02.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Käfig und Ledersessel, zwei Folterinstrumente der Täter von Garlstedt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sie lockten Frauen in ein Haus und versklavten sie für ekelhafte Sexdienste: Dafür büßen die Täter mit langen Haftstrafen und Schmerzensgeld von 300.000 Euro. Das Gericht hatte quälende Details zu bewerten.
Für die Opfer war es ein einziger Alptraum: Zwei Männer lockten Frauen über Job- und Vermietungsanzeigen in ein Haus in Garlstedt bei Bremen und quälten sie wochenlang. Die Frauen werden misshandelt, vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen. Wiederholt werden zwei Frauen nachts in einen Hundekäfig gesperrt. Das Martyrium endete erst, als sich eine dritte Gefangene nackt und mit Handschellen gefesselt auf das Hausdach rettete. Ihre Flucht bringt die Polizei auf die Spur der beiden Männer, die sich seit April 2007 wegen Geiselnahme, Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Menschenhandel verantworten mussten. Das Landgericht Verden verhängte gegen sie am Mittwoch hohe Haftstrafen.
Ein 42 Jahre alter Angeklagter wurde zu einer Haftstrafe von 14 Jahren und Sicherungsverwahrung verurteilt. Sein 55 Jahre alter Komplize muss eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren und sechs Monaten verbüßen. Beide Männer müssen außerdem je 150.000 Euro an die Opfer zahlen. Die Verteidiger hatten keine konkreten Strafen gefordert.
An Grausamkeit kaum zu überbietenIn dem 14-monatigen Prozess waren zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit schreckliche Details zur Sprache gekommen, die Oberstaatsanwalt Hansjürgen Schulz später in seinem Plädoyer nicht wiederholen wollte. Danach waren die Ereignisse in dem Einfamilienhaus an Grausamkeit kaum zu überbieten. Anfang des Jahres 2006 hatten die Angeklagten den Plan entwickelt, ein Bordell zu betreiben. Nachdem sich auf Anzeigen hin keine Freiwilligen gemeldet hatten, wollten die Täter Frauen gefangen nehmen und zur Prostitution zwingen.
Am 14. August 2006 schlug für das erste Opfer die Falle zu. Über einen angebotenen Promotion-Job hatten der Versicherungskaufmann und der Web-Designer die 23 Jahre alte Psychologie-Studentin angelockt. Sie wurde überwältigt, gefesselt und in Folie gewickelt auf einen Tisch gelegt. In dieser würde sie sterben müssen, wenn sie sich nicht füge, drohten die Täter. Wegen der schweren psychischen Folgen war die Frau verhandlungsunfähig.
Zehn Tag im HundekäfigDie zweite Frau war rund vier Wochen in Gefangenschaft. Sie musste mit beiden Angeklagten sowie mit 24 Freiern schlafen und dabei, teilweise ans Bett gefesselt, Ekel erregende Sexualpraktiken verrichten. «Zehn Tage musste sie in einem Hundekäfig schlafen», hob das Gericht hervor. Dort war sie stundenlang unter Beschallung mit lauter Musik eingesperrt. Sie musste aus einem Hundenapf essen, wurde nackt an einer Leine durchs Haus geführt, an einen Tisch gebunden und musste darunter über Stunden liegen bleiben.
Erst dem dritten Opfer gelang eine schnelle Flucht. «Man kann sich nur die bange Frage stellen, wie es sonst weiter gegangen wäre», sagte der Richter. Bei dem 42-Jährigen müsse man von einer «Gefährlichkeit bis ins hohe Alter ausgehen». Ein Sachverständiger habe dem Mann eine Persönlichkeitsstörung sowie «allgemeinen und sexuellen Sadismus» bescheinigt. Für das Gericht stand fest, dass der Mann nach seiner Haftstrafe in Sicherungsverwahrung kommen muss. Dadurch könnte er lebenslang hinter Gittern bleiben. (Von Wibke Bruns und Hans-Christian Wöste, dpa)