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Entsetzen über schlechte Bauqualität: 

Tausende Schulgebäude in China eingestürzt

16. Mai 2008 11:56
Ein Kind neben den Trümmern einer Schule in Dujiangyan, Provinz Sichuan
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Nach dem verheerenden Beben in China legen die Behörden immer mehr Augenmerk auf die Seuchengefahr - und die Bevölkerung auf die Bauqualität der Schulen. Behördengebäude hätten dem Erdstoß besser standgehalten, empören sich Eltern.

Nach dem verheerenden Erdbeben bemängeln Eltern im Katastrophengebiet, dass Tausende Schulen eingestützt sind. An manchen Orten keimt aber auch neue Hoffnung: 80 Stunden nach dem Beben bargen Rettungsmannschaften ein Kind aus den Trümmern einer Schule.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua weiter berichtete, hörten die Retter in Beichuan noch weitere schwache Hilfeschreie aus dem zusammengestürzten Gebäude. Sie hoffen nun, weitere Schüler noch retten zu können. Schulen sind offenbar in besonderem Maße von dem Erdbeben betroffen, Tausende Schüler wurden unter Trümmern begraben. Allein in der Provinz Sichuan sind 6898 Schulhäuser zerstört worden.

Fast 7000 Schulgebäude zerstört

Empörte Eltern wiesen darauf hin, dass viele Behördengebäude dem schweren Beben besser standgehalten hätten als die Schulen. Laut der ARD-Korrespondentin in China kennen die Bauvorschriften drei Kategorien. Die meisten Gebäude werden in der Kategorie C gebaut. Wichtige Gebäude werden nach der Kategorie B gebaut, nur extrem wichtige nach der Kategorie A, also etwa das Mausoleum für den Gründer der Volksrepublik Mao Zedong.

Die Regierung ordnete inzwischen eine Untersuchung der Bauqualität an. Falls die Schulgebäude Qualitätsprobleme hatten, sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, kündigte das Bildungsministerium an.

Staatspräsident im Katastrophengebiet

Chinas Staatspräsident Hu Jintao rief bei einem Besuch in der Stadt Mianyang im Katastrophengebiet zu größeren Anstrengungen auf, die 100.000 Verletzten zu behandeln, die Obdachlosen zu versorgen und die Infrastruktur wiederherzustellen. «Die Herausforderung ist weiter gewaltig, die Aufgabe schwer und die Zeit drängt», zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Arbeit wird immer wieder auch von Nachbeben erschwert. Nordwestlich der Metropole Chengdu in der Provinz Sichua erschütterte ein Beben der Stärke 5,6 erneut die Erdbebenregion, wie chinesische Medien berichten. Seit Montag haben Seismologen zahlreiche Nachbeben bis zu einer Stärke von 6,5 gemessen.

Leichen schnell und abseits von Quellen beerdigen

Peking mahnte an, die Leichen möglichst schnell und abseits von Wasserquellen oder bewohnten Gebieten zu beerdigen. Regierungschef Wen Jiabao mahnte, dem Ausbruch von Epidemien besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte, die Rettung von Leben habe in der ersten Phase nach der Katastrophe Vorrang, doch müssten jetzt die hygienischen Bedingungen, die Seuchenkontrolle und Vorbeugung besondere Beachtung finden.

Die Behörden wurden aufgerufen, die Lage genau zu beobachten, um sofort den möglichen Ausbruch von Seuchen festzustellen. Auch die mehr als 100 000 Soldaten, die bei den Bergungsarbeiten helfen, wurden zur Wachsamkeit aufgerufen. Das Parteiorgan «Renmin Ribao» (Volkszeitung) verbreitete einen Aufruf: «Wir müssen gegenüber den potenziellen Gefahren höchst wachsam sein und vorbeugende Maßnahmen ergreifen.»

»Wir brauchen dringend Leichensäcke«

Ein hoher Parteifunktionär der schwer betroffenen Präfektur Aba, Bai Licheng, sagte, die hohen Temperaturen beschleunigten die Zersetzung der Leichen. Nach einem Besuch in dem schwer zerstörten Ort Yingxiu sagte Bai Licheng, die Leichen lägen auf dem Boden und schlechter Geruch liege bereits in der Luft. «Wir brauchen dringend Leichensäcke.»

Vier Tage nach der Katastrophe in der südwestchinesischen Provinz Sichuan wurden am Freitag noch mehr als 10.000 Verschüttete unter den Trümmern vermisst. Die Überlebenschancen schwinden mit jeder Stunde. Mehr als 100.000 Menschen sind verletzt. Es mangelte sowohl an Medikamenten und Blutkonserven als auch an Trinkwasser und Nahrung.

Zerstörerischste Erdbeben seit der Staatsgründung 1949

Niemals seit der Staatsgründung im Jahr 1949 sei ein Erdbeben so zerstörerisch gewesen, sagte Regierungschef Wen Jiabao nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Es sei stärker gewesen als das Erdbeben im Juli 1976 in Tangshan in Nordostchina mit rund 240.000 Toten, das als das folgenschwerste des 20.Jahrhunderts gilt.

Rettungstrupps haben nach Angaben des Gouverneurs von Sichuan bisher mehr als 13.000 Menschen lebend aus den Trümmern ziehen können. Neue Gefahr drohte durch Schäden an mehr als 500 Staudämmen im Erdbebengebiet. Sollten sie brechen, könnten weite Landstriche überflutet werden.

Ausländisches Bergungsteam wartet in Hongkong auf Visa

Erstmals in der Geschichte Chinas arbeiteten auch ausländische Bergungsteams im Katastrophengebiet. Als erste kamen japanische Spezialisten. Allerdings warten nach einem Bericht «South China Morning Post» auch 18 internationale Rettungsexperten untätig in Hongkong, weil sie noch kein Einreisevisa erhalten haben.

China hat weitere Angebote aus Südkorea, Singapur, Taiwan und Russland angenommen, Rettungsmannschaften zu schicken. Auch die Vereinten Nationen haben ihre Hilfe angeboten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Familien der Opfer angesichts dieser «schrecklichen Tragödie» sein tiefstes Beileid aus.

Einige zehntausend Obdachlose verbrachten die vierte Nacht unter Planen im Freien. 50.000 Decken und 37.700 Zelte sind in Sichuan eingetroffen. Weitere 75.000 Zelte sollen folgen, berichtete das Verwaltungsministerium. Rund 10.000 medizinische Helfer aus Sichuan und anderen Provinzen sowie von Militär und Polizei seien im Einsatz. Mehr als 130.000 Soldaten sind mobilisiert. (dpa/AP)


 
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