Abstoßende Aufnahmepraktiken: 

netzeitung.deSchlammrituale mit Nackten bei der Feuerwehr

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Die Idylle trügt: Feuerwehrhaus in Oer-Erkenschwick (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Idylle trügt: Feuerwehrhaus in Oer-Erkenschwick
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Freiwillige Feuerwehr in Oer-Erkenschwick hat Neulinge offenbar jahrelang mit ekelhaften Praktiken gedemütigt. Männern wurden die Genitalien mit Schuhcreme eingerieben, Frauen an Bäume gefesselt.

Die Freiwillige Feuerwehr im nordrhein-westfälischen Oer-Erkenschwick kämpft derzeit nicht gegen Flammen, sondern um ihren guten Ruf. Bilder von abstoßenden Aufnahmeritualen bei dem Löschtrupp im Ortsteil Rappen sorgen bundesweit für Empörung. Zwischen 2002 und 2004 seien bei der Freiwilligen Feuerwehr offenbar wiederholt Feuerwehr-Neulinge entwürdigenden Behandlungen unterzogen worden, bestätigte der Sprecher der Stadtverwaltung, Peter Raudszus, am Freitag.

So wurden die Kandidaten nackt an eine Bank gefesselt in den Matsch gelegt, mit Wasser bespritzt oder ihr Geschlechtsteil mit Schuhcreme eingerieben. Ein Feuerwehrmann spritzte laut «Bild»-Zeitung einem gefesselten Mann Bier in die Hose.

Zum öffentlichen Skandal wurden die Vorfälle, als Fotos der Vorgänge in die Medien gelangten. «Folter bei der Feuerwehr» titelte das Boulevard-Blatt. Inzwischen hat sich sogar das nordrhein-westfälische Innenministerium eingeschaltet und einen Bericht über die Vorfälle angefordert.

Der Löschzugführer und der Stadtbrandmeister sind inzwischen zurückgetreten, sagte der Sprecher der Stadtverwaltung. Derartige Aufnahmerituale seien nicht gewollt und auch nicht bekannt gewesen. Inzwischen habe sie der Bürgermeister ausdrücklich verboten, so Raudszus.

Bereits wegen sexueller Belästigung angezeigt
Es ist nicht das erste Mal, dass die Freiwillige Feuerwehr des Ortes ins Zwielicht gerät. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine junge Frau Anzeige erstattet, weil sie sich bei ihrer Aufnahme in die Freiwillige Feuerwehr sexuell belästigt fühlte.

Die Geschädigte sagt in der «Bild»-Zeitung, sie sei an einen Baum gefesselt worden. Sie habe nur einen Bikini getragen: «Einer hob mein linkes Bein an, wollte mit schwarzem Filzstift in meiner Leistengegend unterschrieben. Einer rief noch: 'Dann können wir da unten auch noch rasieren.' Das ging einfach zu weit.« Allerdings war das Verfahren nach Angaben der Stadtverwaltung von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Doch sorgte dieser Streit offenbar für viel böses Blut im Ort. Die junge Frau wurde aus der Freiwilligen Feuerwehr ausgeschlossen, klagte sich aber vor Gericht wieder ein. Dass jetzt Bilder von den Aufnahmeritualen den Weg in die Medien fanden, sei möglicherweise auch eine Folge dieses Konflikts, sagte Raudszus.

Kein Einzelfall
Inzwischen hat die Veröffentlichung der Bilder einen Feuersturm der Empörung ausgelöst, unter dem auch Unschuldige zu leiden haben. Die Berufsfeuerwehr in Oer-Erkenschwick werde inzwischen von wildfremden Menschen angerufen und beschimpft. Dabei hätten diese Feuerwehrleute gar nichts mit den Vorgängen zu tun, berichtete der Stadt-Sprecher.

Ohnehin sei Oer-Erkenschwick kein Einzelfall, meinte Raudszus. Er habe nach der Veröffentlichung der Fotos von den Aufnahmeritualen eine Reihe ganz ähnlicher Bilder von anderen Feuerwehren im Internet entdeckt. (nz/AP)