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netzeitung.deProfessor Chávez' Merkel-Test

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Tobt gern mal zum Zweck der Forschung: Professor Chávez (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Tobt gern mal zum Zweck der Forschung: Professor Chávez
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit einem Forschungsprojekt macht ein venezolanischer Wissenschaftler auf sich aufmerksam: Er testet die Toleranzschwelle von Politikern und Repräsentanten. Spaniens König fiel durch, Kanzlerin Merkel schneidet besser ab.

Bislang arbeitet er eher im Verborgenen, nur vorübergehend nimmt die Welt Notiz von dem kleinen Mann in Caracas. Vor einer Tagung von Forschern aus Europa und Lateinamerika in Peru trat Professor Chávez überraschend an die Öffentlichkeit. Sein Forschungsgebiet: Aus der Ferne Politiker mit Schmähungen zu überziehen und die darauf folgende Reaktion auszuwerten. Das Ergebnis überrascht: Männer sind weit dünnhäutiger als Frauen. Die Netzeitung zeigt, wie Professor Chávez arbeitet und präsentiert einen Teil der Aufsehen erregenden Ergebnisse.

Der Hitler-Vergleich: «Die deutsche Kanzlerin, die der deutschen Rechten angehört, derselben Rechten, die Hitler unterstützt hat, den Faschismus...», wolle ihm auf dem Gipfel in Lima womöglich den Mund verbieten. Das schleuderte Professor Chávez der deutschen Kanzlerin in einer Fernsehsendung am 11. Mai entgegen.

Merkel sagte daraufhin, dass Chávez nur ein kleiner, unbedeutender Wissenschaftler sei. Merkel erreichte auf Chávez' Gleichmut-Skala fünf von fünf möglichen Punkten.

Der Autonomen-Vergleich: «Sie (die Kanzlerin) kommt hierher und wirft mit Steinen. Ich kenne die Gründe nicht, weshalb einige europäische Staatschefs hierher kommen, um sich mit uns zu treffen und schon vor ihrer Ankunft Steine werfen». So giftete Professor Chávez beim Außentermin auf einem Ölfeld im venezolanischen Bundesstaat Guaricó am 14. Mai.)

Merkels Reaktion: Sie werde bei ihrer Reise durch Lateinamerika jeden freundlich begrüßen. Vier Punkte.

Die Vernunft-Provokation: Merkel solle sich «wie eine Staatsfrau» benehmen und nicht «Pfeile schießend» nach Lateinamerika kommen. Merkel weise «ein merkwürdiges Verhalten auf», ihr fehle «alles, einschließlich Vernunft». (Professor Chávez am 16. Mai in Caracas)

Merkels Reaktion zur Frage einer möglichen Begegnung mit dem Forscher: «Ich glaube, wir werden uns gut vertragen, und es wird ein gutes Treffen.» Fünf Punkte.

Auch andere Staats- und Regierungschefs wurden von Professor Chávez schon attackiert. Am 19. September 2006 sprach er in New York bei der Uno. Auf das Pult deutend, an dem vor ihm US-Präsident George W. Bush gesprochen hatte, sagte er: «Und es riecht hier noch immer nach Schwefel.» Eine Reaktion des Präsidenten ist nicht überliefert.

Im November vergangenen Jahres hielt er in Santiago de Chile ein Impulsreferat über die Provokation von Wirtschaftschefs. Nebenbei reizte er den anwesenden spanischen König Juan Carlos derart, dass dieser sich genötigt fühlte, ihn zu duzen und ihm harsch über den Mund zu fahren. «Warum hältst Du nicht endlich den Mund?», fragte der Monarch den Professor, nachdem dieser den früheren spanischen Regierungschef José María Aznar wiederholt als «Faschisten» bezeichnet hatte. Nur ein Punkt für Juan Carlos. (nz)