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Piraten schlagen zu: 

Deutsche Segler nach Somalia verschleppt

24. Jun 2008 19:24, ergänzt 21:02
Wieder wurden in Somalia Menschen entführt
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Es sollen Fischer und Piraten gewesen sein, die gemeinsam eine Segeljacht im Golf von Aden gekapert haben. Ein deutsches Paar ist nun in den Händen der Entführer, die «Steuern und Lösegeld» fordern.

Somalische Piraten haben das Segelboot eines deutschen Paares gekapert und die beiden Urlauber in das Bergland der halbautonomen Region Puntland verschleppt. «Die Ausländer sind in unsere Gewässer eingedrungen», sagte ein Sprecher der Piraten am Dienstagabend. Die Gruppe wolle «Steuern und Lösegeld» für die Freilassung des aus Süddeutschland stammenden Paares, das mit seinem Segelboot von Ägypten unterwegs nach Thailand war.

Zur Höhe des geforderten Lösegeldes machten die Piraten zunächst keine Angaben. Den entführten Deutschen gehe es gut, sie sorgten sich jedoch um ihre Freilassung, hieß es. Die Piraten haben nach eigenen Angaben mit der Familie des Mannes telefonisch Kontakt aufgenommen.

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, es gehe den Hinweisen nach und bemühe sich um Aufklärung. Truppen hätten die Jacht gesichert, die Identität des Besitzers oder der Urlauber aber noch nicht geklärt. Bei den Tätern soll es sich um Piraten und Fischer handeln, die die Jacht gemeinsam überfielen, als sie vor der Küste vor Anker lag.

Touristen als leichte Beute

Die Piraten sahen in den europäischen Urlaubern vermutlich vor allem eine leichte und einträgliche Beute und erwarteten keinen Widerstand. Dafür spricht auch, dass die Entführer die Jacht in der Nähe von Las Korey am Ufer zurückließen und sich mit ihren Opfern in das unzugängliche Bergland der Region Somaliland zurückzogen. Ein Dorfältester sagte dem britischen Rundfunksender BBC, er habe die Familie in der Gewalt der Piraten besucht und Verhandlungen über ihre Freilassung aufgenommen.

Während somalische Piraten sonst mit Schnellbooten und automatischen Waffen Jagd auf Tankschiffe und große Frachter machen, hatten diesmal den Berichten zufolge Fischer das Boot mit den Touristen entdeckt und sich mit den Piraten verbündet. Piraterie ist vor der über 3.000 Kilometer langen Küste Somalias weit verbreitet und reflektiert die mangelnde politische Stabilität in dem Land am Horn von Afrika, das seit 1991 ohne funktionierende Regierung ist. Das verarmte und weitgehend gesetzlose Land liegt an bedeutenden internationalen Seerouten, die den Indischen Ozean mit dem Roten Meer verbinden.

Frachter nur noch im Konvoi unterwegs

Der UN-Sicherheitsrat hatte wegen der zunehmenden Piraterie vor der Küste erst Anfang Juni beschlossen, dass andere Staaten künftig auch in den Hoheitsgewässern von Somalia Piraten mit Kriegsschiffen und Flugzeugen verfolgen dürfen. Viele Frachtschiffe sind vor Somalia nur noch im Konvoi oder mit bewaffneter Eskorte unterwegs.

Erst Ende Mai war ein deutsches Frachtschiff gekapert worden. Die «Lehmann Timber» mit 15 Besatzungsmitgliedern ist noch immer in der Hand von Piraten. Anfang April war der französische Luxus-Dreimaster «Le Ponant» entführt worden. Die Geiseln, unter ihnen 22 Franzosen und sechs Philippiner, waren nach einer Woche gegen Lösegeld freigekommen.

Die Behörden der Region Puntland haben in der Vergangenheit Lösegeldzahlungen an Piraten scharf kritisiert. Sie befürchten, dass so nur zusätzliche Anreize für die Seeräuberei geschaffen werden und die Piraten mit den hohen Lösegeldern technisch «aufrüsten» und dann noch schwerer zu bekämpfen sind. Im Puntland wurde im April die Todesstrafe als Höchststrafe für Piraten eingeführt. Im ersten Prozess seit der Gesetzesänderung wurden die Seeräuber jedoch zu hohen Haftstrafen verurteilt. (AP/dpa)

 
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