Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Inzest-Drama in Österreich: 

Ermittler entdecken weiteren Zugang zum Verlies

05. Mai 2008 17:56
Franz Polzer mit Computer-Plan der Wohnhäuser des Josef F.
Bild vergrößern
Bei ihren Ermittlungen stößt die Polizei in Amstetten auf immer mehr Details. So hat Josef F. seine Tat lange geplant und akribisch ausgeführt. Die Opfer des jahrzehntelangen Martyriums erholen sich nur langsam.

Der Inzest-Täter von Amstetten hatte die Gefangenschaft seiner Tochter in seinem Keller Jahre im Voraus geplant und das Verlies im Laufe der Zeit praktisch zu einer Festung ausgebaut. Eine Flucht für die Opfer war danach unmöglich.

Im Kellerverlies entdeckten die Ermittler einen weiteren Zugang. Dieser sei mit zwei Türen gesichert gewesen und später offenbar stillgelegt worden, sagte Franz Polzer, der Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich. Insgesamt entdeckten die Ermittler der niederösterreichischen Kriminalpolizei in den vergangenen Tagen acht Zugänge zu dem Keller, die dazu noch elektronisch gesichert waren.

Ermittlungen bis zum Sonntag beendet

Eine Tür zu dem Verlies wog insgesamt 500 Kilogramm, sagte der Chef des Landeskriminalamts Niederösterreich, Franz Polzer, am Montag vor der internationalen Presse. Der heute 73 Jahre alte Josef Fritzl habe alles darangesetzt, die Straftat «mit unglaublicher Energie alleine durchzuziehen». Die Ermittlungen in dem Verlies, bei dem die Polizei schweres Räumgerät der Feuerwehr einsetzen musste, um die 500 Kilo schwere Betontür zu durchbrechen, sollen bis zum Wochenende abgeschlossen sein. Fritzl ist noch nicht auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht worden.

Betreuung in Klinik

Inzwischen geht es dem Inzest-Opfer Elisabeth Fritzl (42) und den fünf Kindern, die zusammen mit ihr in einer Klinik psychologisch betreut werden, nach Auskunft des leitenden Arztes Bernhard Kepplinger «den Umständen entsprechend» besser. Der Zustand ihrer 19 Jahre alten Tochter Kerstin, die seit dem 18. April in der Landesklinik Amstetten liegt, habe sich zwar «etwas stabilisiert», doch schwebe sie noch immer zwischen Leben und Tod.

Zur genauen Art der schweren Erkrankung, die letztlich zur Befreiung Elisabeths und ihrer zwei «Kellerkinder» führte, machte er keine Aussage. Elisabeth, die von Fritzl seit 1984 in dem Verlies gefangen gehalten und dort immer wieder vergewaltigt wurde, lebt seit zehn Tagen mit ihren zwei Kindern aus dem Verlies und den drei Kindern, die ihr Fritzl weggenommen hatte, in einer von der Außenwelt abgeschirmten Wohnung.

Fortschritte beim jüngsten Kind

Der gesundheitliche Zustand der Familienmitglieder bessere sich allmählich, sagte Kepplinger. Die Mutter und ihre Kinder reagieren demnach nicht mehr so empfindlich auf Licht. Zudem habe sich auch ihr Sinn für räumliche Orientierung normalisiert. Vor allem das jüngste Kind, der fünf Jahre alte Felix, mache größere Fortschritte. «Er wird immer lebendiger und fasziniert durch Witz und Kontaktfreudigkeit», sagte der Mediziner. Auch der Zustand der Mutter von Elisabeth und Ehefrau von Fritzl, der 68-jährigen Rosemarie, habe sich verbessert.

Man befinde sich «im Stadium der Familienfindung und Familienbindung» erläuterte der Psychiater Kepplinger. Kepplinger verweigerte die Auskunft darüber, ob Josef Fritzl auch eines der sechs Kinder, die er mit seiner Tochter Elisabeth gezeugt hat, sexuell missbraucht habe.

Elisabeth fühlte sich für Mahlzeiten verantwortlich

Dagegen gab der Mediziner erstmals Auskunft über den Tagesablauf der Familie. So sorgten Elisabeth und ihre Mutter inzwischen für die Mahlzeiten, während die Kinder ihre Betten selbst machten. Es gebe auch viele Gespräche untereinander. Um den Kindern die Anpassung an die neue Situation zu erleichtern, brachte man dem Kleinsten seinen Teddy aus dem Verlies. Dazu wurde inzwischen ein Fisch-Aquarium in der abgeschirmten Wohnung installiert.

Insgesamt wird die Familie von 15 Ärzten und Pflegekräften betreut. Kepplinger lobte insbesondere die heute 42-jährige Elisabeth, der es selbst in dem Kellerverlies gelungen sei, ihren Kindern täglich «einen regulären (Tages)-Ablauf zu bieten. «Dabei hat sie Erstaunliches geleistet», sagte der Professor.

Über eine Fortdauer der Untersuchungshaft für Josef Fritzl wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft am kommenden Montag entschieden. Noch in dieser Woche soll der 73-Jährige, der ein Geständnis abgelegt hat, erneut vernommen werden. Sein Anwalt hat ihm jedoch geraten, die Aussage zu verweigern. (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
  •  Berlin 19°
  •  Hamburg 20°
  •  Köln 19°
  •  Frankfurt 22°
  •  Stuttgart 25°
  •  München 27°
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.