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Schlimmstes Erdbeben seit 32 Jahren: 

Chinesische Behörden melden fast 9000 Tote

12. Mai 2008 09:52, ergänzt 20:41
Soldaten suchen nach Opfern in den Trümmern eines Krankenhauses in Dujiangyan
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Besonders schwer getroffen von dem Erdbeben der Stärke 7,8 ist die chinesische Provinz Sichuan. In einem einzigen Landkreis starben Tausende von Menschen unter den Trümmern ihrer Häuser. Viele zerstörte Gebiete sind noch nicht zugänglich.

Beim schlimmsten Erdbeben in China seit 32 Jahren sind am Montag mehrere tausend Menschen ums Leben gekommen. Acht Stunden nach dem Beben der Stärke 7,8 im Südwesten des Landes waren allein in der Provinz Sichuan offiziell schon 8533 Tote bestätigt. In den Provinzen Gansu, Shaanxi, Yunnan und der Metropole Chongqing wurden mindestens weitere 160 Tote gemeldet. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigt, denn viele zerstörte Erdbebengebiete waren noch unzugänglich. Einige Hundertausend Menschen sind in schwer betroffenen Kreisen Sichuans wegen zerstörter Straßen und Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten. Ihr Schicksal war zunächst ungeklärt. Das Militär hat tausende Soldaten, Hubschrauber und Bergungsteams mit Suchhunden entsandt. Auf der Richterskala erreichte das Beben die Stärke 7,8.

Schon dreieinhalb Stunden nach dem Erdbeben waren 107 Tote in den Provinzen Sichuan, Gansu, Yunnan und der Metropole Chongqing bestätigt, wie das Verwaltungsministerium in Peking berichtete. Es wurde befürchtet, dass Zehntausende obdachlos geworden sind. Regenfälle erschwerten das Schicksal der Überlebenden. Die Telefonverbindungen waren unterbrochen. Auch brach das Handynetz wegen des Ansturms besorgter Anrufe zeitweise zusammen. Besonders der Landkreis Wenchuan, wo das Epizentrum lag, sowie Lixian und Maoxian rund 100 Kilometer von der Provinzhauptstadt Chengdu waren betroffen.

Steinmeier bekundet sein Mitgefühl

Regierungschef Wen Jiabao flog sofort ins Erdbebengebiet. Auf dem Flug appellierte Wen Jiabao an die beteiligten Funktionäre, besondere Anstrengungen zu unternehmen, um den Opfern zu helfen. «Alles, was wir tun, ist dem Volk zu dienen.» Auch Präsident Hu Jintao rief die Behörden zu vereinten Bemühungen auf. Das nationale Erdbebenamt bildete einen Krisenstab mit 180 Mitgliedern, der ebenfalls nach Sichuan reisen wollte. Telefonisch übermittelte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dem chinesischen Außenminister sein Mitgefühl für die Opfer. Er habe auch deutsche Hilfe angeboten, sagte Steinmeier vor seinem Abflug zu einer fünftägigen Reise nach Russland. Auch die EU-Kommission hat Hilfsbereitschaft signalisiert.

Improvisiertes Lazarett in Chengdu
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Mit Glück konnte eine Frau in Dujiangyan mit ihrer Tochter aus ihrem fünfstöckigen Haus flüchten. Es war in eine gefährliche Schieflage geraten. Mit anderen Überlebenden harrten sie im Regen ohne jede Hilfe auf einem großen Spielplatz einer Schule aus, als die Dunkelheit anbrach. Mit dem Handy konnte sie nicht telefonieren, aber Kurznachrichten verschicken. «Es ist so traurig», schrieb sie an eine Freundin. »Wir können nicht mehr zurück ins Haus, um unsere Sachen zu holen.» Das Haus drohe einzustürzen. Sie hätten keine Schirme oder Jacken gegen den Regen in der Nacht.

Schüler befreien sich selbst aus Trümmern

In einer einzigen zerstörten Schule in dem Ort sollen fast 900 Schüler verschüttet worden sein. Die dreistöckige Juyuan-Schule stürzte teilweise ein, als in 18 Klassen jeweils 50 Kinder Unterricht hatten, wie Xinhua berichtete. Einige verschüttete Kinder versuchten, sich selbst aus den Trümmern zu befreien. «Andere riefen nach Hilfe», berichtete Xinhua. Trauernde Eltern sahen zu, wie fünf Kräne die Trümmer beseitigten. Zwei Mädchen berichteten, sie seien nur mit dem Leben davon gekommen, «weil sie schneller als die anderen rannten». Dorfbewohner bargen einige Schüler aus den Ruinen. «Einige sind aus dem Fenster gesprungen, und einige wenige sind das Treppenhaus herunter gelaufen, das nicht zerstört wurde.»

Eingestürzte Gebäude, beschädigte Straßen

In der Millionenstadt Chongqing wurden vier Schüler getötet und mehr als 100 verletzt, als zwei Schulen einstürzten, berichtete Xinhua. Im Kreis Mianyang kam ein Mensch ums Leben, als ein Wasserturm umstürzte. Die Erdstöße, Nachbeben und nachfolgende kleinere Beben waren in der gesamten asiatischen Region von Bangkok bis ins 1500 Kilometer entfernte Peking oder in den Hafenstädten Hongkong und Shanghai zu spüren, wo die Wolkenkratzer schwankten. Die Olympiastadt Peking erlebte sieben Minuten nach dem Erdbeben in Sichuan ein Beben der Stärke 3,9. Bürohäuser in der Hauptstadt wurden evakuiert. Ein Seebeben der Stärke 5,1 wurde aus Taiwan gemeldet.

In der Metropole Chengdu in Sichuan rannten die Menschen in Panik auf die Straße, wie Augenzeugen berichteten. «Ich sah keine Gebäude, die eingestürzt waren, doch ich sah einen großen Riss in der Wand eines Hauses», berichtete eine Frau telefonisch. In vielen Städten flüchteten die Menschen in Panik auf die Straßen. Die Flüge in die Provinzhauptstadt wurden vorübergehend eingestellt. Auch der Bahnhof wurde zeitweise gesperrt. In dem schwer von dem Erdbeben betroffenen Kreis Wenchuan nahe Chengdu liegt auch das berühmte Panda-Zuchtgebiet Woolong.

Das Pekinger Erdbebenamt sprach von einer Stärke 8,0, doch gaben andere seismologische Institute in China und den USA die Stärke übereinstimmend mit 7,8 an. Der nur 700 Kilometer vom Epizentrum entfernt gelegene gigantische Drei-Schluchten-Damm am Jangtse-Strom in Zentralchina ist nach offiziellen Angaben nicht vom Erdbeben betroffen gewesen. «Es gibt keine Anzeichen», sagte ein Sprecher des Betreibers laut Xinhua. «Alles läuft normal.»

Die Erdstöße, Nachbeben und nachfolgende kleinere Beben waren in der gesamten asiatischen Region von Bangkok bis Peking oder in den Hafenstädten Hongkong und Shanghai zu spüren, wo die Wolkenkratzer schwankten. Die Olympiastadt Peking erlebte sieben Minuten nach dem Erdbeben in Sichuan ein Beben der Stärke 3,9. Bürohäuser in der Hauptstadt wurden evakuiert. Ein Seebeben der Stärke 5,1 wurde aus Taiwan gemeldet. (dpa)

 
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