Nach der Zyklon-Katastrophe: Helfer in Birma bereiten sich auf Schlimmstes vor15. Mai 2008 14:02  |  Nach dem Zyklon: Verwüstungen in Rangun | Foto: dpa |
|
Die Lage in Birma bleibt verzweifelt. Nur zögerlich lässt das Regime ausländische Hilfskräfte ins Land, die Vermittlungsversuche von Uno und EU kommen allenfalls schleppend voran. Unterdessen droht eine weitere Schlechtwetterfront.
Für hunderttausende Zyklon-Opfer in Birma ist kein Ende des Elends in Sicht: Nach dem verheerenden Wirbelsturm vor knapp zwei Wochen nähert sich jetzt eine Schlechtwetterfront mit sturzflutartigen Regenfällen, warnten Meteorologen am Donnerstag. Die einheimischen Helfer, die sich im verwüsteten Flussdelta um die Überlebenden kümmern dürfen, bereiten sich nach Angaben des Roten Kreuzes «auf das Schlimmste» vor.
Meteorologen haben für die Südküste Birmas für die kommenden Tage bis zu zwölf Zentimeter Regen vorausgesagt. «Das Land ist schon völlig gesättigt, das Wasser kann nicht abfließen, mehr Leute werden erneut vertrieben und die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wächst», sagte Joe Lowry von der Rotkreuz-Föderation in Bangkok. Er war gerade aus Rangun zurückgekehrt.
Hilfsgüter aus Deutschland angekommen In Rangun traf unterdessen der erste Flug mit 20 Tonnen Hilfsgütern aus Deutschland ein, darunter vier Wasseraufbereitungsanlagen. Die Techniker, die die Maschinen am schnellsten einsatzfähig machen könnten, durften allerdings nicht einreisen. Sie haben wie hunderte andere Katastrophenexperten bislang keine Visa erhalten. In Berlin sollte noch am Donnerstag eine Maschine mit 16 Tonnen Hilfsgütern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) starten. Darunter sind sechs mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die 15.000 Menschen am Tag mit Wasser versorgen können.
Spendenkonten für BirmaDiakonie-Katastrophenhilfe: Kennwort «Zyklon Birma», Konto 502-707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70 (www.diakonie-katastrophenhilfe.de).Caritas international: Kennwort «Birma», Konto 202, BLZ 660 205 00, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, (spende.caritas-international.de). UNICEF: Kennwort «Burma/Myanmar», Konto 300 000, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.unicef.de). Deutsches Rotes Kreuz: Kennwort «Zyklon», Bank für Sozialwirtschaft, Konto 41 41 41, BLZ 370 205 00 (www.drk.de). Aktion Deutschland hilft: Kennwort «Zyklon Myanmar», Konto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.aktion-deutschland-hilft.de). Deutsche Welthungerhilfe: Kennwort «Nothilfe/Myanmar/Birma», Konto 1115, Sparkasse Bonn, BLZ 380 500 00 (www.welthungerhilfe.de). Kindernothilfe: Kennwort: «Zyklon Birma», Konto 45 45 40, KD-Bank Duisburg, BLZ 350 601 90 (www.kindernothilfe.de). Bündnis «Entwicklung hilft»: Konto 51 51, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.entwicklung-hilft.de). Misereor: Kennwort «Zyklon Myanmar», Konto 10 10 10, Paxbank Aachen, BLZ 370 601 93 (www.misereor.de) Spenderberatung: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI, Bernadottestraße 94, 14195 Berlin (www.dzi.de). (05684/14.5.2008) |
|
Bei den Vereinten Nationen in New York wachsen unterdessen Ärger und Frust über den Widerstand der Militärjunta gegen ausländische Helfer. «Die Größenordnung dieser Situation erfordert eine verstärkte Mobilisierung von Ressourcen und Hilfskräften», forderte Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, werde persönlich nach Birma reisen, um die Junta zu einer Öffnung zu bewegen. Das hatte allerdings schon Thailands Regierungschef Samak Sundaravej vergeblich versucht. Er unterhält freundschaftliche Beziehungen zu der Militärjunta und war eigens in die abgelegene Hauptstadt Naypyidaw geflogen. «Die Machthaber bekräftigen, dass sie keine ausländische Hilfe brauchen», sagte er anschließend.
EU-Kommissar verhandelt mit Militärjunta Inzwischen bemüht sich EU-Entwicklungskommissar Louis Michel in Birma weiter darum, die Militärregierung zu einer Öffnung für ausländische Katastrophenhelfer zu bewegen. Michel habe «erste positive Gespräche» mit dem birmanischen Sozialminister geführt, sagte sein Sprecher am Donnerstag in Brüssel. Zudem habe er um Termine mit dem Premier- und dem Außenminister gebeten. Der Kommissar fordert unter anderem 30-Tage-Visa für Hilfskräfte der EU-Kommission und Sechs-Monate-Visa für Hilfsorganisationen unter EU-Vertrag.Die birmanische Führung «prüfe» die Anliegen, sagte der Sprecher. Michel habe außerdem vorgeschlagen, den Militärflughafen der Stadt Pathein für Hilfstransporte zu öffnen. Der Kommissar hatte am Donnerstag auch ein vom Militär kontrolliertes Hilfscamp in der Nähe Ranguns besucht. Zuvor war er mit mehreren EU-Diplomaten in Birma sowie mit Vertretern des Roten Kreuzes und des Welternährungsprogramms der Uno zusammengekommen.
Nach Angaben der Uno sind fast zwei Wochen nach dem Zyklon erst ein Viertel der Opfer notdürftig versorgt worden. Das DRK berichtet, dass allein in der zerstörten Stadt Labutta noch 10.000 Menschen auf der Straße oder unter Bäumen leben. Hilfsorganisationen gehen inzwischen von mindestens 100.000 Toten aus. Bis zu zwei Millionen Menschen brauchen dringend Zelte, Decken und Medikamente. Die Militärregierung spricht offiziell weiter von 60.000 Toten und Vermissten. (nz/dpa)
|