ungewollten Schwangerschaften schützen», verteidigt Gill Frances von der Arbeitsgruppe gegen Teenagerschwangerschaften die Maßnahmen.

Schlechter Aufklärungsunterricht

Doch die Heranwachsenden wünschen sich vor allem besseren Aufklärungsunterricht, wie eine Studie des Jugendparlaments zeigt. Im vergangenen Jahr wurden 22 000 Teenager zu ihrer Einschätzung des Aufklärungsunterrichts befragt. 40 Prozent beurteilten die Schulstunden als «schlecht» oder «sehr schlecht». In den Niederlanden, dem europäischen Land mit den wenigsten Teenagerschwangerschaften, wird Schülern der richtige Umgang mit einem Kondom vorgeführt. An einigen britischen Schulen spreche man hingegen von Sex als «ganz besonderer Umarmung».

Britische Eltern ziehen sich gern in dem Glauben aus der Verantwortung, dass Kinder durch Medien und Schule «schon alles wissen». Die Betreiber der Hotline Child Line, einer Seelsorgenummer für Jugendliche, berichten hingegen von bis zu 50 Anrufen täglich, in denen Fragen zum Geschlechtsverkehr gestellt werden. Jedes dritte Mädchen kenne nicht den Grund für ihre Periode.

Boom für die «Pille danach»

Auf ganz anderem Wege wollen liberale Politiker zusammen mit BPAS, einer Klinikkette für Abtreibungen, das Problem von ungewollten Schwangerschaften lösen: Abtreibungen sollen sich quasi am Frühstückstisch erledigen lassen. Mit einer Pille für den Abbruch sollen die Frauen nach Hause entlassen werden, statt die Medikamente wie bisher unter ärztlicher Aufsicht einzunehmen.

Ein solcher Entwurf soll demnächst im Parlament diskutiert werden. Kritische Stimmen warnen bereits davor, dass Abtreibungen unter Jugendlichen dann als Schwangerschaftsverhütung angesehen werden könnten. (Sonja Broy, dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
  •  Berlin 18°
  •  Hamburg 17°
  •  Köln 17°
  •  Frankfurt 19°
  •  Stuttgart 18°
  •  München 18°
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.