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Katastrophe nimmt kein Ende: 

Nachbeben und Millionen Obdachlose in China

16. Mai 2008 14:45
Hilfskräfte bergen eine Schwangere aus den Trümmern in Sichuan.
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Ein weiterer heftiger Erdstoß hat die Hoffnung auf überlebende Verschüttete in China zunichte gemacht. Inzwischen haben rund fünf Millionen Menschen ihre Bleibe verloren.

Starke Nachbeben haben die Menschen im chinesischen Erdbebengebiet am Freitag in neue Panik versetzt. Der heftigste Erdstoß in der Provinz Sichuan hatte amerikanischen Geologen zufolge die Stärke 5,5 und lag nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche - genau wie bei dem verheerenden Beben der Stärke 7,9 vom Montag.

Die bestätigte Zahl der Todesopfer wurde inzwischen mit mehr als 22.000 angegeben, doch galten mindestens 14.000 Menschen noch als verschüttet, so dass letztlich mit etwa 50.000 Toten gerechnet wurde. Wie die chinesische Regierung laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete, sind in Sichuan und den Nachbarprovinzen rund 169 000 Menschen durch das Erdbeben verletzt worden. Das schwere Erdbeben hat bisher bereits rund fünf Millionen Menschen obdachlos gemacht.

Zwei Überlebende geborgen

Kleine Hoffnungsschimmer gab es dennoch: Rund 80 Stunden nach dem ersten Beben konnten die Rettungsmannschaften aus den Trümmern einer eingestürzten Schule ein überlebendes Kind bergen. Ganze 96 Stunden danach wurden eine Krankenschwester und zwei weitere Überlebende aus dem Schutt einer Klinik in Beichuan gerettet, gab die Agentur Xinhua bekannt.

Angesichts der hohen Anzahl eingestürzter Schulen wurde zunehmender Unmut gegen die Behörden laut. Die Zahl der zerstörten Klassenräume wurde mit mindestens 6.900 angegeben, tausende Schüler kamen vermutlich ums Leben. Vertreter der Ministerien für Bildung und Wohnungsbau stellten sich sogar im Internet den Fragen wütender Bürger. Die Behörden kündigten harte Strafen für diejenigen an, denen Baufehler nachgewiesen werden könnten.

Präsident Hu besucht Sichuan

Allein in der Stadt Mianzhu wurden laut Xinhua in sieben eingestürzten Schulen rund 1.700 Menschen verschüttet. 1.300 Leichen wurden bislang geborgen. Unter den Trümmern einer anderen Schule in der Stadt Hanwang wurden 700 Kinder vermutet. In Beichuan konnten 360 aus den Ruinen ihrer Schule befreit werden, 700 galten aber noch als verschüttet. Auch wurden mehr als vier Millionen Wohnhäuser zerstört oder beschädigt, wie das Wohnungsministerium ergänzend berichtete. Den Bergungsmannschaften läuft allmählich die Zeit davon.

Die Rettungsarbeiten hätten jetzt ihre «kritischste Phase» erreicht, betonte der chinesische Staatspräsident Hu Jintao, der am Freitag in der Provinz Sichuan eintraf. Die Zeit werde knapp und die Herausforderungen seien immer noch sehr groß, sagte Hu in Beichuan. Der Präsident wolle den Angehörigen der Opfer sein Beileid auszudrücken, die Bergungsarbeiten inspizieren und einige der insgesamt 130.000 mithelfenden Soldaten treffen, meldete Xinhua.

Ausländische Rettungsexperten warten auf Einreise

Trotz des Zeitdruck bei den Rettungsarbeiten mussten 18 Experten aus Großbritannien und Kanada in Hongkong weiter auf Einreisevisa warten, wie die Zeitung «South China Morning Post» am Freitag berichtete. «Es ist frustrierend», wurde der Brite Willie McMartin zitiert. «Wir können aber nichts dagegen tun.» Andererseits ließ China erstmals in seiner Geschichte ausländische Helfer ins Land. Bergungsexperten aus Südkorea, Russland und Singapur wurden erwartet, eine Gruppe japanischer Katastrophenschutzexperten war schon Sichuan.

Bergungsmannschaften aus Japan wurden aber abgelehnt. Die chinesische Regierung hat nach eigenen Angaben 5,4 Milliarden Yuan (500 Millionen Euro) für die Rettungsarbeiten bereitgestellt. Der wirtschaftliche Schaden infolge des verheerenden Erdbebens wurde auf 20 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) geschätzt. (AP/dpa)

 
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