Gewittriges Unwetter:
Sintflut bricht über Deutschland herein
04. Jul 2008 15:12
 |  In Ravensburg steckt ein Auto auf einer überfluteten Straße fest | Foto: dpa |
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Innerhalb von zwei Stunden sind 85 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel geprasselt. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Einen Lastwagenfahrer erwischte es besonders schwer.
Heftige Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen haben vielerorts in Deutschland Straßen unter Wasser gesetzt, Bäume umgestürzt und Keller volllaufen lassen. In Norddeutschland haben die schweren Unwetter bis Freitagmorgen die Einsatzkräfte in Atem gehalten. Vor allem aus dem Süden Niedersachsens meldeten die Feuerwehren Hunderte Einsätze, wie ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums in Hannover am Freitag sagte. Größtenteils seien Keller vollgelaufen und Straßen überflutet worden.
Auf der A7 nördlich von Hamburg kam es in der Nacht wegen starken Regens zu einem Unfall mit drei Lastwagen, wie die Polizei mitteilte. Zwei der Fahrer seien leicht verletzt worden. Alle drei Fahrzeuge seien stark beschädigt worden, ebenso die Mittelschutzplanke auf rund 45 Meter. Der Schaden wird laut Polizei auf mindestens 60.000 Euro geschätzt. Weil die Fahrzeuge teils quer zur Fahrtrichtung standen, habe die Autobahn Richtung Süden vorübergehend gesperrt werden müssen. In der Region zwischen Hannover und Göttingen fielen zwischen 16 und 18 Uhr rund 85 Liter Regen pro Quadratmeter. Allein in der Region Hannover war die Feuerwehr nach eigenen Angaben mehr als 200 Mal im Einsatz. Aus dem Bereich Hameln-Pyrmont wurden rund 130 Einsätze, aus dem Landkreis Hildesheim rund 100 Einsätze gemeldet. Hier gab es neben Wasserschäden auch mehrere Blitzeinschläge in Wohnhäuser. Die Feuerwehr Verden war nach eigenen Angaben vom späten Nachmittag bis tief in die Nacht nahezu ohne Pause unterwegs.
Ast durch Windschutzscheibe
In Thüringen mussten die Feuerwehren zahlreiche Keller auspumpen und umgeknickte Bäume von den Straßen räumen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Bei Sömmerda im Landkreis Erfurt durchschlug ein vom Sturm abgebrochener Ast die Windschutzscheibe eines Lasters; der 56-jährige Fahrer kam mit Verletzungen in ein Krankenhaus.
Straßenverkehr lahmgelegt
In Baden-Württemberg war der Landkreis Ravensburg betroffen. Ein starkes Gewitter mit massiven unwetterartigen Regenschauern und Sturmböen brachte vor allem im Schussental den Verkehr fast vollständig zum Erliegen. Für rund zehn bis 15 Minuten ging fast nichts mehr, wie die Polizei berichtete. Zahlreiche Keller waren vollgelaufen und mussten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Solche Überschwemmungen wurden auch aus dem Stadtgebiet Weingarten und aus Baienfurt gemeldet. Ein Lebensmittelmarkt in Baienfurt musste vorübergehend geräumt werden, da sich Wassermassen auf dem Flachdach sammelten und nicht abflossen, so dass die Gefahr des Einsturzes bestand. Durch ein Loch im Dach floss bereits eine größere Menge Wasser ins Innere. In Kißlegg-Zaisenhofen schlug vermutlich ein Blitz in ein landwirtschaftliches Anwesen und setzte dieses in Brand.
Heiße Luft wird verdrängt
Während der Wetterumstellung gab es krasse Temperaturunterschiede. Im äußersten Westen kletterte das Thermometer nicht einmal auf 20 Grad, im Osten hingegen schwitzten die Menschen bei bis zu 35 Grad. Die kältere Luft werde die heißen Luftmassen nur allmählich verdrängen, erklärte der Wetterdienst. «Und das geht meist nicht heimlich, still und leise, sondern mit kräftigen Gewittern und viel Regen und auch Wind einher.» (AP)