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Christliche Fanclubs: 

Ein Fisch in der Nordkurve

19. Jun 2008 10:25
Auch Christen bejubeln deutsche Tore
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Im Alter von neun Jahren hat es ihn gepackt. Damals war der Religionspädagoge André Lang mit seinem Vater zum ersten Mal im Stadion von Hannover 96. Das Match wurde zu seinem Urerlebnis. Er gründete einen ungewöhnlichen Verein: «These 96».

«Es war ein 0:0 gegen den 1. FC Saarbrücken vor 3500 Zuschauern bei Nieselregen», erinnert sich der 28-Jährige. Das Match wurde André Lang zum Urerlebnis: «Ich glaube, es gibt kaum einen anderen, der in einem so tristen Spiel zum Fan wurde.» Jetzt hat der angehende Diakon einen ungewöhnlichen Verein gegründet: «These 96», Hannovers ersten christlichen Fanclub.

50 Mitglieder stehen schon auf der Vereinsliste, unter ihnen auch ein fußballbegeisterter Pastor. Die meisten sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und treffen sich regelmäßig in der Jugendkirche in der Nordstadt. Irgendwann stellten sie fest, dass sie nicht nur das Interesse an der evangelischen Jugendarbeit teilen, sondern auch die Leidenschaft für Fußball. «Fanclubs werden oft aus einer spontanen Laune heraus gegründet, und unser Hintergrund ist eben die Jugendkirche», sagt Lang.

In der Nordkurve der AWD-Arena hissen sie jetzt ihre grün-schwarze Fahne mit dem großen christlichen Fisch-Symbol, wenn sie ihren Lieblingsverein Hannover 96 anfeuern. Die Zahl 96, die an die Vereinsgründung im Jahr 1896 erinnert, hat sich für die evangelischen Fußball-Fans als recht ausbaufähig erwiesen: Sie fügten zu Martin Luthers 95 Thesen, die er 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, einfach ihre «These 96» hinzu.

Mit dem Brückenschlag zwischen Kirche und Fußball folgt der Fanclub einer Entwicklung in anderen Städten. In Köln drücken die katholischen Fans von «tora et labora» ihrem 1. FC die Daumen, in Stuttgart die pietistischen «CVJM Buaben» dem VfB. In Hamburg jubelt die «Totale Offensive» mit freikirchlichem Hintergrund für den HSV und in Wolfsburg der Club «In christ united» für den VfL.

Durch Fairness glänzen

Die Fans fiebern aber nicht nur mit - sie kicken auch selbst. Die Fanclubs in Hannover - insgesamt «rund 96», wie sie selbst sagen - haben eine eigene Fan-Liga gegründet, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt: Hier kämpft «These 96» gegen die «Red Devils» oder die «Red Onions» - und ist aktuell Tabellenführer. «Das schafft Respekt», schmunzelt André Lang. Oberstes Gebot für die christlichen Fan-Kicker: «Wir wollen durch Fairness glänzen», betont Club-Mitglied Paul Derabin.

Für ihn und seine Freunde steht «These 96» aber auch für soziales Engagement. So schwebt ihnen vor, Kinder im Stadion zu betreuen. «Live dabei zu sein, ist ein Event, das durch das Fernsehen nicht zu ersetzen ist», sagt Lang. Durch Verhandlungen mit Hannover 96 will der Club vergünstigte Karten für die Jungen und Mädchen besorgen. Und zur Not soll ein Zuschuss aus der Kirchenkasse helfen: «Es darf nicht daran scheitern, dass sie es sich nicht leisten können.» (Michael Grau, epd)

 
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