Hilfe für Birma läuft an:
Eine Million Obdachlose, Referendum abgesagt
06. Mai 2008 10:17
 |  Obdachlose in Birma vor ihrem zerstörten Haus | Foto: dpa |
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Wegen der katastrophalen Lage in Birma verschiebt die Militärregierung die geplante Volksabstimmung. Die Vereinten Nationen, aber auch Indien und China wollen für die Ernährung der Opfer des Zyklons sorgen.
Die Militärregierung in Birma verschiebt wegen des Zyklons «Nargis» das Verfassungsreferendum in den Katastrophengebieten. Die für Samstag geplante Volksabstimmung werde dort nicht vor dem 24. Mai stattfinden, meldete das staatliche Radio am Dienstag. Betroffen seien 40 Kommunen im Großraum Rangun sowie sieben im Irrawaddy-Delta. Die Opposition wirft der Militärjunta vor, mit der Verfassung lediglich ihre Macht festigen zu wollen.
Nach dem verheerenden Zyklon geht das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) von einer Million Obdachloser in Birma aus. Einige Dörfer seien vollständig ausgelöscht worden, sagte WFP-Sprecher Paul Risley am Dienstag in Bangkok. Große Reisanbauflächen seien zerstört. «Wir hoffen, weitere Hilfe innerhalb von 48 Stunden einfliegen zu können», erklärte Risley weiter. «Die Herausforderung besteht darin, trotz der blockierten Straßen in die betroffenen Gegenden zu gelangen.» Nach neuesten Regierungsangaben kamen wahrscheinlich mehr als 15.000 Menschen ums Leben, allein in der Stadt Bogalay im Delta des Irrawaddy-Flusses gab es 10.000 Opfer.
Inzwischen traf erste Hilfe in dem südostasiatischen Land ein. Eine Militärmaschine brachte neun Tonnen Hilfsgüter. Birma hat besonders um Baumaterial für Dächer, um Medikamente, Wasserreinigungstabletten und Moskitonetze gebeten. Die Vereinten Nationen mobilisierten nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Experten-Team zur Einschätzung der Lage. Es könne vielleicht schon am Dienstag abreisen, sagte ein UN-Sprecher. Ban zeigte angesichts der Wirbelsturmkatastrophe in Birma und der steigenden Opferzahlen alarmiert. Auch Birmas enger Verbündeter China sagte dem Land Hilfe zu. Präsident Hu Jintao erklärte, als guter Nachbar werde China den Wiederaufbau in Birma unterstützen. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.
Zwei indische Schiffe sind unterwegs
Indien hat zwei Marineschiffe mit Hilfsgütern ins Nachbarland entsandt. Ein Marinesprecher sagte am Dienstag, die beiden Schiffe hätten Port Blair auf der indischen Inselgruppe Andamanen und Nikobaren verlassen und sollten Rangun an diesem Mittwoch erreichen. Sie transportierten unter anderem Zelte, Medikamente, Nahrungsmittel und Decken. Das indische Außenministerium hatte am Montagabend mitgeteilt, man erwäge außerdem, Hilfsgüter mit Flugzeugen nach Birma zu schicken. Indien kooperiert besonders im Energiesektor mit dem international geächteten Regime in Birma. Wegen des starken Wirtschaftswachstums und des zunehmenden Energiebedarfs hat Indien großes Interesse an den Gasvorkommen vor der Küste des Nachbarlandes.Birmanische Dissidenten haben der Militärjunta vorgeworfen, die Bevölkerung nicht ausreichend vor dem herannahenden Zyklon gewarnt zu haben. «Sie waren zu sehr damit beschäftigt, ihr Referendum vorzubereiten», sagte Soe Aung, Sprecher der Oppositionspartei «Nationalliga für Demokratie», am Dienstag in Bangkok.
Scharfe Kritik an neuer Verfassung
«Das Referendum ist ihnen so wichtig, weil sie damit ihre Macht für immer zementieren wollen – sie haben dem Zyklon einfach keine Beachtung geschenkt», sagte Soe Aung. Die Militärregierung hatte noch am Montag den Eindruck erweckt, dass der Urnengang wie geplant stattfinden soll. Diplomaten bezweifelten, dass die Stimmabgabe angesichts des Chaos im Süden und in der Millionenmetropole ohne Strom und Wasser überhaupt organisiert werden kann. Die Nationalliga und Dissidenten im Ausland haben die neue Verfassung scharf kritisiert. Die Junta will sich damit 25 Prozent der Sitze im Parlament und Schlüsselposition in der Regierung sichern. In den USA appellierte First Lady Laura Bush an das Militärregime, einem Team von Katastrophenschutzexperten aus den USA die Einreise zu erlauben. Die US-Botschaft in Rangun sagte 250.000 Dollar (162.000 Euro) als erste Nothilfe für im Land arbeitende Hilfsorganisationen zu. Die USA seien bereit, Birma wesentlich umfangreicher zu helfen, betonte Bush. Dazu müssten sich aber die US-Experten erst einmal ein Bild von der Lage machen. «Die Regierung in Birma sollte dieses Team schnell empfangen, wie auch andere internationale Hilfsangebote», sagte Bush. Sie hat sich in der Vergangenheit immer wieder für die Beachtung der Menschenrechte in dem von einer Militärregierung beherrschten Land eingesetzt. Sie warf dem Regime auch jetzt wieder vor, die Menschen nicht rechtzeitig vor der heranziehenden Gefahr des Wirbelsturms gewarnt und ihnen dann nicht schnell genug geholfen zu haben. (dpa/AP)