26.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ob die Bundeswehr in dem Entführungsfall eingreift, ist noch offen.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Unklar ist derzeit, ob bei den beiden Seglern, die vor Somalia entführt wurden, auch ein Kind dabei war. Sicher ist dagegen, dass eine erste Lösegeldforderung bei den Behörden einging.
Die Entführer eines in Somalia verschleppten deutschen Paares haben eine Million Dollar Lösegeld gefordert. Dies sagte der Minister für Staatssicherheit in der somalischen Region Puntland, Jama Hirsi Farah, am Donnerstag. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Unklar blieb weiterhin, ob mit dem Paar auch ein Kind verschleppt wurde.
Die Jacht der Deutschen war am Montag im Golf von Aden von Piraten überfallen worden. Nach somalischen Angaben wurden auch der Sohn des Paares und der französische Kapitän des Bootes entführt. Sie sollen in die Bergregion Puntland verschleppt worden sein. Das Auswärtige Amt teilte dagegen mit, es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass sich ein Kind deutscher Staatsangehörigkeit an Bord befunden hat.
Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung handelt es sich bei dem deutschen Paar um einen 63-Jährigen und eine 51 Jahre alte Frau aus Baden-Württemberg. Die Lösegeldforderung kommentierte das Auswärtige Amt nicht. «Die Bundesregierung und alle relevanten Stellen bemühen sich mit Hochdruck um die Aufklärung und Lösung diese Falls», sagte eine Sprecherin lediglich.
Lösegeld-Verhandlung könnte Wochen dauernStammesälteste der Region hatten sich zur Vermittlung zwischen den Entführern und den Behörden bereiterklärt. Auch das Auswärtige Amt bemühe sich mit Hochdruck um eine Klärung des Falls, sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag. Alle relevanten Stellen seien eingeschaltet. Details der operativen Arbeit würden aber auch weiterhin nicht mitgeteilt.
In der Vergangenheit hatten sich Lösegeld-Verhandlungen oft über Wochen hingezogen. Derzeit befindet sich auch ein deutscher Frachter in der Gewalt von Seeräubern. Die Gespräche zur Freilassung des Schiffes und der überwiegend aus Osteuropa stammenden Besatzung sollen sich in einer Sackgasse befinden. Die Küste vor Somalia ist berüchtigt wegen zahlreicher Piratenüberfälle. Internationale Seefahrtbüros raten Schiffsführern deshalb, einen Sicherheitsabstand von mindestens 200 Kilometern zum Festland einzuhalten.
Streit über möglichen Bundeswehr-EinsatzUnterdessen wurde in der Debatte über ein mögliches Eingreifen der Bundeswehr Klartext geredet. Als «völligen Unsinn» wies der SPD- Verteidigungsexperte Rainer Arnold am Donnerstag das Begehren der Union zurück, einen Passus in die Verfassung aufzunehmen, durch den die Bundeswehr ausdrücklich bisherige Polizeibefugnisse übernehmen dürfte. Die SPD befürchtet, dass diese Formulierung nicht nur für Einsätze im Ausland, sondern auch im Inland gelten könnte. Die Regierung sucht derzeit nach einer Lösung.
Nach Angaben des Außenministeriums wäre es im Falle Somalias derzeit völkerrechtlich «überhaupt kein Problem», wenn die deutsche Marine dort gegen Piraten vorgehen würde. Ein Sprecher verweist darauf, dass die somalische Regierung selbst die Vereinten Nationen um Hilfe in den eigenen Hoheitsgewässern gebeten habe. Nach Artikel 24 des Grundgesetzes wäre das eine Maßnahme der kollektiven Sicherheit und durch eine UN-Resolution abgedeckt. In der Regierung werde derzeit darüber beraten, inwiefern sich Deutschland dem anschließen oder auch im europäischen Verbund handeln könnte.
Nach einer vor wenigen Wochen verabschiedeten Resolution des UN- Sicherheitsrates sind auch die UN-Mitgliedstaaten berechtigt, die Verfolgung von Piraten vor der somalischen Küste aufzunehmen. (AP/dpa)