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Inzest-Verbrechen von Amstetten: 

Mühsame Spurensuche und entsetzliche Details

03. Mai 2008 13:54
Kerzen für die Opfer auf dem Marktplatz von Amstetten
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Was sich den Kriminalbeamten im Haus von Amstetten offenbart, ist «beklemmend», sagt der Polizeichef. Immer mehr grausige Einzelheiten über die Bedingungen der Kerkerhaft werden bekannt.

Die österreichische Polizei untersucht im Inzest-Fall von Amstetten, wie der geständige Täter Josef Fritzl seine Opfer in dem Kellerverlies mit Lebensmitteln versorgt hat. Hierzu gebe es vorerst «keine konkreten Aussagen», sagte Kripo-Chef Franz Polzer der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Samstag. Die Arbeit am Tatort sei «beklemmend». Jeder zu untersuchende Gegenstand erinnere daran, «was sich hier abgespielt hat». Es gebe für die 35 Beamten der Sonderkommission die Möglichkeit, die Hilfe von Psychologen in Anspruch zu nehmen.

Polzer bezeichnete das Verbrechen als den «außergewöhnlichsten und aufsehenerregendsten Kriminalfall» in Europa seit vielen Jahren. Die Ermittlungen in dem Kellerverlies, in dem der heute 73 Jahre alte Fritzl seine Tochter 24 Jahre lang eingesperrt und immer wieder zum Inzest gezwungen hatte, gingen auch am Samstag weiter.

Dem Magazin «Spiegel» zufolge musste Elisabeth Fritzl die ersten neun Jahre ihrer Gefangenschaf in einem einzigen Kellerraum verbringen. Von 1984 bis 1993 hielt ihr Vater sie in diesem Raum gefangen. Erst dann habe Josef Fritzl einen weiteren Raum hergerichtet. Über den Beginn ihrer Gefangenschaft sagte Elisabeth Fritzl demnach aus, dass ihr Vater sie unter dem Vorwand in den Keller gelockt habe, mit ihm eine Tür herunterzutragen. Im Verlies habe er sie zunächst mit Handschellen zwei Tage an einen Pfosten gefesselt, in den nächsten sechs bis neun Monaten habe er sie angeleint, damit sie wenigstens eine Toilette habe erreichen können. Fritzl bestritt dies in seiner ersten Aussage.

Am Freitag war bekanntgeworden, dass Fritzl bereits vor rund 40 Jahren wegen einer Vergewaltigung verurteilt worden war. Dieses Strafe wurde jedoch - den Gesetzen Österreichs entsprechend - inzwischen aus den Akten getilgt. Die Angaben lagen deshalb nicht vor, als Fritzl in den neunziger Jahren drei seiner im Inzest gezeugten Kinder adoptierte oder als Pflegekinder annahm. Österreichs Justizministerin Maria Berger will angesichts des jüngsten Kriminalfalls die Tilgungsfrist für Sexualvergehen auf 30 Jahre verdoppeln.

Isoliert in der Untersuchungshaft

Fritzl wird in der Untersuchungshaft von anderen Gefangenen weitgehend isoliert. Der Leiter der Justizanstalt St. Pölten, Oberst Günther Mörwald, sagte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA am Samstag, es gebe keinen konkreten Drohungen gegen Fritzl. Dennoch sei man auf der Hut. Die Stimmung sei angespannt, es gelte daher aufzupassen, sagte Mörwald weiter.

Fritzl war weiterhin mit einem zweiten Häftling in einer Zelle untergebracht. Er wird den Angaben der Justizanstalt zufolge von den anderen Insassen abgeschirmt. So kommt er allein oder mit seinem Mithäftling zum Hofgang, sein Essen nimmt er in der Zelle zu sich. Mörwald beschrieb den 73-Jährigen als unproblematischen Gefangenen.

Der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer versprach den Inzest-Opfern von Amstetten unbürokratische Hilfe. «Dieses Verbrechen geht allen unter die Haut. Unsere Aufgabe ist es jetzt, alles zu tun, um den Opfern zu helfen», sagte er der «Bild»-Zeitung zufolge. Was immer an finanziellen Mitteln notwendig sei, werde «sehr unbürokratisch» zur Verfügung gestellt. «Aber mit Geld allein wird es nicht getan sein», erklärte Gusenbauer. (nz/AP/dpa)


 
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