Inzest-Verbrechen von Amstetten:
Fritzl will zu Vorwürfen «Stellung nehmen»
07. Mai 2008 14:11
 |  Staatsanwalt Sedlacek (Mitte) auf der Pressekonferenz | Foto: dpa |
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In seiner Vernehmung hat der Inzest-Vater Fritzl zugesichert, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Berichten zufolge zeigt er jedoch weder Einsicht, noch Reue und behauptet, seine Tochter gerettet zu haben.
Im Inzest-Fall von Amstetten hat sich Josef Fritzl nach Angaben der Staatsanwaltschaft kooperationsbereit gezeigt. Bei einer rund zweistündigen Befragung des 73-Jährigen am Mittwoch ging es vor allem um seinen persönlichen Werdegang, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur APA zufolge erklärte.
Einzelheiten über das Verhör in St. Pölten wurden nicht bekanntgegeben. Ob Fritzls Anwalt Robert Mayer bei der Vernehmung anwesend war, war zunächst nicht bekannt. Fritzl habe sich bereiterklärt, «zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Sedlacek, laut APA. Die nächste Befragung werde «nicht vor zwei Wochen» stattfinden.
«Ohne mich würde Kerstin heute nicht mehr leben«
Laut «Bild»-Zeitung meldete sich der 73-Jährigen aus dem Gefängnis in St. Pölten. Er habe zu seinem Anwalt Rudolf Mayer gesagt: «Ich bin kein Monster.» Außerdem kritisierte er die Berichterstattung über sich als «total einseitig». Anstatt Reue zu zeigen, verteidige er sich: «Ohne mich würde Kerstin heute nicht mehr leben. Ich habe dafür gesorgt, dass sie ins Krankenhaus kommt.» Er hätte ja alle töten können, «dann wäre nichts gewesen. Niemand wäre drauf gekommen.»
Versäumnisse der Behörden
Die österreichische Justizministerin Maria Berger (SPÖ) kritisierte indessen Fehler der Behörden. «Bei allem, was wir bisher wissen, sehe ich eine gewisse Leichtgläubigkeit - vor allem was diese Sektengeschichte betrifft, mit der der Verdächtige das Verschwinden seiner Tochter erklärt hat», sagte sie der österreichischen Zeitung «Der Standard». Heute würde man dem sicher genauer nachgehen.
Als Konsequenz kündigt die Justizministerin an, Kontrollen bei Adoptionen zu verstärken. Auch wenn Familienangehörige Verwandte adoptieren, soll künftig das Strafregister der gesamten Familie überprüft werden. Ein Gesetz, nach dem alle Kinder regelmäßig von einem Arzt untersucht werden müssen, lehnte die Ministerin ab. Dies hatte das rechtsnationale Bündnis BZÖ gefordert, um möglichen Missbrauch schneller aufzudecken.
Jugendpsychiaterin in der Kritik
Derweil ist eine Diskussion über den Umgang mit den Kindern, die im Keller eingesperrt waren, entbrannt. «Kinder können auch in Gefangenschaft gedeihen», meinte die Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendpsychiater, Christa Schaff. Und sie fügte hinzu: «Ein scheinbar normales Leben mit tyrannisierenden und gewalttätigen Eltern kann da viel schlimmer sein.» Ihre Worte lösten allseits Verwunderung bis hin zu offenem Entsetzen aus.
Gegenüber dem Berliner «Tagesspiegel» erklärte sie sich. Sie wolle die Geschehnisse nicht verharmlosen, sondern zur Vorsicht mahnen. Begriffe wie «schwerste Traumatisierung der Opfer» fielen heute schnell. «Man entwertet mit einem solchen Etikett aber nicht zuletzt die Mutter, die sich wahrscheinlich bemüht hat, den drei Kindern, die bei ihr im Keller lebten, unter schwierigsten Umständen Wärme und Zuneigung zu schenken. Noch wissen wir ja nicht, ob es ihr nicht gelungen ist, damit einiges aufzufangen.» Wichtig ist der Therapeutin laut «Tagesspiegel», dass es auch Schutzfaktoren gebe, die selbst in extremen Situationen helfen – solche, die im individuellen Wesen liegen würden, und andere, die einem Kind von den ihm nahe stehenden Menschen gegeben werden könnten. (nz/dpa/AP)