Inzest-Drama von Amstetten:
Kritik an den Behörden im Fall Fritzl wächst
08. Mai 2008 11:02
 |  Amstettener gratulieren einem der Fritzl-Kinder zum Geburtstag. | Foto: dpa |
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Ermittler haben im Amstettener Haus mit einem Endoskop einen weiteren Kellerraum entdeckt. Bislang haben sie ihn noch nicht betreten. Eine Ministerin kritisiert indes die «Leichtgläubigkeit» bei den Ämtern.
Hinter dem Verlies, in dem Josef Fritzl seine Tochter und deren Kinder gefangen hielt, befand sich laut einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» noch ein weiterer Hohlraum. Das habe eine Untersuchung mit einem Endoskop ergeben, stellte ein Ermittler in der «FAZ» fest. Anderen Berichten zufolge soll eine Untersuchung dieses Verlieses erst erfolgen, wenn die Analyse der übrigen Bereiche abgeschlossen ist.
Am Mittwoch demonstrierten in Amstetten etwa 500 Menschen unter dem Motto «Wir gestalten Zuversicht» ihre Solidarität mit den Opfern. Auf den Plakaten standen Slogans wie «Keine Seele, keine Wärme oder »Österreichs Image ist im Keller«. Außerdem riefen verschiedene Institutionen zum Spenden auf.
Der Anwalt der Opfer überlegt einem Bericht der »Kleinen Zeitung« zufolge eine Klage oder einstweilige Verfügung gegen Josef Fritzl zu veranlassen, damit dessen Zugriff auf sein Privatvermögen vorübergehend eingeschränkt würde. So könnten Ansprüche der Opfer sichergestellt werden. Der Anwalt wollte das bei seinem Treffen mit der Familie am Mittwoch besprechen.
Sexualstrafrecht soll verschärft werden
Die österreichische Regierung hat unterdessen beschlossen, das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Verurteilte Sexualstraftäter dürften dann nicht mehr Lehrer oder Kinderarzt werden. Das teilte der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ)nach einer Regierungssitzung mit. Noch vor der Sommerpause soll das Parlament demnach über die Änderungen beraten.
Inzwischen wächst die Kritik an den österreichischen Behörden . Zuletzt monierte Justizministerin Maria Berger (SPÖ) der »Wiener Zeitung« zufolge »eine gewisse Leichtgläubigkeit« der zuständigen Ämter. Es sei nicht einmal untersucht worden, ob und wie die »Findelkinder« mit ihren Großeltern überhaupt verwandt seien. DNA-Tests, mit denen sogar die direkte Vaterschaft des Großvaters nachweisbar gewesen wäre, sind nach den Informationen der Zeitung in Österreich seit 1996 möglich.
»Völlig unverständlich, warum niemand schaut, wer der Vater ist«
»Es ist völlig unverständlich, warum niemand auf die Idee gekommen ist, hier zu schauen, wer zum Beispiel der Vater ist«, zitiert das Blatt den Linzer Familienrechtsexperte Günther Tews.
Auch die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat sich nun mit dem Fall beschäftigt. In einem Text auf ihrer Homepage elfriedejelinek.com geht es um männliche Allmachtsfantasien, um Ignoranz und das österreichische Harmoniebedürfnis. Der Text heißt »Im Verlassenen«. (nz)