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Werbeforschung: 

Das Plakat mit den neugierigen Augen

11. Jun 2008 07:08
Passant vor einem Werbeplakat: Die Kamera ist dabei.
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Ein Hinweis an alle, die nicht gern heimlich gefilmt werden: Bleiben Sie nicht vor Plakaten in New York stehen. Wie die Poster Passanten abtasten und warum das zum Problem werden kann, berichtet Bettina Meier.

Sie gehen an einer Reklametafel vorbei, schauen kurz hin, und gehen weiter. Was Sie nicht wissen: Ein unsichtbares Auge hat nicht nur Ihre Verweildauer, sondern auch Ihr Alter - zumindest das geschätzte - und Ihr Geschlecht erkannt und diese Informationen an eine zentrale Datenbank weitergeleitet. Was wie eine Zukunftsvision klingt, ist nun Wirklichkeit.

In New York in der Nähe des Columbus Circle installierte das französische Jungunternehmen Quividi vor Kurzem eine Kamera in eine riesige Leuchttafel. Während das Plakat eine spannende Vorschau einer neuen Sendung zeigte, maß die Kamera mit einer Spezialsoftware, ob jemand vor dem Plakat stand und anschließend die Höhe der Wangenknochen und den Abstand zwischen Nase und Kinn, um Alter und Geschlecht der Passanten zu ermitteln.

Der Aufwand lohnt sich für die Werbeindustrie

Der Aufwand lohnt sich nach Aussagen von Quividi-Gründer Paolo Prandoni und soll schon bald neue Erkenntnisse zur Wirkung von Plakaten auf Menschen liefern. Hier fehlen der Werbeindustrie bisher noch Forschungsergebnisse. Vor allem interessiert die Unternehmer, welche Werbung die Zielgruppe tatsächlich anspricht. Quividi-Chef Prandoni möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Seine Kamera soll ethnische Merkmale und die Emotionen der Betrachter analysieren. Dann könnte er feststellen, ob jemand asiatischer oder afrikanischer Abstammung und ob er in Kauflaune ist.

Hanns-Wilhelm Heibey, stellvertretender Beauftragter für Datenschutz in Berlin warnt vor so einer Durchleuchtung der Kunden: «Die Feststellung von Daten wie der Ethnie, ist ein sensibles Thema in Deutschland und moralisch verwerflich. Die Volkszugehörigkeit zählt zu den best geschützten Daten im deutschen Datenschutzgesetz.» Jede biometrische Identifizierung sei nicht akzeptabel, schon gar nicht, wenn der Betroffene davon nichts wisse. Beim heimlichen Aufzeichnen droht laut Heibey eine Bußgeldstrafe von bis zu 250.000 Euro.

Interesse an intelligenter Werbung gibt es auch in Berlin

Dass an der Erkundung persönlicher Kundendaten trotz drohender Sanktionen auch in Deutschland großes Interesse besteht, zeigt ein Antrag, den Heibey selbst auf den Tisch bekam. Ein Unternehmer wollte eine Zulassung für das Aufstellen von Videokameras neben einem Werbemonitor in Elektromärkten. Er bekam sie. «Die Unternehmer konnten aber nur erkennen, ob eine Person auf den Film schaut oder nicht. Er hat also nur die Augenfixierung gemessen», sagt Heibey. Zudem forderte er, dass die Kamera sichtbar angebracht wird und ein Schild darauf hinweist.

«Gemessen an anderen EU-Ländern hat Deutschland sehr strenge Datenschutzbestimmungen», sagt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft. Andere Länder seien längst liberalisiert und könnten sich eine versteckte Werbekamera durchaus vorstellen. «Wir müssen uns nur fragen, ob wir inmitten der EU die Insel der Seligen mit unseren Vorschriften sein können», fügt er hinzu.

Auf schmalem Grat

«Auch deutsche Unternehmer möchten so viel wie möglich über die Kaufentscheidung ihrer Kunden wissen», sagt Nickel. «Sie wollen gezielten Erfolg mit einer Anzeige haben und nicht ihr Geld verpulvern. Dies müssen sie aber im Rahmen der Datenschutzgesetze tun und das ist ein schmaler Grat.»

Auf solch einem schmalen Grat bewegt sich derzeit Quividi. Laut Prandoni bleibt alles anonym. Zwar soll die Werbung personalisiert auf den Kunden zugeschnitten sein, der sich in Reichweite des Plakates befindet, jedoch soll zu keinem Zeitpunkt die Identität der Betrachter eine Rolle spielen. «Technisch ist dies aber möglich und auch die Daten kann man speichern», warnt Datenschützer Heibey.

Die Plakatwände mit den klugen Augen sind bereits in New York und Philadelphia im Einsatz. Sollten Sie dort demnächst einmal vorbeikommen, schauen Sie mal genauer hin.

 
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