Nach aufwändigem Feuerwehreinsatz:
Brand in Berliner Philharmonie unter Kontrolle
20. Mai 2008 21:52
 |  Feuerwehr im Konzertsaal: Lage unter Kontrolle | Foto: AP |
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Die Feuerwehr hat den Dachstuhlbrand in dem weltberühmten Konzerthaus nach Stunden harter Arbeit im Griff. «The show must go on», heißt nun das Motto. Claudio Abbado soll das Orchester an anderem Ort dirigieren.
Der Brand in der Berliner Philharmonie ist unter Kontrolle. Erst am Abend hat Einsatzleiter Harald Herweg vermelden können, dass seine Wehrleute den Dachstuhlbrand an dem Bau von Hans Scharoun im Griff hatten.
Herweg sagte: «Wir hatten Glück, dass der Brand zu einer Tageszeit ausbrach, in der relativ wenig Betrieb im Haus war.» Der Brand war gegen 14.00 Uhr ausgebrochen und hatte sich auf etwa 1600 Quadratmeter im Dachstuhl ausgedehnt. Er bedrohte das weltberühmte Konzerthaus sowie zahlreiche kostbare Musikinstrumente, die nicht wiederbeschaffbar gewesen wären.
Dichte gelbe Qualmwolke über der Stadt
Eine dichte gelbe Qualmwolke, die sich über dem Dach ausgebreitet hatte, war kilometerweit zu sehen. Die Feuerwehr kämpfte mit etwa 150 Mann gegen den Schwelbrand, der vermutlich bei Schweißarbeiten unter dem Dach direkt über dem großen Konzertsaal entstanden war. Alle Konzerte in dem Saal wurden bis auf weiteres abgesagt. Menschen wurden nicht verletzt.In der Nacht werde die Feuerwehr noch nach möglichen Glutnestern suchen. Der Feuerwehr sei es gelungen, mit dem Einsatz von Löschschaum den Wasserschaden gering zu halten. Fieberhaft hatten die Männer versucht, die Dachhaut mit Sägen zu öffnen und mit Wasser und Schaum den Brand zu ersticken.
Saal selbst ist nicht betroffen
Der Saal selbst, in dem schon Stardirigenten wie Herbert von Karajan, Zubin Mehta oder Kurt Masur am Pult standen, war zur großen Erleichterung der von Sir Simon Rattle geleiteten Philharmoniker nicht betroffen. Allerdings mussten ein Konzert und eine Probe mit dem früheren Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado, mit insgesamt 720 Mitwirkenden, darunter 400 jugendlichen Chorsängern, abgesagt werden.
Große Solidarität unter den Konzerthäusern
Kulturstaatssekretär André Schmitz sagte in der «Abendschau» des Fernsehsenders rbb, am Mittwoch werde endgültig entschieden, wo die von Abbado geplanten Wochenendkonzerte stattfinden können. In Frage kämen unter anderem das Konzerthaus am Gendarmenmarkt oder der Admiralspalast. Es gebe eine große Solidarität unter den Konzerthäusern. Große Sorge bei der Brandbekämpfung galt den wertvollen Instrumenten im Haus. Orchestervorstand Peter Riegelbauer sagte aber, alle wertvollen Instrumente, etwa 40 bis 50 Stück, seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Dabei handele es sich überwiegend um Streichinstrumente von unschätzbarem Wert, oft aus dem Privatbesitz der Musiker.
Die Konzertflügel blieben im Großen Saal, waren nach Einschätzung der Orchesterleitung aber nicht in Gefahr, weil sie ganz unten in der Nähe des Podiums standen.
«Glück im Unglück»
Rattle war in den dramatischen Stunden nicht in Berlin. Er hielt sich zu Proben in Aix-en-Provence auf, berichtete Intendantin Pamela Rosenberg, und wurde dort über das Feuer informiert. Auch sie betonte, es sei Glück im Unglück gewesen, dass das Feuer vor einer Probe des «Te deum» von Hector Berlioz ausgebrochen sei. Bei der Probe wären 750 Teilnehmer im Haus gewesen. So waren es rund 300, die alle in Sicherheit gebracht wurden. Polizei und Feuerwehr wollten Angaben zur Brandursache noch nicht bestätigen, die Ermittlungen liefen noch. Ein Sprecherin der Philharmonie hatte gesagt, vermutlich seien bei Schweißarbeiten Isolierschichten in Brand geraten. (AP/dpa)