04.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Gewitter überraschte eine Frau
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sintflutartige Regenfälle haben sich über Deutschland ergossen. Als eine 55-jährige Thüringerin in einem Graben nach Hause ging, wurde sie von einem schweren Gewitter überrascht. Das wurde ihr beinahe zum Verhängnis.
Gewitter mit heftigem Regen haben auch am Dienstag weite Gebiete der Bundesrepublik überzogen. In Thüringen wurde eine 55-jährige Frau nur knapp vor dem Ertrinken gerettet. Sie war bei einem schweren Gewitter zu Fuß an einem offenen Kanalisationsgraben unterwegs gewesen, teilte die Polizei mit.
Als plötzlich Wasser- und Schlamm- Massen durch den Graben rauschten, habe sie sich nicht mehr halten können. Auch ein Mann, der ihr sofort zur Hilfe eilte, wurde mitgerissen. Mehreren Helfern gelang es schließlich, die Beiden zu retten. Die Frau wurde schwer verletzt, der Mann leicht. Die Wassermassen legten Strom und Gasleitungen frei, 700 Haushalte mussten stundenlang ohne Strom auskommen. Blitzschläge führten zu Verspätungen im niedersächsischen Bahnverkehr.
Blitzeinschläge entfachen HäuserbrändeIn Bayern musste die Feuerwehr in der Region Hof zahlreiche Keller leerpumpen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt blieb die Nacht zum Mittwoch hingegen ruhig, obwohl Meteorologen erneut vor Unwettern gewarnt hatten. In Baden- Württemberg gehen auch an diesem Mittwoch die Aufräumarbeiten weiter. Dort waren am Montagabend drei Frauen ertrunken.
In einem Wohnhaus im thüringischen Hartmannsdorf hat ein Blitzeinschlag fast zeitgleich rund 250.000 Euro Schaden verursacht. Ein Passant hörte laut Polizei nur noch einen lauten Knall, dann sei schon Feuer aus dem Dachstuhl geschlagen. In der ganzen Region wurden Straßen und Keller wurden überflutet.
Auch über Hamburg ist ein starkes Gewitter hinweggezogen und hat Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. Die Feuerwehr musste nach Angaben vom Mittwoch am späten Nachmittag und Abend des Dienstags zu insgesamt 58 Einsätzen ausrücken. Ein Blitz sei in den Dachstuhl eines Hauses eingeschlagen und habe ein Feuer ausgelöst. Zudem habe der starke Wind Äste abgebrochen. Wegen des teilweise kräftigen Regens kam es zu Verkehrsbehinderungen. Verletzt wurde niemand. Auch im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein war die Feuerwehr ständig im Einsatz, um Keller auszupumpen. Insgesamt musste die Feuerwehr dort zu 56 Einsätzen ausrücken. Zeitweise standen Straßen so unter Wasser, dass sie kurzzeitig für den Verkehr gesperrt werden mussten. Zwei Bahnunterführungen waren zeitweise nicht passierbar.
Auf der Bahnstrecke Hamburg-Hannover mussten am späten Dienstagnachmittag die Züge umgeleitet werden, weil bei Celle ein Baum auf die Oberleitung gestürzt war. Zwischen Hamburg und Bremen war stundenlang nur noch ein Gütergleis befahrbar. Ursache war eine technische Störung in einem Stellwerk - vermutlich durch einen Blitzeinschlag.
Schaulustige behindern HelferIn Baden-Württemberg erklärte am späten Dienstagabend ein Sprecher des Krisenstabes im Landratsamt in Balingen, dass die meisten Straßen nach der Unwetter-Katastrophe wieder frei seien. Auch der größte Teil der überfluteten Keller sei leergepumpt. Der Schaden erreiche vermutlich eine zweistellige Millionen-Summe.
Vor allem das 1500- Einwohner-Dorf Jungingen im Killertal wurde verwüstet. Das Wasser stand dort bis zu zwei Meter hoch. Autos wurden weggespült, Häuser drohten einzustürzen. «Das ist eine unheimliche Katastrophe», sagte Bürgermeister Harry Frick. Ein Lokführer wurde in Oberschwaben nach dem Aufprall seines Zuges auf umgestürzte Bäume schwer verletzt.
Derweil sind die Unglücksorte in Baden- Württemberg zu beliebten Zielen für Schaulustige geworden. Die Aufräumarbeiten in den Orten Jungingen und Hechingen werden nach Polizeiauskunft immer wieder durch Neugierige behindert. Am Dienstag mussten rund 20 Polizisten abgestellt werden, um Zuschauer zurückzudrängen und die Arbeiten durch Absperrungen zu sichern. «Diese Beamten hätten wir natürlich gut an anderer Stelle gebrauchen können», sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Alle Menschen, die nicht zum Aufräumen gebraucht werden, sollten die Unglücksorte möglichst meiden. (dpa/AP)