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Nahrungsmittel für Sturmopfer: 

Internationaler Druck auf Birma nimmt zu

08. Mai 2008 11:32
Die Flugzeuge mit den Hilfsgütern haben ihr Ziel noch nicht erreicht
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Nachdem es zunächst keine Landeerlaubnis gab, soll sie jetzt vorliegen und zwei Flugzeuge des Roten Kreuzes können starten. Indes hat das Auswärtige Amt den Botschafter Birmas einbestellt. Viele Helfer warten weiter auf eine Einreiseerlaubnis.

Erstmals seit der Sturmkatastrophe am vergangenen Wochenende sollen noch am Donnerstag zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes nach Birma aufbrechen. Eine Chartermaschine und ein Linienflugzeug von Thai Airways mit Material würden voraussichtlich am Abend in Kuala Lumpur in Malaysia starten, sagte Rot-Kreuz-Koordinator Bernd Schell in Bangkok am Donnerstag. «Die Genehmigungen liegen vor.»

Zunächst war nicht klar, ob Birma eine Landeerlaubnis erteilen würde. Der Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), Paul Risley, erklärte am Donnerstag, es stünden drei Flugzeuge in Dubai, Bangladesch und Thailand mit rund 50 Tonnen Protein-Keksen bereit. Zuvor hatte es geheißen, vier Flugzeuge seien bereits gestartet. Die Maschinen sollen Plastikplanen, Seile, Hämmer, Nägel und weiteres Baumaterial nach Birma bringen. Zunächst würden jedoch nur kleinere Ladungen in das südostasiatische Land gebracht, um zu testen, ob die Militärregierung die Materialien wie versprochen beim Roten Kreuz belasse. Bislang berichteten Hilfsorganisationen, die Junta übernehme ausländische Hilfslieferungen und verteile sie selbst.

Unterdessen zeigt der internationale Druck auf das Militärregime offenbar erste Wirkung: Helfer aus asiatischen Ländern kämen nun leichter an Visa, berichtete Schell. Viele westliche Hilfskräfte warteten jedoch weiter auf ihre Einreiserlaubnis: «Das ist noch nicht, was wir brauchen».

Bislang verteilen rund 200 hauptamtliche und mehr als 10.000 freiwillige Rotkreuzhelfer Zelte, Wasser, Kleidung und Nahrungsmittel aus lokalen Katastrophenlagern an die Bevölkerung. Sechs ausländische Mitarbeiter unterstützen das lokale Rote Kreuz bei der Koordination der Hilfe. «Für uns fängt die Arbeit jetzt erst an», sagte Schell. «Wir rechnen mit bis zu einer Million Obdachlosen, die über Monate, wenn nicht Jahre, auf Hilfe angewiesen sein werden.»

Wie kommt die Hilfe am schnellsten an?

Das Auswärtige Amt bestellte den Botschafter Birmas in Berlin ein. Dem Vernehmen nach soll es bei dem Gespräch vor allem um die Behinderungen von Hilfsorganisationen gehen, die teilweise nicht in das von einem Zyklon verwüstete Birma gelassen werden. Das Treffen werde voraussichtlich am Nachmittag stattfinden, hieß es am Donnerstag in Berlin.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes teilte mit, dass Deutschland bisher eine Million Euro an Hilfen angeboten habe. Sehr schwierig gestalte sich jedoch bisher der Abfluss des Geldes. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) trifft an diesem Freitag in Berlin den sogenannten Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe. Dabei stehen die Hilfsleistungen und die Frage, wie sie am schnellsten nach Birma kommen, im Mittelpunkt.

Amnesty International zufolge verzögern einige Spender ihre Hilfsangebote aus Sorge, die dringend benötigten Güter könnten an die Streitkräfte gehen statt an die Opfer von «Nargis». WFP-Regionaldirektor Anthony Banbury deutete an, die Vereinten Nationen hätten ähnliche Bedenken wie Amnesty. «Wir werden unsere Lieferungen nicht einfach zu einem Flughafen bringen, abladen und wieder abheben», sagte Banbury. Vielmehr solle sichergestellt werden, dass die Hilfsgüter auch bei den Menschen ankommen.

Nothelfer beklagen verzweifelte Lage

Das Hilfswerk Malteser International erklärte, die Situation sei verzweifelt und in den Auswirkungen mit dem Tsunami im Dezember 2004 vergleichbar. Dennoch könnten die Mitarbeiter noch immer nicht in die am stärksten betroffenen Gebiete südlich von Rangun, um die Menschen mit Trinkwasser, Medikamenten und Nahrungsmitteln zu versorgen, sagte der Leiter des Hilfswerkes, Ingo Radtke, am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur.

Die Aktion Deutschland Hilft warnte vor einer massiven Nahrungsknappheit in Birma. Weil die Militärregierung kaum Güter ins Land lasse, müssten die Hilfsorganisationen lokale Märkte leerkaufen, um der Bevölkerung in den zerstörten Gebieten zu helfen, sagte Janina Niemietz vom Aktionsbündnis am Donnerstag.

Der Zyklon «Nargis» könnte nach Einschätzung einer US-Diplomatin 100.000 Menschen das Leben gekostet haben. Die staatlichen birmanischen Medien bezifferten die Zahl der Toten auf knapp 23.000, mehr als 42.000 Menschen galten demnach als vermisst. Rund eine Million wurden obdachlos. (dpa/AP)

 
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