03. Mai 2008 13:54
Was sich den Kriminalbeamten im Haus von Amstetten offenbart, ist «beklemmend», sagt der Polizeichef. Immer mehr grausige Einzelheiten über die Bedingungen der Kerkerhaft werden bekannt.
Polzer bezeichnete das Verbrechen als den «außergewöhnlichsten und aufsehenerregendsten Kriminalfall» in Europa seit vielen Jahren. Die Ermittlungen in dem Kellerverlies, in dem der heute 73 Jahre alte Fritzl seine Tochter 24 Jahre lang eingesperrt und immer wieder zum Inzest gezwungen hatte, gingen auch am Samstag weiter. Dem Magazin «Spiegel» zufolge musste Elisabeth Fritzl die ersten neun Jahre ihrer Gefangenschaf in einem einzigen Kellerraum verbringen. Von 1984 bis 1993 hielt ihr Vater sie in diesem Raum gefangen. Erst dann habe Josef Fritzl einen weiteren Raum hergerichtet. Über den Beginn ihrer Gefangenschaft sagte Elisabeth Fritzl demnach aus, dass ihr Vater sie unter dem Vorwand in den Keller gelockt habe, mit ihm eine Tür herunterzutragen. Im Verlies habe er sie zunächst mit Handschellen zwei Tage an einen Pfosten gefesselt, in den nächsten sechs bis neun Monaten habe er sie angeleint, damit sie wenigstens eine Toilette habe erreichen können. Fritzl bestritt dies in seiner ersten Aussage.
Am Freitag war bekanntgeworden, dass Fritzl bereits vor rund 40 Jahren wegen einer Vergewaltigung verurteilt worden war. Dieses Strafe wurde jedoch - den Gesetzen Österreichs entsprechend - inzwischen aus den Akten getilgt. Die Angaben lagen deshalb nicht vor, als Fritzl in den neunziger Jahren drei seiner im Inzest gezeugten Kinder adoptierte oder als Pflegekinder annahm. Österreichs Justizministerin Maria Berger will angesichts des jüngsten Kriminalfalls die Tilgungsfrist für Sexualvergehen auf 30 Jahre verdoppeln.