Die «falschen» Hauptstädte:
Verwechslungsgefahr von Dubai bis Sydney
23.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die echte Hauptstadt: Amsterdam
Einst nur ein kleines Fischerdorf an den Ufern der Amsel, ist Amsterdam heute die größte Stadt Hollands und mit mehr als 3,5 Millionen ausländischen Gästen pro Jahr auch die am meisten besuchte. Geht man von Amsterdams Beliebtheit bei Touristen aus, hat die «Grachtenstadt» (es gibt über 150 Kanäle) also zu Recht den Status der Hauptstadt inne. 140 verschiedene Nationalitäten leben hier. Mit ihren zahlreichen Unternehmen und Banken ist Amsterdam die fünftwichtigste europäische Geschäftsstadt nach London, Frankfurt, Paris und Brüssel.
Die drittgrößte Stadt der Niederlande, Den Haag, ist nur die Hauptstadt der Provinz Südholland, aber eine Verwechslung liegt nah - immerhin wird hier regiert. In Den Haag haben der Internationale Gerichtshof und die Residenz des holländischen Königshauses ihren Sitz. Nur die wenigsten wissen, dass der Name der Stadt gerade mal so alt ist wie die deutsche Einheit: Auf Ausweisen, Pässen und amtlichen Schriftstücken steht immer noch 's-Gravenhage. Den Haag setzte sich erst 1990 durch, offiziell gab es aber nie eine Umbenennung.
Mit 128.000 Einwohnern ist Bern nach Zürich, Genf und Basel die viertgrößte Schweizer Stadt. Hier sitzt die Schweizerische Regierung, bestehend aus den sieben Mitgliedern des Bundesrats, die von der Vereinigten Bundesversammlung für eine vierjährige Amtsdauer gewählt werden.
Die «falschen» Hauptstädte: Zürich, Genf oder Basel
«Basel tickt anders», lautet der Slogan, mit dem Basel für sich wirbt. Speziell ist hier sicherlich die Lage im Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Frankreich. Was Fußball betrifft, ist Basel für uns gerade die wichtigste Großstadt der Schweiz hier hat die Nationalmannschaft Portugal besiegt und hier wird sie auch an diesem Mittwoch spielen, im EM-Halbfinale gegen die Türkei. International bekannt wurde die Stadt auch durch ihre Kunstmesse Art Basel, die Sammler aus aller Welt anzieht und inzwischen sogar eine zweite Messe in Miami ausrichtet.
Zürich ist laut einer Studie von 2007 die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Mit einer Million Einwohnern ist sie außerdem die größte der Schweiz. Zahlreiche Großbanken und Versicherungen machen Zürich zum internationalen Finanzplatz. Dank der gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt, ihrer Lage am Zürichsee und einem vielseitigen Kulturangebot, ist die Stadt zudem ein beliebtes Touristenziel.
Ankara ist die zweitgrößte türkische Stadt und wurde nach dem Ersten Weltkrieg von Kemal Atatürk zur Hauptstadt der neu gegründeten türkischen Republik ernannt - wegen seiner Lage in Zentralanatolien und in bewusster Abgrenzung zur osmanischen Hauptstadt Istanbul. Ankara ist nicht nur das Verwaltungszentrum der Türkei, sondern neben Istanbul und Izmir auch eines der größten Industriezentren des Landes.
Die «falsche» Hauptstadt: Istanbul
Edinburgh ist nach Glasgow nur die zweitgrößte Stadt Schottlands, aber schon seit 1437 Hauptstadt. Seit 1999 ist sie außerdem Sitz des schottischen Parlaments. Ihre bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind das Schloss Edinburgh Castle, die Royal Mile, der Holyrood Palace und die National Galleries of Scotland.
Die «falsche» Hauptstadt: Glasgow
Im Gegensatz zum östlichen Ediburgh liegt Glasgow, drittgrößte Stadt im Vereinigten Königreich, an der Westküste. Der Standort von Schiffbauindustrie galt lange als arme Arbeiterstadt. Heute ist Glasgow vor allem für seine kulturellen Auszeichnungen bekannt: 1990 war Glasgow Europäische Kulturhauptstadt, erhielt 1999 den Architektur- und Designpreis und wurde 2003 Europäische Sporthauptstadt.
Die «heilige Stadt» ist eine der ältesten Städte der Welt und seit 1950 die Hauptstadt Israels. Ihre Altstadt ist von einer Mauer umgeben und hat vier Teile: das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel. Ostjerusalem, das bedeutende religiöse Stätten des Judentums, Christentums und des Islam enthält, wird von den Palästinensern als Hauptstadt eines zukünftigen palästinensischen Staates beansprucht.
Die «falsche» Hauptstadt: Tel Aviv
Canberra ist nur die achtgrößte Stadt Australiens, aber die größte im Landesinneren und der Sitz der australischen Regierung. Aufgrund der Rivalität zwischen Melbourne und Sydney wurde Canberra 1908 als Planhauptstadt bestimmt. Nach einem internationalen Städtebauwettbewerb erhielt sie 1927 den offiziellen Status. Wegen ihrer vielen Grünflächen wird Canberra auch die «Busch-Hauptstadt» genannt.
Die «falschen» Hauptstädte: Sydney oder Melbourne
Von 1763 bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens, aber schon 1891 wurde in der Verfassung der Beschluss verankert, eine neue Hauptstadt für Brasilien zu bauen. Anlass war der Bedarf nach einer neutralen föderalen Hauptstadt. Die Lage im geografischen Zentrum des brasilianischen Staatsgebiets sollte die Entwicklung der binnenländischen Infrastruktur fördern. Administrativ ist Brasília aber nur eine von mehreren Verwaltungsregionen des Bundesbezirkes.
Die «falsche» Hauptstadt: Rio de Janeiro
1857 wurde Königin Victoria aufgefordert, eine Hauptstadt für Kanada auszusuchen. Ihre Wahl fiel auf Ottawa, die als Kleinstadt in Kriegszeiten weniger von Angriffen bedroht war. Durch die Lage an der Sprachgrenze erschien sie außerdem für beide Bevölkerungsteile akzeptabel. Ottawa ist in der Region die einzige offiziell zweisprachige Stadt - ihre Bevölkerung ist zu 50 Prozent englisch- und zu 30 Prozent französischsprachig.
Die «falschen» Hauptstädte: Vancouver oder Toronto
Toronto ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt und das Wirtschaftszentrum Kanadas: Ihre Börse zählt zu den größten sieben weltweit. Vancouver entstand in den 1860er Jahren an der Westküste Kanadas. Die aus dem Goldrausch hervorgegangene Siedlung entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Metropole. Heute ist Vancouver ein beliebte Touristenziel und hinter Los Angeles und New York der drittwichtigste Standort der US-Filmindustrie. In Studien wird die Stadt regelmäßig als eine von drei mit der weltweit höchsten Lebensqualität bewertet.
Pretoria ist die offizielle Hauptstadt der Republik Südafrika, allerdings besitzt auch Kapstadt mit dem Sitz des Parlamentes sowie dem halbjährigen Sitz der Regierung von Januar bis Juni eine Art Hauptstadtfunktion. Zurzeit wird über eine Umbenennung von Pretoria in Tshwane («Wir sind alle gleich») verhandelt, was der Stadtrat bereits 2005 beschlossen hat. Im gleichen Jahr wurde Pretoria als «Lebenswerteste Stadt der Welt» ausgezeichnet.
Die «falsche» Hauptstadt: Kapstadt
Da Kapstadt die erste Stadtgründung der südafrikanischen Kolonialzeit war, wird sie von den Südafrikanern auch gern als «Mutterstadt» bezeichnet. Die Touristen-Metropole ist nach Johannesburg und Durban die drittgrößte Stadt des Landes. Ihren Namen erhielt sie nach dem Kap der guten Hoffnung.
In Rabat befinden sich der Sitz der Regierung und die Residenz des marokkanischen Königs. Rabat ist die vierte der so genannten Königsstädte, in denen die Könige und Sultane Marokkos im Laufe der Jahrhunderte residierten.
Die «falsche» Hauptstadt: Casablanca
Casablanca wurde durch den gleichnamigen Hollywood-Film von 1942 berühmt. Im zweiten Weltkrieg war Casablanca ein strategisch wichtiger Hafen - 1943 fand dort ein englisch-amerikanisches Gipfeltreffen zwischen Roosevelt und Churchill statt. Die größte Stadt Marokkos liegt an der Atlantikküste und ist bis heute das wirtschaftliche Zentrum des Landes.
1911 erließ Georg V. von England, dass Delhi Kalkutta als Hauptstadt ablösen sollte. 1929 war die Planhauptstadt mit ihren großen Parks und Alleen sowie seiner Kolonialarchitektur fertig gestellt und ist seitdem Hauptstadt der Regierung von Indien.
Die «falsche» Hauptstadt: Bombay
Bombay, die zweitgrößte Stadt des Landes, gilt als heimliche Hauptstadt Indiens: Sie ist die europäischste, und dieser Kontrast macht sie für Touristen interessant. Hier stehen englische Kolonialbauten und Wolkenkratzer neben Tempeln, Moscheen und Slums.
Abu Dhabi ist das größte und reichste Emirat der VAE, denn es verfügt über zehn Prozent der weltweiten Erdölreserven. Da die Stadt auf einer Insel liegt, ist das Meer von fast überall zu sehen und von jedem Punkt der Innenstadt in nur etwa zehn Minuten fußläufig zu erreichen.
Die «falsche» Hauptstadt: Dubai
An keinem anderen Ort der Welt entstanden in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts so viele spektakuläre Bauwerke wie in Dubai: Ständig vermeldet das Emirat am Persischen Golf neue Superlative bei Wolkenkratzern, Einkaufszentren, künstlich angelegten Inseln und Vergnügungsparks.
Für das Web ediert von Maike Schultz

