28.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ester Carlitz wird im kongolesischen Urwald vermisst
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fünf Tage nach der Vermisstenmeldung der Biologiestudentin aus Leipzig im kongolesischen Regenwald haben sich die Eltern zu Wort gemeldet. Sie glauben nicht an eine Entführung.
Der Vater der 23-jährigen Ester Carlitz hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er seine Tochter wiedersieht. In der «Bild»-Zeitung sagte der Pfarrer: «Vieles spricht dafür, dass sie sich nur verlaufen hat. Ich weiß, dass Gott mein Kind beschützt.» Die Familie der Biologiestudentin will sich am Ort ein Bild von der Situation zu machen. «Von uns wird jemand in das Land reisen, damit wir einen vertrauten Ansprechpartner vor Ort haben», sagte Agnes Carlitz, die Schwester der Vermissten.
Die Forscherin hatte nach Angaben des Max-Planck-Institutes Leipzig eine Karte des Wegenetzes und einen Kompass dabei und ist geschult im Umgang mit diesen Orientierungsgeräten. Am Morgen des 22. Mai war sie gemeinsam mit einem Assistenten vom Camp Lui Kotal aus in den Wald gegangen, um Bonobonester zu suchen. Bonobo sind Zwergschimpansen. Als sie auf eine Bonobogruppe trafen, folgten sie ihr.
Schwierige SucheEntgegen der strikten Anweisung, sich nicht voneinander zu trennen, machte sich die junge Forscherin Mittag alleine auf den Weg zurück in das Camp. Das Satelitenpeilgerät blieb bei dem Assistenten. Sie benutze einen der Hauptwege, die alle 50 Meter gut sichtbar mit Markierband gekennzeichnet sind. Dennoch verschwand sie spurlos und kam nie im Camp an. «Wir haben keine Erklärung dafür, warum sie allein ging», sagte Professor Christophe Boesch, Leiter der Primatologie.
Nachdem abends der Assistent alleine zurück ins Camp zurückgekehrt war, wurde ihr Vermisssein gemeldet und eine Suchmannschaft sucht seitdem rund um die Uhr nach ihr. Wissenschaftler und 50 Einheimische durchkämmen den schier undurchdringlichen Urwald.
Die Aktion gestaltet sich laut Boesch aber zeitintensiv und schwierig, insbesondere auch wegen der mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten. So habe das Institut wegen der Langsamkeit der Übertragung per Satellitentelefon erst am Sonntag von der Vermissten erfahren. Um die Kommunikation zu verbessern habe das Institut drei Satellitentelefone gekauft. An diesem Mittwoch werde zusätzliches erfahrenes Personal und Kommunikationstechnik in dem Forschercamp im Salonga Nationalpark eintreffen. «Wir tun alles, um die Möglichkeit zu verbessern, sie zu finden», sagte Boesch.
Keine Hinweise auf RebellenBoesch zeigte sich optimistisch, dass die Suche Erfolg hat. «Wasser ist dort im Regenwald nicht das Problem», sagte er. Wenn sich die Biologie-Studentin nicht verletzt habe, bestünden gute Chancen sie wohlbehalten zu finden.
Das Auswärtige Amt teilte mit, dass die Botschaft in Kinshasa in dem Fall mit der Familie und den kongolesischen Behörden in Verbindung stehe. Hinweise auf eine Entführung gibt es bisher nicht. Nach Angaben des Instituts gibt es vor Ort keine Hinweise auf die Anwesenheit von Rebellen. Das Forschercamp Lui Kotal liegt gut drei Flugstunden und einen fünfstündigen Fußmarsch von Kinshasa entfernt. Es befindet sich am südwestlichen Rand des kongolesischen Salonga-Nationalparks und ist vollständig von tropischem Regenwald umgeben. Die Fortbewegung ist ausschließlich zu Fuß möglich. (nz/dpa/AP)