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Hakenkreuz vielleicht selbst geritzt: 

Vermeintliche Heldin gegen Rechts angeklagt

14. Mai 2008 22:44
Nach einem Verbot der Nazi-Organisation ,Sturm 34' war es ruhig in Mittweida
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Im November sollen vier Nazis einer Jugendlichen in Sachsen angeblich ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt haben, als sie einem Aussiedler-Mädchen zu Hilfe eilte. Doch nun steht die heute 18-Jährige selbst vor Gericht.

Die Nachricht erregte vor sechs Monaten bundesweites Aufsehen: Vier glatzköpfige Rechtsextremisten in Bomberjacken und Springerstiefeln schikanieren auf einem Parkplatz im sächsischen Mittweida ein kleines Aussiedler-Mädchen, eine unerschrockene Jugendliche geht dazwischen – und muss für ihre Zivilcourage büßen. Die Männer stürzen sich auf sie, ritzen ein Hakenkreuz in ihre Hüfte. Das alles beobachtet von Anwohnern, die tatenlos zusehen. So schilderte es zumindest das vermeintliche Opfer bei der Polizei.

Doch nun zeichnet sich ab, dass sich die heute 18-Jährige die Geschichte nur ausgedacht hat. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz erhob am Mittwoch Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat. Die Jugendliche allerdings «bleibt bei ihrer Aussage», wie Oberstaatsanwalt Bernd Vogel sagt. Über ihre Motive könne man nur spekulieren. Möglicherweise habe sie als Heldin gefeiert werden wollen.

Mittweida stand damals im Ruf, eine Nazi-Stadt zu sein. Monatelang hatte die Neonazi-Organisation «Sturm 34» die Region regelrecht terrorisiert, bis sie im April 2007 verboten wurde. Danach wurde es relativ ruhig – bis zum angeblichen Hakenkreuz-Fall am 3. November.

Ehrenpreis für Zivilcourage bekommen

Als Heldin gefeiert wurde die junge Frau denn auch. Im Februar verlieh das Bündnis für Demokratie und Toleranz – eine von der Bundesregierung gegründete Initiative – ihr den Ehrenpreis für Zivilcourage, obwohl da schon bekannt war, dass Ermittlungen gegen sie liefen. «Im Vordergrund steht für uns das couragierte Eingreifen der jungen Frau – und daran haben wir keinen Zweifel», sagte die frühere Innen-Staatssekretärin Cornelie Sonntag-Wolgast. Die Ausgezeichnete nahm den Preis im Rathaus von Mittweida an und präsentierte sich strahlend den Fotografen und Kameraleuten. Nur Interviews hatte ihr Rechtsanwalt ihr verboten.

Dabei war der Fall von Beginn an mysteriös. Die junge Frau hatte die angebliche Tat erst nach neun Tagen angezeigt. Augenzeugen meldeten sich auch auf mehrfache Aufrufe nicht - trotz einer Belohnung von 5000 Euro. Die Staatsanwaltschaft gab ein zweites rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag, nachdem ein erstes eine Fremdverletzung nicht ausgeschlossen hatte: Ein ausgewiesener Experte für Selbstverletzungen kam zu dem Ergebnis, dass auch der Fall der Jugendlichen ein solcher ist.

«Wir sind keine Nazi-Stadt»

Es wäre nicht der erste dieser Art. 1994 ritzte sich eine junge Rollstuhlfahrerin in Halle ein Hakenkreuz ins Gesicht und behauptete, von Nazis überfallen worden zu sein. Es stellte sich als Lügengeschichte heraus. Ebenso wie der Fall im sächsischen Sebnitz, in dem die Mutter des fünfjährigen Josef dessen tödlichen Badeunfall vor acht Jahren in einen Naziangriff umdeutete und damit maximale mediale Aufmerksamkeit erhielt.

In Mittweida begrüßen viele, dass die Staatsanwaltschaft den Hakenkreuz-Fall zur Anklage gebracht hat. «Der Fall hat unsere gesamten Bemühungen im Kampf gegen den Rechtsextremismus auf den Kopf gestellt», sagt Bürgermeister Damm. «Mittweida hat seitdem einen Makel, ich hoffe, dass dieser im juristischen Verfahren ausgeräumt werden kann. Wir sind keine Nazi-Stadt.» (Erik Nebel, dpa)

 
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