FC Bundestag: Die ganz große Koalition auf dem Rasen19. Jun 2008 10:27  |  Im Berliner Olympiastadion: Franz Josef Jung (am Mikrofon)
| Foto: David Ausserhofer/bdzv |
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Geht es um den Spaß an der Sache, hetzt selbst der 59-jährige Verteidigungsminister noch dem Ball hinterher. Beim FC Bundestag ist das Parteibuch Nebensache. Doch gegen die Tricks der Russen sind die Polit-Kicker machtlos, berichtet Tilman Steffen. Mit Bilderstrecke
Die Medienmeute ist hart, nicht nur im Alltag rückt sie den Politikern auf die Pelle. Auch auf dem Feld sind die Zeitungsmacher ein schwerer Gegner. Beim Spiel zwischen der gerade erst zusammengerufenen Elf des Bundesverbandes der Zeitungsverleger konnte sich der FC Bundestag (FCB) jedenfalls nicht behaupten. Ex-«Welt»-Chefredakteur Jan Eric Peters bugsierte den Ball zweimal am Torhüter des Politikerteams vorbei ins Netz.
Für die Geschlagenen traf Klaus Riegert - aber eben nur einmal, in der 29. Minute. Der CDU-Mann ist Trainer, Kapitän und Torschützenkönig der Mannschaft in Personalunion. «Ein sehr guter Fußballer», lobt selbst der Coach der Zeitungs-Elf, der Journalist und Ex-Fußballprofi Jürgen Rollmann. Riegert schoss seit seinem Eintritt in den FCB mehr als 250 Tore.Rund 500 Zuschauer bejubelten im Berliner Olympiastadion die drei Treffer. Sie würdigten auch den 59-jährigen Bundesverteidigungsminister Frans Josef Jung, der wacker mitlief. Rollmann ist voller Respekt für den CDU-Politiker, der auch im Aufsichtsrat von Eintracht Frankfurt sitzt: «Er hat nicht brilliert, aber das erwartet ja auch niemand.» Nach dem Schlusspfiff traf man sich in der Jesse-Owens-Lounge zur dritten Halbzeit, um die Tore der Partie Italien gegen Frankreich zu bejubeln.
Adenauer gab den Anstoß Auf dem Rasen ist die Große Koalition schon weit länger Realität als seit der Bundestagswahl von 2005. Im Olympiastadion lief die ganz große Koalition auf, denn neben Abgeordneten von Union, SPD und FDP war auch ein Linker dabei: der Politologe und Außenexperte Paul Schäfer. Sport überwindet bekanntlich Grenzen: Die politische Einstellung spielt höchstens dann eine Rolle, wenn man sich gegenseitig befrotzelt. «Da gibt es eine ganz klare Absprache, die seit Jahrzehnten einghalten wird», sagt Vizekapitän Dirk Manzewski. Die Kicker-Koalition hält sogar im Bundestagsplenum: Gegenseitiges Beschimpfen oder Attackieren am Mikrofon unterbleibt.
Schon 1957 soll Bundeskanzler Adenauer den Anstoß zum ersten Spiel des FCB gegeben haben. Manzewski, der derzeit in der Geschichte des Vereins gräbt, sieht 1961 als Geburtsjahr. Verstärkt durch den Ex-Nationalspieler Fritz Walter trat die Elf in Bonn gegen eine Promi-Auswahl des Westdeutschen Rundfunks an – gegen Medienleute, wie auch diese Woche in Berlin. Der Schauspieler Willy Millowitsch war damals Mannschaftsführer. Auf der Tribüne saßen der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, Postminister Richard Stücklen oder Fußballlegende Sepp Herberger.
Spenden für Klinsmanns Stiftung Neben vielen Parlamentariern traten im FCB schon Minister wie Theo Waigel (CSU), Wolfgang Schäuble (CDU), Rudolf Scharping (SPD) an. Von den prominenten Politikern war Sozialdemokrat Peter Struck am längsten dabei. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (Jugend-Spitzename: «Acker»), der gern in der Öffentlichkeit Kostproben seines Ballkönnens gab, gehörte dazu. Bis Jahresende will Manzewski ein Buch über die 40-jährige Geschichte des FCB fertig haben. Er gräbt in Archiven, liest alte Artikel, schreibt neue. Was fehlt, sind Fotos: Es gibt zwar jede Menge Material, «doch die Bildrechte machen mir zu schaffen», sagt er. Als Jurist, der in der SPD-Fraktion auch für Urheberrecht zuständig ist, will er sich keine Fehler leisten. Rekordspieler ist der Hamburger Unionsabgeordnete Dirk Fischer, seit 1980 im Bundestag, mit 330 Toren. Knapp 20 Spiele bestreitet der Club im Jahr. Meist kommt dabei Geld für gute Zwecke zusammen, die Gegner spenden für Jürgen Klinsmanns Agapedia-Stiftung für hilfsbedürftige Kinder oder das Mediziner-Hilfswerk «Hammer Forum».
Der FCBDas Team des FCB gehört mit vielen anderen Sportgruppen zur Sportgemeinschaft Bundestag e.V.. Neben den Fußballern sind dort auch viele Tennisspieler, Reiter, Basketballer, Läufer oder gar Boxer organisiert. - » Der Verein im Internet
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Der harte Takt des Alltags lässt den Polit-Kickern nicht viel Zeit: «In Bonn wurde noch trainiert, aber in Berlin kriegen wir das nicht mehr hin», sagt Manzewski. Entsprechend oft wird der FC Bundestag auch eingesackt. Gegen die Duma verloren die Berliner 7:1, aber auch deshalb, weil die Russen Spieler in ihr Team mogelten, die kurz zuvor noch in der Champions League spielten. Aber auch gegen junge, unverbrauchte Heißsporne treten die im Durchschnitt deutlich betagteren Herren nicht mehr an. Manzewski schildert Begegnungen, für die ein Unternehmen eigentlich die Vorstandsetage schicken wollte. Auf dem Feld sahen sich die Politiker aber lauter 20-Jährigen Mitarbeitern gegenüber. «Das wollen wir nicht mehr», sagt der 1960 geborene Manzewski.
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