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Ölkrise schafft Spritdiebe: 

Mit dem Mund aus dem Tank

19. Jun 2008 07:40
Leidtragende sind die Bauunternehmen
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Ein unbeobachteter Moment, ein Schlauch und ein Kanister reichen aus: In Zeiten, in denen die Spritpreise steigen, nimmt auch der Treibstoff-Klau zu. Die Ausfallzeiten kommen Bauunternehmen teuer zu stehen.

Mit der Explosion der Öl- und Spritpreise nimmt in Deutschland auch die Zahl der Treibstoffdiebstähle zu. «Das ist deutschlandweit ein Problem», sagte Wolfgang Klages von der Braunschweiger Polizei und fügte hinzu: «In Zeiten, in denen die Spritpreise steigen, nehmen auch die Diebstähle zu.» Dies gelte für den Benzinbetrug an Tankstellen, aber vor allem für den Klau von Diesel auf Baustellen. Das bekommen vor allem die Bauunternehmen zu spüren, die neben dem verlorenen Diesel auch noch Ausfallzeiten zu beklagen haben. Erst am vergangenen Wochenende saugten Diebe mehr als 3700 Liter Diesel aus Fahrzeugen an einer Baustelle im Raum Braunschweig. Um an den Treibstoff zu kommen, würden die Täter die meist unverschlossenen Tankdeckel aufdrehen, einen Plastikschlauch in den Tank stecken und dann mit dem Mund oder einer kleinen Pumpe den Treibstoff ansaugen, der dann von allein weiter laufe, beschreibt Klages den Vorgang.

Während Tankstellen schon seit längerem mit einer verbesserten Videoüberwachung auf verstärkten Spritklau reagierten, seien Baufahrzeuge schlecht zu schützen, sagt der Polizeisprecher. Straßenbaustellen seien frei zugänglich und oft schlecht gesichert. Gerade in unbewohnten Gebieten seien diese Ziel von Dieben. Tatsächlich melden Polizeistellen aus ganz Deutschland seit mehreren Wochen vermehrt Diebstähle von Diesel aus Baufahrzeugen. In Nordrhein-Westfalen wurden in Minden und Porta Westfalica Anfang Juni insgesamt 1800 Liter im Wert von rund 2700 Euro gestohlen, im niedersächsischen Kreis Rotenburg in jüngster Zeit insgesamt mehr als 3000 Liter.

«Das ist eine erschreckende Entwicklung», sagt Reinhard Rogowski von der Disposition der bundesweit tätigen Bickhardt Bau AG. In extremen Monaten seien deutschlandweit 10.000 bis 15.000 Liter verschwunden. Wenn im Herbst auch noch die Heizöltanks gefüllt werden müssten, nehme der Diebstahl sicherlich weiter zu, schätzt Rogowski.

Wachdienste bringen nichts

Der Wert des gestohlenen Treibstoffes ist für das Bauunternehmen das kleinere Übel - viel schlimmer sei der Ausfall aufgrund von Stillstand. «Die leeren Geräte können morgens nicht in Betrieb genommen werden, ganze Mannschaften können nicht an die Arbeit gehen und müssen warten, bis die Fahrzeuge wieder betankt sind», sagt ein Unternehmenssprecher. Außerdem würden die Geräte beim Abzapfen oft beschädigt.

Wachdienste bringen nach Angaben des Unternehmens nichts. Teilweise seien die Baustellen zehn bis zwölf Kilometer lang und sehr unübersichtlich. «Wir haben den Spritklau etwas reduzieren können, indem wir die Fahrzeuge nicht mehr volltanken», sagte Rogowski. Nun würden sie erst morgens oder bei Bedarf betankt. «Ein bisschen lassen wir aber drin, damit bei den Dieben kein Frust aufkommt.» Fahrzeuge mit leeren Tanks seien in der Vergangenheit verstärkt demoliert worden. Ansonsten werde man sich aber wohl mit dem Klau abfinden müssen.

Das sieht auch die Johann Bunte Bauunternehmung aus Papenburg so. «Die Baustellenleiter melden das schon gar nicht mehr», sagt Ludger Holtmann von der maschinentechnischen Abteilung. Das Problem sei generell bereits seit drei bis vier Jahren bekannt. Man versuche, die Fahrzeuge öffentlich abzustellen und möglichst gut zu sichern. Dennoch gebe es pro Jahr auf den rund 200 Baustellen 40 bis 50 Fälle von Treibstoffdiebstahl. Wo der Diesel landet, ist der Polizei noch ein Rätsel. «Man muss diese große Menge ja nicht nur abzapfen, sondern auch abtransportieren und über entsprechende Lagermöglichkeiten verfügen», sagt der Sprecher der Polizei Minden-Lübbecke, Ralf Steinmeyer. Eventuell versuche jemand auf diese Weise, seine Arbeitsfahrzeuge kostenlos zu betreiben. (Nadine Pilz, AP)

 
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