Verwüstungen in Birma:
Wie eine Leipzigerin der Katastrophe trotzt
17. Mai 2008 12:45
 |  Katharina Vaetz mit Mitarbeiterinnen | Foto: dpa |
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Aus den Fenstern ist die goldene Shwedagon-Pagode zu sehen, aber im Hotel stehen die Zimmer leer. Die 29-jährige deutsche Managerin hilft im Kleinen und bemüht sich um ein Stück Normalität mitten im Chaos von Rangun.
Fenster gingen zu Bruch. Über den Parkplatz rauschte das Wasser. Katharina Vaetz und ihr Freund stocherten mit Bambusstöcken im Abfluss, damit ihr Hotel in Rangun nicht überflutet wurde. Zwei Wochen nach dem Zyklon «Nargis» liegt vor dem «Savoy» noch ein entwurzelter Baum auf der anderen Straßenseite. Sonst sind die Sturmschäden fast beseitigt. Nur die Gäste machen sich in diesen Tagen etwas rar. Die 29 Jahre alte Hotelchefin aus Leipzig hofft, dass es bald wieder Strom gibt und es weiter vorangeht, eine Solaranlage auf dem Dach muss repariert werden.
Nach dem Sturm hat sich Vaetz große Sorgen um ihre 85 Mitarbeiter gemacht. «Die ersten drei, vier Tage waren schwierig», sagt sie. Während die meisten das Unwetter glimpflich überstanden haben, verloren vier Angestellte ihre Häuser: Ihre Bambushütten in einem Armenviertel hat der Zyklon fortgerissen. Damit es schnelle Hilfe für sie gibt, hat die junge Deutsche eine Spendenbox in der Hotelbar aufgestellt.
Sie hilft Flutopfern im Kleinen
Einem Küchenhelfer hat sie Geld in die Hand gedrückt, er ist ins verwüstete Irrawaddy-Delta gereist und hofft, dass seine Familie zu den Überlebenden gehört. «Man rückt näher zusammen», fasst die Hotelmanagerin die Stimmung zusammen. Sie hilft Flutopfern im Kleinen - so machen es viele in Birma, wo die Militärregierung nach der Katastrophe dabei versagt, sich ausreichend um die Notleidenden zu kümmern.Katharina Vaetz sieht mit Zopf, T-Shirt und Sandalen aus wie eine Rucksackreisende. Sie ist sehr jung für ihren Posten, aber wer mit ihr spricht, merkt schnell, dass sie weiß, wie man zupackt und organisiert.
Damit die Versorgung noch besser klappt, hat das Hotel jetzt ein paar eigene Hühner und Enten, erzählt die Chefin. Abends tummeln sich in der Bar Gäste und «Expats», die Ausländer der Stadt, und tauschen Neuigkeiten aus. Vaetz plaudert gern und macht einen unternehmungslustigen Eindruck. Heimweh hat sie nicht, sagt sie. In Birma, das durch das Regime von der Welt isoliert ist, leben offiziell nur 120 Deutsche.
Luxushotel in bester Lage
Eine Stellenanzeige lockte die Hotelfachfrau nach Stationen in Deutschland und der Schweiz in das südostasiatische Land, wo sie 2006 zur Managerin aufstieg. Das «Savoy» hat 30 Zimmer und ist im Kolonialstil eingerichtet, mit Korbmöbeln, dunklen Tropenhölzern,
asiatischen Schnitzereien und nostalgischen Bildern an den Wänden. Aus dem Fenster ist die goldene Shwedagon-Pagode zu sehen, eines der Wahrzeichen des Landes. Freundliche Menschen, Pagoden und Strände: Birma gilt als Reiseziel als Geheimtipp - wenn man nicht zu denjenigen gehört, die es aus politischen Gründen boykottieren. Vor dem Zyklon hat Vaetz im September die demonstrierenden Mönche gesehen, deren Aufstand blutig niedergeschlagen wurde. Natürlich weiß die Ostdeutsche, dass das von den Generälen und der Geheimpolizei unterdrückte Land seine Schattenseiten hat.
«Es wird einfach nicht über Politik geredet», hat sie beobachtet. Touristen müssen ihrer Meinung nach trotz allem keine Bedenken haben zu kommen.
Es sei wirklich nicht so, dass an jeder Ecke Militär stehe. Ein Boykott, wie er zum Beispiel in der Backpackerbibel «Lonely Planet» diskutiert wird, schade den Menschen nur, meint Katharina Vaetz, die von Birma schwärmt. «Die Leute hier können nichts dafür.» (Johanna Marten, dpa)