Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in China ist auf fast 12.000 gestiegen. Es wird befürchtet, dass es noch mehr Opfer geben wird, da noch immer Tausende Menschen vermisst sind. Mit Video
Die Zahl der Toten durch das schwere Erdbeben in China hat am Dienstag die fast Marke 12.000 erreicht. Katastrophenschutz-Direktor Wang Zhengyao teilte mit, es seien in der Provinz Sichuan bisher 11.921 Tote bestätigt. Die Behörden rechneten damit, dass die Opferzahlen noch deutlich steigen werden, sobald Informationen aus abgeschnittenen Regionen vorliegen. In den Trümmern liegen tausende Menschen verschüttet. Zehntausende in der schwer betroffenen Provinz Sichuan in Südwestchina waren obdachlos. Dringend werden Trinkwasser, Medizin, Zelte und Nahrungsmittel benötigt.
Beim Einsturz einer einzigen Schule rund 1000 Schüler sowie Lehrer getötet worden. Das sechsstöckige Gebäude im Bezirk Beichuan sei in einen zwei Meter hohen Schutthaufen zusammengefallen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Die meisten Opfer befänden sich noch unter den Trümmern.Es handelte sich nicht um dieselbe Schule, bei der 900 Schüler verschüttet wurden. Bei diesem Fall in Juyuan wurden mindestens 60 Kinder getötet, die anderen galten zunächst noch als vermisst. Die Schulen befanden sich im Bereich des Epizentrums in Wenchuan, knapp 100 Kilometer nordwestlich von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan.
In der schwer betroffenen Stadt Mianzhu sollen allein 1500 Menschen ums Leben gekommen sein. Mindestens 10.000 Menschen gelten als verschüttet, wie die Staatsagentur Xinhua berichtete. Das Schicksal der Obdachlosen und die Rettungsbemühungen wurden durch Regenfälle erschwert, die in den nächsten Tagen anhalten sollen.
Einen Tag nach dem schweren Erdbeben haben die ersten Rettungskräfte den Ort des Epizentrums in Südwestchina erreicht. Wie die amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, seien trotz Regens am Dienstag 1300 Militärärzte und Soldaten im Landkreis Wenchuan eingetroffen, um dort nach Überlebenden zu suchen und Verletzte zu versorgen. Die Straße war durch Steine und Erdrutsche verschüttet. Soldaten aus der Provinzhauptstadt Chengdu hatten sich deshalb zu Fuß auf den Weg gemacht.
Spendenaufruf
Das chinesische Rote Kreuz rief zu Spenden für die Opfer der Katastrophe auf. Es würden dringend Zelte, Decken, Nahrung, Trinkwasser benötigt. Wegen der Schwierigkeiten mit dem Transport solcher gespendeter Güter bevorzuge das Rote Kreuz vor allem Geldspenden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Mehrere Provinzen bereiteten Medikamente und medizinisches Gerät vor oder schickten tausende Zelte für die Opfer. Ein Krisenzentrum wurde in der Stadt Dujiangyan im Erdbebengebiet eingerichtet.
China heißt internationale Hilfe für die Erdbebenopfer willkommen. Der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, bedankte sich am Dienstag vor der Presse in Peking für die angebotene Unterstützung. Chinas Regierung sei bereit, Kontakte mit internationalen Organisationen und betreffenden Ländern aufzunehmen, um die Hilfe zu koordinieren. Deutschland und die Europäische Union sowie die USA hatten am Vortag bereits ihre Hilfe angeboten.
Aktive seismologische Zeit
Seismologen verglichen die Stärke des Erdbebens mit der Katastrophe 1976 in Tangshan in Nordostchina, wo nach offiziellen Angaben 242.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Die chinesische Hauptstadt Peking, wo ebenfalls die Erde zitterte, habe aber kein eigenes Erdbeben erlebt, sondern nur Nachbeben der Erdstöße in Sichuan. Der Experte Jiang Haiku berichtete, China und seine Nachbarn durchlebten in diesem Jahr eine vergleichsweise aktive seismologische Zeit. «Im Moment gibt es einen Trend hin zu Erdbeben in China und seinen benachbarten Ländern.»
Unter den Opfern des Bebens vom Montag sind auch Touristen. Ein Erdrutsch begrub einen Reisebus in Maoxian und tötete 37 Insassen. Mehr als 2000 Reisende steckten in der Präfektur Aba fest. Wie viele Ausländer betroffen waren, ist unklar. Die deutsche Generalkonsulin in Chengdu, Jutta Schmidt, sagte in Peking: «Die chinesischen Behörden haben uns bislang versichert, dass keine Deutschen und andere Europäer unter den Opfern sind.» Das Konsulat stehe in engem Kontakt mit den chinesischen Stellen.
Eine britische Touristengruppe galt im Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum lag, als vermisst. Die rund 15 Briten dürften das berühmte Pandareservat Woolong besucht haben, sagte ein Behördensprecher laut Nachrichtenagentur Xinhua.
60.000 in Wenchuan abgeschnitten
Das Schicksal von rund 60.000 Menschen in Wenchuan war ungeklärt. «Ich bin sehr besorgt», sagte der Vizegeneralsekretär der Regierung von Aba, He Biao. Hilfe mit Zelten, Nahrung oder Medizin müsse aus der Luft abgeworfen werden, weil die Straßen blockiert seien. Auch werden medizinische Hilfskräfte benötigt, um Verletzte zu behandeln. Das Erdbeben hat nach Angaben der Organisatoren keine Auswirkungen auf die Olympischen Spiele im Sommer.
Die Wettkampfstätten seien erdbebensicher und streng nach Vorschrift gebaut worden, berichtete am Dienstag der Sprecher des olympischen Nachrichtenzentrums, Wu Kun. «Sie sind von dem gestrigen Erdbeben nicht beeinflusst worden.» Das Erdbeben in der 1500 Kilometer entfernt gelegenen südwestchinesischen Provinz Sichuan habe kaum Auswirkungen auf Peking und andere Austragungsorte gehabt. «Es hat keinen Einfluss auf die Pekinger Sommerspiele im August.»
Der Sprecher der Erdbebenwarte in Peking, Gu Yongxin, sagte, die Wettkampfstätten hätten «den Test bestanden». Die Erdstöße am Vortag hatten in der Hauptstadt die Stärke von 3,9 erreicht. Die olympischen Stadien könnten sogar bis zur Stärke 8 aushalten, berichtete der Sprecher der Tageszeitung «Chongqing Chenbao». Es sei viel Ausrüstung eingebaut worden, die Daten über Schäden durch Erdbeben übermitteln. Nach der Auswertung der Informationen sei klar, «dass die Wettkampfstätten durch das Beben in keinerlei Weise beeinträchtigt oder beschädigt worden sind», sagte der Sprecher. (dpa)