Verbrechen in Amstetten: Die vorgezogene Verteidigung des Josef Fritzl09. Mai 2008 11:48  |  Sein Verteidiger möchte Fritzls Bild in der Öffentlichkeit ändern | Foto: AP |
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Der Anwalt des Inzest-Vaters geht in die Offensive. Mit ausführlichen Gesprächsprotokollen will er das Bild vom «Monster» korrigieren. Dabei kommen bizarre Details des Doppellebens ans Licht.
Der österreichische Inzest-Täter Josef Fritzl hat sich gegenüber seinem Anwalt auch zu einer Vergewaltigung aus dem Jahr 1967 geäußert. «Ich weiß nicht, was damals in mich gefahren ist», sagte er laut einem Gesprächsprotokoll, das die «Bild»-Zeitung veröffentlichte. Indem er diese ausführlichen Statements Fritzls lanciert, möchte sein Anwalt Rudolf Mayer dem Bild vom «Monster» entgegenwirken, das die Öffentlichkeit von dem 73 Jahre alten Mann gewonnen hat.
Die Aufzeichnungen sollen offenbar Mayers Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit untermauern. Nach den Vorstellungen des Anwalts müsse Fritzl nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. Die ausführliche Selbstdarstellung Fritzls kann deshalb auch als Teil der Verteidigungsstrategie gewertet werden. Ein Kriminalpsychologe unterstellt in «Bild», dass die Deutungsmuster, die in den Aussagen angelegt sind, vom Anwalt gesteuert worden seien.
Beziehung zur Mutter als Ursache Fritzl spricht dem Protokoll zufolge über die Beziehung zu seiner Mutter: «Meine Mama war eine starke Frau. Sie hat mich zu Disziplin, Ordnung und Fleiß erzogen, mir eine gute Schulbildung und Berufsausbildung ermöglicht, sie hat dauernd schwer gearbeitet, harte Jobs angenommen, um uns über Wasser zu halten.»
Und er fügte hinzu: «Sie war die beste Frau der Welt.» Der Kriminalpsychologe deutet diese Äußerung als Hinweis darauf, dass Fritzl mit seiner Mutter eine inzestuöse Beziehung unterhalten habe. Der Täter selbst bestreitet das, gibt aber zu, derartige Fantasien gehabt zu haben.
Verhaltens-Wurzeln in der NS-Zeit Seine Erziehung in der Nazizeit wertet er als eine der Ursachen für seine Tat. Er habe damals «Drill und Strenge» gelernt und lege viel Wert auf «Anstand und gutes Benehmen». Auch das Entführungsopfer Natascha Kampusch hatte vor einigen Tagen Parallelen zwischen den Folgen der NS-Herrschaft und Fritzls Verhalten gezogen.
Dass er seine Tochter, nachdem er das jahrelang geplant hatte, in den Keller sperrte, stellt er als eine Art Züchtigung dafür dar, dass sie sich seit der Pubertät an keinerlei Regeln mehr gehalten habe. «Sie trieb sich nächtelang in üblen Lokalen herum, trank Alkohol, rauchte. Ich versuchte sie aus dem Sumpf herauszuholen, ich verschaffte ihr eine Lehrstelle als Serviererin, aber sie ging oft tagelang nicht zur Arbeit, riss sogar zweimal aus und trieb sich in dieser Zeit mit miesen Personen herum.» Der Rentner stritt ab, seine Tochter Elisabeth im Alter von elf Jahren missbraucht zu haben. «Das stimmt nicht. Ich bin kein Mann, der sich an kleinen Kindern vergeht.
»Mit jedem Tag dramatischer« Fritzl behauptet, er habe sich, indem er sie schließlich fesselte und einsperrte, in einen »Kreislauf« manövriert, aus dem es kein Entkommen mehr gegeben habe: »Ich wusste, dass mit jedem verstrichenen Tag meine Tat dramatischer bewertet werden würde.« Der Drang, das Verbotene zu tun, sei wie eine Sucht gewesen.
Seine Tochter bezeichnete er als »hervorragende Hausfrau und Mutter«. Er habe ihr Blumen und Videos mitgebracht und mit den Kindern Abenteuerfilme angesehen. An Weihnachten und Geburtstagen habe er heimlich Christbäume, Torten und Geschenke in den Keller geschleppt. Er wolle nun nicht sterben, sondern nur noch büßen, sagt Fritzl laut dem Protokoll. Medienberichte zeichen indes weiterhin ein anderes Bild von Fritl. Das Online-Portal «DCRS-Online» berichtet etwa von Zeugen, die ihn bei Besuchen in einem Swinger-Club mit seiner Frau gesehen haben wollen. Er habe sie demnach behandelt «wie einen Hund». Auch die Prostituierten in einem Linzer Bordell hätten sich vor den brutalen Wünschen Fritzls gefürchtet. (nz)
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