Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Dramatische Entwicklungen im Erdbebengebiet: 

Tausende fliehen vor Dammbruch

17. Mai 2008 10:51, ergänzt 17:56
Überlebende suchen nach Verschütteten
Bild vergrößern
Tausenden Chinesen drohen nach dem Erdbeben neue Gefahren: Oberhalb einer Stadt könnte ein Damm brechen, andernorts wurden Atomanlagen beschädigt. Unerdes ist ein deutscher Tourist unversehrt wieder aufgetaucht.

Ein vermisster Deutscher hat das verheerende Erdbeben in Südwestchina unverletzt überlebt. Anders als zuvor berichtet, musste der Mann jedoch nicht aus Trümmern geborgen werden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag berichtete. Der 62 Jahre alte Mann habe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unverletzt zusammen mit den Bewohnern des Dorfes Taoguan ausgeharrt. «Mit mir ist alles in Ordnung», sagte er.

Nach der Rettung des Deutschen konnte wenig später ein weiterer Überlebender gemeldet werden. Feuerwehrleute befreiten einen jungen Mann in der Stadt Yingxiu in der Provinz Sichuan nach 124 Stunden aus Trümmern und Schutt, meldete Xinhua. Knapp eine Woche nach dem Erdbeben droht den Überlebenden nun neue Gefahr durch einen Dammbruch. Die Stadt Beichuan musste evakuiert werden.

Der deutsche Bergsteiger war mit zwei chinesischen Begleitern unterwegs. Die Reise hatte ein Münchner Tourveranstalter organisiert. Laut Xinhua war er bereits am Donnerstag in Taoguan im schwer betroffenen Landkreis Wenchuan ausfindig gemacht worden, konnte aber erst am Samstag - 114 Stunden nach dem Beben - in Sicherheit gebracht werden. Anwohner hatten ihn mit Nahrung und Wasser versorgt. Sobald ein passendes Fahrzeug gefunden sei, werde er in die Provinzhauptstadt Chengdu gebracht, sagte ein Militärangehöriger.

Identität noch unklar

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte: «Der Fall ist uns bekannt. Es handelt sich um die Person, die sich heute bei den deutschen Stellen gemeldet hat.» Angaben zur Person und zu Details des Falles wollte die Sprecherin aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht machen. Das Auswärtige Amt spricht bisher von «einigen wenigen Vermisstenmeldungen» Deutscher in der Region.

Insgesamt wird in China mit mehr als 50.000 Todesopfern gerechnet. Die Zahl der amtlich bestätigten Toten stieg am Samstag auf fast 29.000. Die Zahl der Verletzten gab die Regierung mit etwa 200.000 an. Im Erdbebengebiet haben rund fünf Millionen Obdachlose eine fünfte Nacht in meist notdürftigen Unterständen verbracht.

Massenflucht vor Dammbruch

Wegen der Gefahr eines Dammbruchs im Erdbebengebiet ist am Samstag die Stadt Beichuan evakuiert worden. Die Bergungstrupps und Tausende Menschen flüchteten eiligst in höher gelegene Gebiete, berichtete die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers, die mit zwei Kollegen in der Stadt ist und selber auf der Flucht vor einer möglichen Flutwelle war. «Alle rennen.»

Anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten dann eher wie ein «geordneter Rückzug» verlaufen. «Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen.» Die Menschen riefen «lauft, lauft» oder «schnell, schnell», berichtete Reimers, während sie selber mit dem Kameramann und einer Assistentin den Berg heraufrannte. «Alle ziehen aus der Stadt ab.»

Bei dem Erdbeben hatte oberhalb der Stadt ein Erdrutsch einen Fluss blockiert, so dass sich ein See bildete. Experten waren bereits zu diesem natürlichen Damm aus Geröll, Felsen und Erde gefahren, um die Gefahr einschätzen zu können. Die Behörden hatten auch das Wasser aus dem Fluss, der an Beichuan vorbeifließt, abgelassen, möglicherweise um Platz für eine Flutwelle zu schaffen. «Der Fluss ist leer», bestätigte Korrespondentin Reimers nur zehn Minuten, bevor plötzlich Alarm geschlagen wurde. Die Zerstörung in der Stadt, wo nur 10.000 der 30.000 Einwohner überlebt haben, nannte Reimers «unfassbar». «Alles ist voller Leichen.»

Offenbar auch Schäden an Atomanlagen

Nach Angaben der französischen Atomaufsicht hat das Erdbeben auch leichte Schäden an einigen Atomanlagen in der Region verursacht. Radioaktivität sei aber offenbar nicht frei geworden. Die chinesischen Behörden hätten schnell reagiert und sofort alle Atomanlagen in der Region abgeschaltet, um sie zu kontrollieren, sagte am Freitag Thierry Charles, der für Sicherheitsfragen zuständige Direktor der französischen Atomaufsicht.

China betreibt den Angaben zufolge in der Provinz Sichuan einen Forschungsreaktor, zwei Brennstofffabriken und zwei Anlagen zum Bau von Atomwaffen. Alle Betriebe lagen zwischen 70 und 150 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Die chinesische Atomaufsicht (NNSA) wies ihre Mitarbeiter aber am Tag nach dem Beben an, sich auf Umweltprobleme vorzubereiten. Oberste Priorität habe das Trinkwasser, hieß es in einer undatierten Mitteilung der zum Umweltministerium gehörenden Behörde.

Charles erklärte unter Bezug auf Angaben der NNSA die Schäden seien an älteren Atomanlagen aufgetreten, bei denen schon vor dem Erdbeben mit der Demontage begonnen worden sei. (nz/AP/dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
  •  Berlin 20°
  •  Hamburg 20°
  •  Köln 22°
  •  Frankfurt 22°
  •  Stuttgart 21°
  •  München 20°
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.