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Inzest-Drama in Amstetten: 

Behörden sahen «liebevollen» Umgang Fritzls

06. Mai 2008 17:10
Josef Fritzl ist offenbar nur unzureichend kontrolliert worden.
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Die zuständige Jugendwohlfahrt hat das Verhältnis des Pflegevaters zu seinen Kindern einem Bericht zufolge nur äußerst unkritisch geprüft. Er habe überzeugend den überrumpelten Großvater gespielt.

Im Inzest-Fall von Amstetten will die Staatsanwaltschaft den Verdächtigen Josef Fritzl am Mittwoch befragen. Die Vernehmung des 73-Jährigen werde im Gefängnis in St. Pölten stattfinden, teilte ein Sprecher am Dienstag mit.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» wurde Fritzl als Pflegevater von der Jugendwohlfahrt Amstetten jahrelang unkritisch und äußerst wohlwollend beurteilt. Mit den Pflegekindern, die Fritzl mit seiner im Keller gefangen gehaltenen Tochter gezeugt und später adoptiert hat, gingen Fritzl und seine Frau «sehr liebevoll um», heißt es laut «Spiegel» in Unterlagen der Behörde.

Drei Jahre Funkstille

Von den 21 dokumentierten Kontakten der Jugendwohlfahrt zu der Familie seit 1993 waren demnach nur sechs Hausbesuche, der letzte im Jahr 1997. Meist hätten die Pflegeeltern selbst im Amt vorgesprochen, oft habe sich der Kontakt auch auf Telefonate beschränkt. Von 2002 bis 2005 habe sogar Funkstille zwischen der Behörde und den Pflegeeltern geherrscht. Die Berichte enthalten laut «Spiegel» vor allem Auflistungen über das Verhältnis der Kinder untereinander. Fritzl selbst habe vor den Behörden den ahnungslosen, überrumpelten Großvater gespielt und sei ohne kritische Fragen durchgekommen.

Eine erste medizinische Untersuchung eines der Kinder ergab dem Bericht zufolge offenbar keinerlei Hinweise auf die Geburt im Kellerverlies. Die Behörden hätten vielmehr festgestellt, dass das Mädchen mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Krankenhaus zur Welt kam, da es fachmännisch abgenabelt worden sei. Fritzl hatte angegeben, das Kind sei im Mai 2003 vor seiner Tür abgelegt worden.

Bisher keine neue Äußerung Fritzls

Nach Angaben der österreichischen Behörden hat sich der 73-Jährige seit seinem ersten Geständnis nicht weiter zu dem Verbrechen geäußert. Noch sei unklar, ob er am Mittwoch Fragen beantworten werde, sagte der Sprecher der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Sedlacek. Fritzl Anwalt Rudolf Mayer hat angekündigt, er wolle auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. (AP)

 
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