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Hintergrund: 

Rund 40 «Ehrenmorde» in Deutschland seit 1996

17. Mai 2008 15:12
In Deutschland landen die Täter meist vor Gericht - werden aber nicht immer bestraft
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Weil männliche Angehörige sich durch selbstbestimmte Frauen in ihrer Ehre verletzt sehen, müssen immer wieder junge Migrantinnen sterben. Oftmals sind es einst geliebte Brüder oder Ehemänner, die zu erbarmungslosen Mördern werden.

Rund 40 Frauen sind seit 1996 in Deutschland sogenannten Ehrenmorden zum Opfer gefallen, wie aus einer bereits 2006 veröffentlichten Erhebung des Bundeskriminalamts hervorgeht. Diese Verbrechen kommen in bestimmten eingewanderten ethnischen Gruppen vor, in denen Frauen für die «Entehrung» ihrer Familie verantwortlich gemacht werden.

Die Täter, meist enge Familienangehörige, wollten mit der Tötung die Ehre wieder hergestellt werden. Die Zahl der männlichen Opfer belief sich bis 2006 auf zwölf; sie wurden in der Regel mitverantwortlich für die Entehrung der Frau gemacht. Die Wiederherstellung der Familienehre wird als Pflicht des Mannes angesehen. Das wird darin deutlich, dass von den 70 Tatverdächtigen nur vier Frauen waren.

Frau muss sich keusch verhalten

Allein 50 Verdächtige waren türkische Staatsbürger. In 30 und damit den meisten Fällen wurde eine beabsichtigte oder tatsächliche Trennung vom Partner als Ehrverletzung angesehen. In vielen traditionell partriarchalischen Gesellschaften hängt die «Ehre» der gesamten Familie laut der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes vom keuschen Verhalten der weiblichen Mitglieder ab. Verhalten sie sich nicht gemäß dem traditionellen Frauenbild, werde die «Ehre» der Familie nachhaltig verletzt und könne nur mit der Ermordung oder Verstoßung der «Schuldigen» wieder hergestellt werden.

Jährlich werden nach einer - allerdings schon etwas älteren Studie - des UN-Weltbevölkerungsberichts rund 5.000 Mädchen und Frauen in mindestens 14 Ländern aus diesem Grund ermordet. Die Dunkelziffer ist allerdings sehr viel höher - die Schätzungen gehen von 10.000 bis 100.000 Fällen aus. Die wenigsten Fälle werden vor Gericht gebracht. Häufig wird der Mord als Unfall oder Selbstmord getarnt, wobei die Mädchen oder Frauen in einigen Fällen dazu gezwungen wurden, sich selbst zu töten.

«Ehrenmorde» gibt es auch in Südamerika

Verbrechen im Namen der «Ehre» geschehen in nahezu allen Teilen der Welt und in allen soziokulturellen Milieus. Sie sind laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kein religiöses Phänomen, obwohl sie häufig in islamischen Ländern begangen werden. Auch in vielen anderen Ländern kommen solche Verbrechen vor, etwa in Brasilien, Ecuador, Italien oder sogar in Deutschland. Zuletzt sorgte der Fall der Deutsch-Kurdin Hatun Sürücü für Aufsehen, die von einem ihrer Brüder auf offener Straße erschossen wurde, weil die Familie den westlichen Lebensstil der jungen Frau nicht akzeptierte.

Im westlichen Strafrecht gibt es den Begriff «Ehrenmord» nicht. Das deutsche Gesetz (Paragraf 211 StGB) definiert als Mörder, «wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet». (dpa)

 
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