Kampf gegen Schmuggel: 

netzeitung.deSpitzenprofit mit falscher Arznei

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Spitzenrendite möglich: Medikamente (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Spitzenrendite möglich: Medikamente
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Drogenschmuggel ist ein lukratives Geschäft. Nur eines lohnt sich noch mehr: Der Handel mit gefälschten Medikamenten. Vor allem Fracht aus China, Indien und Pakistan steht auf der roten Liste.

Das europäische Drehkreuz für Luftfracht ist der Flughafen in Frankfurt am Main einer der wichtigsten Umschlagplätze für versteckte Medikamentenlieferungen. Zwei Drittel der Luftfracht in der EU werden nach Angaben des Zolls über Frankfurt transportiert - insgesamt etwa 33 Millionen Postsendungen und 2,9 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr. Der Kampf gegen die Schmuggler ist in vollem Gang: Mit 15 Röntgengeräten, 32 Spürhunden und mehreren Spezialdetektoren durchsuchen dort fast 950 Zollbeamte Pakete aus verdächtigen Ländern. Vor allem Fracht aus China, Indien und Pakistan steht auf der roten Liste und wird praktisch zu 100 Prozent überprüft. Etwa drei Viertel aller entdeckten Produktfälschungen kommen nach Angaben der Beamten aus China. Aber auch über Dubai, die Seychellen und viele andere Länder kämen Päckchen mit illegalem Inhalt nach Europa, sagt der Leiter des Hauptzollamtes am Frankfurter Flughafen, Ronald Mattausch.

Das Geschäft ist lukrativ: «Bei Betäubungsmitteln machen die Händler einen Gewinn von etwa 200 Prozent», sagt Hans-Joachim Mill vom Pharmakonzern Pfizer. «Beim Schmuggeln von gefälschten Medikamenten liegt die Profitspanne zehn Mal so hoch.» Das macht den illegalen Medikamentenhandel zu einem Riesengeschäft: Allein im vergangenen Jahr zählte der Zoll am Frankfurter Flughafen fast 2300 Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Menge sichergestellter Medikamente ist immens: In einem einzigen Paket verpacken Händler Tausende von Pillen und Ampullen, in einen Reisekoffer passt noch deutlich mehr. Erst vor zwei Wochen entdeckten die Frankfurter Zollbeamten in einer einzigen Postsendung aus Asien rund 4800 Anabolika-Ampullen. Nach dem Öffnen dreier weiterer Päckchen des gleichen Absenders lagerten rund 20.000 Ampullen des gefährlichen Wirkstoffs zur Leistungssteigerung im kargen Kontrollraum der Flughafenmitarbeiter. Marktwert: Mehr als 300.000 Euro. Verkauft werden die Produkte meist über das Internet.

Pech gehabt
Das massive Risiko dieser Schmuggelware für die Bevölkerung ist der EU-Kommission bewusst. «Falsche Medikamente sind eine echte Gefahr für die Menschen», warnt der EU-Kommissar für Steuern und Zollunion, Laszlo Kovacs, bevor er sich am Mittwoch anlässlich des 40-jährigen Bestehens der europäischen Zollunion die Arbeit der Beamten am Frankfurter Flughafen erklären lässt. Im schlimmsten Fall gehe es dabei um Leben und Tod, betont er.

Dennoch werden bei weitem nicht alle gefälschten Viagrapillen, Schlankheitstabletten oder Anabolika-Ampullen entdeckt. «Selbstverständlich» bleibe vieles unerkannt, räumt Mattausch ein. Wie groß die Dunkelziffer ist, will er nicht sagen. Aber selbst wenn Händler enttarnt und Schmuggler festgenommen werden, sind die Auswirkungen gering. «Wenn der Zoll was findet, haben die Täter Pech gehabt und schicken Nachschub», sagt Gero Heimroth vom Frankfurter Zoll.

Verstöße gegen den Artenschutz
Pharma-Manager Mill sieht das ähnlich: «Die Erfolgsquote der Fahndung ist steigerbar», sagt er vorsichtig. Dafür müssten die Behörden aber noch enger mit der Industrie zusammenarbeiten. Bereits jetzt liegt der weltweite Schaden für die Pharmaindustrie infolge gefälschter Arzneimittel nach Angaben des Unternehmens bei 35 Milliarden Euro pro Jahr. «Und das ist steigend», betont Mill.

Hinzu kommen beim Frankfurter Zoll Pakete mit Krokodilsköpfen, Elfenbeinfiguren, exotischen Spinnen und Schlangenhaut, deren Einfuhr gegen Artenschutzgesetze verstößt. Allein im vergangenen Jahr wurden 111.838 artengeschützte Tiere und Pflanzen beschlagnahmt. Auch Waffen aller Art vom Revolver bis zur Kalaschnikow inklusive Munition entdecken die Zollbeamten in Paketen und Reisekoffern - insgesamt 761 Teile allein 2007. Außerdem wurden 905 Kilogramm Rauschgift, 689 Fälle verbotenen pornografischen Materials und 102 Fälle verfassungswidriger Propaganda entdeckt. (Nils Weisensee, AP)