Gipfelsturm vor 30 Jahren:
Als Messner den Mount Everest bezwang
07. Mai 2008 23:26
 |  Messner und Habeler bei der Rückkunft in München 1978 | Foto: AP |
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Sie machten 1978 das Unmögliche wahr und widerlegten Ärzte und Experten. Der Aufstieg auf den höchsten Berg der Welt markierte für den Bergsteiger und seinen Seilschafts-Kollegen vor 30 Jahren den Beginn einzigartiger Karrieren.
Der Gipfelsieg erregte weltweit Aufsehen. Vor 30 Jahren, am 8. Mai 1978, bezwangen Reinhold Messner und Peter Habeler den Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff. Fast genau 25 Jahre nach der Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt setzten sie einen Meilenstein in der Geschichte des Bergsteigens. Edmund Hillary, der am 29. Mai 1953 mit Tenzing Norgay erstmals auf dem in 8848 Meter hohen Gipfel stand, gehörte zu den ersten, die gratulierten.
Ärzte hielten es für unmöglich
Die erste Besteigung ohne Atemgerät sei auch ein Sieg über Vorurteile gewesen, sagt der heute 63-jährige Messner. Ärzte hielten es für unmöglich, dass ein Mensch in dieser Höhe ohne künstlichen Sauerstoff ohne Gesundheitsschäden überleben könnte. «Die Ärzte waren einhellig der Meinung, dass das nicht geht. Ich bin hingefahren, um zu versuchen, ob es möglich ist.» Ihn habe die eigene Grenze gereizt - praktisch als Nebeneffekt habe er die Mediziner widerlegt.
In eisiger Höhe sei kein Platz für Euphorie - das sei ein Klischee. «Wir sind oben viel zu sehr exponiert: Es ist kalt und gefährlich. Das Glücksgefühl kommt erst hinterher.» Habeler beschreibt es ähnlich. «Man tickt da oben nicht mehr richtig und ruft intuitiv Mechanismen ab, die man vorher über Jahrzehnte gelernt und abgespeichert hat», sagte der Österreicher, der fünf Achttausender bestieg, einmal.
«Berge sind ein Ruhepunkt»
Der Bergführer, der eine Bergschule in seinem Heimatort Mayrhofen im Zillertal betreibt, führt heute noch Touren. Gerade ist der 65-Jährige mit der Leser-Gruppe einer Zeitschrift in Nepal zum Everest-Basislager auf 5350 Metern unterwegs. «Gehen ist für mich das Maß aller Dinge. Es ist meditativ», sagt er. «Berge sind ein Ruhepunkt.»
 |  Mount Everest | Foto: dpa |
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Am Everest könnte er gerade jetzt auf angespannte Stimmung treffen. In diesen Tagen sollte das olympische Feuer auf den Berg getragen werden. Exiltibeter sprechen von einer Manifestation der chinesischen Herrschaft. Strenge Sicherheitsvorkehrungen soll es nicht nur auf chinesischer, sondern auch auf nepalesischer Seite geben. Messner, der sich stets für Tibet einsetzte, nennt den Fackellauf auf den Everest eine Farce.
Alle Achttausender, Eiger Nordwand in neun Stunden
Messner und Habeler hatten Ende der sechziger Jahre begonnen, mit geringsten technischem Aufwand große Wände schnell zu durchklettern, sie prägten den Alpinstil. In neun Stunden durchstiegen sie die Eiger Nordwand - frühere Seilschaften mussten eine Nacht biwakieren. Während klassische Expeditionen die höchsten Berge mit vielen Trägern, Zwischenlagern und Fixseilen erklommen, startete Messner auch hier mit so wenig Ausrüstung wie möglich. So schaffte er nicht nur ohne Sauerstoff den Everest.
Vier Monate später erreichte er als erster Mensch alleine einen Achttausender-Gipfel, den Nanga Parbat, zwei Jahre danach erstieg er im Alleingang auch den höchsten Berg der Welt. Er war der erste, der drei Achttausender in einem Jahr erklomm, und der erste, der alle 14 Achttausender schaffte.
Vermutlich war Messner auch der erste, der vor 30 Jahren auf den Everest ein Tonband mitnahm. Nicht, um das Pfeifen des Sturmes festzuhalten, sondern um die eigenen Gedanken aufzunehmen und «eine unverfälschte Geschichte mit hinunter zu bringen». Geistige Höhenflüge seien das nicht gewesen, räumt er ein. «Die Gedanken sind da relativ reduziert.»
Schluchzen am Gipfel auf Tonband mitgeschnitten
Es gehe um praktische Fragen, etwa: «Wie komme ich wieder hinunter?» Er habe alles möglichst lückenlos dokumentieren wollen. «Ein Schriftsteller hat die Verpflichtung, den Dingen auf den Grund zu gehen.» Auch sein eigenes Schluchzen am Gipfel schnitt er mit. Die Aufnahmen gingen in das Buch «Expedition zum Endpunkt» ein, später erschienen sie auf CD.
Fans bewundern Messners eisernen Willen und seine grandiosen Erfolge, Kritiker werfen ihm übersteigerten Ehrgeiz und Egoismus vor.
Er selbst, weit berühmter als Habeler und andere Kameraden, sieht den Grund dafür bei denen, die an ihm gezweifelt haben. «Ich habe dauernd etwas gemacht, was die Welt für unmöglich hielt - berühmt geworden bin ich durch Gegnerschaft.» Heute seien Achttausender für neue Herausforderungen nicht mehr geeignet, den großen Andrang dort sieht er kritisch. «Die meisten, die den Everest besteigen, wollen diesen Fluchtpunkt der Eitelkeiten als Reiseangebot konsumieren.» (Sabine Dobel, dpa)