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Friedhofs-Service: 

Einmal Heinrich Zille und zurück

29. Jun 2008 10:02
Friedhofschef Ihlefeld
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Ein Friedhofstaxi chauffiert Gäste über die Prominenten-Ruhestätte bei Berlin. Auf dem Südwestkirchhof liegen der Berliner Milieuzeichner Zille begraben, der Komponist Engelbert Humperdinck oder Rudolf Breitscheid.

Ein «Friedhofstaxi» chauffiert seit dieser Woche Trauergäste und Touristen über den Südwestkirchhof Stahnsdorf in Brandenburg, die alte Prominenten-Ruhestätte vor den Toren Berlins. Dazu hat ein Monteur ein Elektromobil, das sonst über Golf- Plätze fährt, für bis zu vier Fahrgäste plus Chauffeur umgerüstet.

«Vor allem alten Menschen wollen wir mit diesem bundesweit einmaligen Service helfen», sagte Kirchhofsverwalter Olaf Ihlefeldt. Vom Haupteingang des Friedhofs bis zu dem am weitesten entfernten Grab sind es immerhin 2,5 Kilometer. Bedeutende Persönlichkeiten wie der Berliner Milieu-Zeichner Heinrich Zille und der Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid fanden in Stahnsdorf ihre letzte Ruhe.

«Das neue Friedhofstaxi ist ein toller Service und eine große Erleichterung gerade für ältere Besucher», sagte Angelika Enke, die die «Jungfernfahrt» als Passagierin miterlebte. Schließlich gehört der 1909 eröffnete Südwestkirchhof, auf dem rund 120.000 Menschen bestattet sind, zu den größten Grabanlagen Europas. Neben 4000 Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft sind auf dem Waldfriedhof auch Mitglieder der Verleger- und Unternehmerfamilien Ullstein und Siemens sowie der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau begraben.

Ähnliche Versuche anderswo

Durch die Gräberreihen schnurrt nun das Friedhofstaxi - mit einer Maximalgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. «Es soll hier keine Golf-Caddy-Autobahn werden», betonte Ihlefeldt. Trifft der kostenlose Service auf rege Resonanz, sollen ein bis zwei weitere Mobile angeschafft werden. Die 7000 Euro für das erste Taxi zahlte laut Ihlefeldt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz als Eigentümerin des Friedhofs. «Für uns ist das ein Modellprojekt», sagte ein Sprecher. In Kürze solle aber auch auf dem Ostkirchhof in Ahrensfelde bei Berlin ein solches Taxi rollen.

Nach Auskunft Ihlefeldts gab es auf anderen Friedhöfen in Deutschland bereits ähnliche Versuche, die aber abgebrochen wurden. «Mir ist kein Friedhof bekannt, auf dem so ein Elektromobil für Besucher jetzt unterwegs ist.» Gesteuert wird das nahezu lautlose Fahrzeug auf dem Südwestkirchhof zunächst von Friedhofsmitarbeitern. Wer sich zu einem Grab oder zur 600 Meter vom Haupteingang entfernten Kapelle kutschieren lässt, kann dort mit dem Fahrer eine Zeit für die Rückfahrt verabreden.

Aus Sicht von Premieren-Passagierin Enke hat das Taxi auch noch einen weiteren Vorteil: «Der Chauffeur kann während der Fahrt so einiges über den Friedhof und die Gräber erzählen.» (Imke Hendrich, dpa)

 
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