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Tagesthema Wasser: 

Wellnesswasser aus Edelsteinen

24. Jun 2008 13:05
Schmeckt am besten pur: Mineralwasser.
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Was anderswo als wertvollstes Gut gilt, ist hierzulande ein Langweiler-Getränk: Wasser kommt in ständig neuen Geschmacksvarianten auf den Markt. Wie gesund die Wellness-Drinks wirklich sind, weiß Maike Schultz.

Wasser ist nicht nur lebensnotwendig, sondern auch von außen gesund. Das wussten bereits Hippokrates und Sebastian Kneipp. Auch die moderne Wellness-Bewegung hat das feuchte Element für sich entdeckt. Egal ob Hamam, Ayurvedisches Wassertrinken oder Floating-Center, alle bauen auf die entspannende Kraft des Nasses.

Wer ein Wellness-Wasser zum Kochen sucht, bekommt es im französischen Heilbad Vichy. Sogar Starköche wie Tim Mälzer werben für das teure, stark Natrium-haltige Wasser der Cèlestins-Quellen.

Die so genannten «Vichy-Möhren» werden in dem aromatischen Mineralwasser gegart, dann mit Butter glaciert und mit Petersilie bestreut. Mit Thermalwasser aus Vichy stellt auch ein gleichnamiger Konzern seine Kosmetikprodukte her – frei nach dem Motto «Jede Haut hat Durst auf Gesundheit».

Relaxen mit Malve-Ginseng-Nonsens

Kein Wunder, dass nun auch die Getränke-Industrie dem Wellness-Trend verfällt. «Oft wird unser Alltag durch Stress, Termin- und Leistungsdruck bestimmt. Schaffen Sie sich deshalb kleine Wohlfühlmomente», rät die Firma Nestlé. «Entspannen Sie und genießen Sie Nestlé Wellness Relax oder Vital - natürliches Quellwasser mit leckerem Trauben- und Mangogeschmack, Ginseng- und Kräuterextrakten.»

Dahinter steckt natürlich reine Werbe-Strategie: Genau wie Bier in immer neuen Mix-Varianten auf den Markt kommt, wird auch Mineralwasser mit exotischen Aromen aufgepeppt, um eine Marke neu zu positionieren. Den Anfang machten durchsichtige Getränke mit künstlichen Erdbeer- oder Apfelaromen, wie die Volvic Frucht-Produkte.

Energie tanken mit Marketing-Tricks

Passend zum neuen Gesundheitsbewusstsein gibt es das Wasser aus dem vulkanischen Gebiet der Auvergne nun mit dem authentischer wirkenden «Spritzer Landfrucht-Saft». Konkurrenz macht erfinderisch: Der Berliner Hersteller Spreequell verkauft «Balance»-Wasser mit Zitronenmelisse, Malve und Birne, während Gerolsteiners «Linée» den Energiehaushalt stabilisieren und als Ersatz für Süßigkeiten herhalten soll.

Aber die Wellness-Wässer sind längst nicht so nützlich, wie ihre Kreatoren vorgeben: «Das Problem ist, dass diese Getränke für den Verbraucher aussehen wie Mineralwasser, aber nicht annähernd so gesund sind», sagte Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW. Die in Fachkreisen als «Nearwater-Getränke» bezeichneten Produkte seien mit Aromen und Zahn schädigenden Säuren versetzt, wichtige Mineralstoffe würden ihnen dagegen fehlen.

Kalorienbomben statt Durstlöscher

Als 2007 die neue Wassermode einsetzte, fanden Forscher der AOK Hamburg/Rheinland bei einigen Produkten Zuckermengen, die 21 Würfeln pro Liter entsprechen. Wer seinen Flüssigkeitsbedarf ausschließlich mit solchen Drinks deckt, nimmt demnach bis zu 1000 Getränke-Kilokalorien pro Tag zu sich.

So sieht echte Wellness aus: Sauna macht's möglich.
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Gerade im Sommer gehören Plastikflaschen mit dem trendigen Inhalt für viele zum Handgepäck. Eine Expertin warnt: «Nearwater-Getränke sind unbedenklich, solange man nur ab und zu ein Glas davon trinkt», sagt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Als normaler Durstlöscher würden sie jedoch nicht taugen.

Mit Edelsteinen Wellness-Wasser basteln

Esoteriker können sich ihr Wellness-Wasser ganz einfach selber machen – und das völlig zuckerfrei. «Wasser hat ein Gedächnis», steht auf der Website des Wasserfilter-Herstellers Judo, der auf Kundenwunsch Wasser durch Edelsteine leitet. «In kristallähnlichen Strukturen kann es Informationen wie die Energie von Edelsteinen speichern und diese wieder abgeben», preist das Unternehmen sein Produkt.

Laut Judo lässt sich Leitungswasser auf verschiedene Weise «juwelisieren», indem es die «heilende» Edelsteinmischung durchfließt. Amethyst spende Lebensenergie, Bergkristall Klarheit, und Rosenquarz harmonisiere den Wassertrinker angeblich. Na dann, Prost! Für den Preis kann man sich übrigens ebenso gut einen Urlaub im Wellness-Spa leisten: Eine Juwelisierungsarmatur kostet fast 1000 Euro.
 
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