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«Getilgtes» Sexualverbrechen: 

Fritzl war aktenkundiger Vergewaltiger

02. Mai 2008 18:56, ergänzt 23:24
Josef Fritzl
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Wie Gerichtsakten belegen, hat Josef Fritzl bereits vor 41 Jahren eine junge Frau vergewaltigt. Dafür saß er auch im Gefängnis. Politiker fordern, die Verjährungsfristen der Vorstrafen für Sexualtäter zu verdoppeln.

Der Inzest-Täter Josef Fritzl ist vor gut 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen Gerichtsakten, die nun wieder aufgetaucht sind, wie die «Oberösterreichischen Nachrichten» Linz am Freitag berichteten. Er habe sein 24 Jahre altes Opfer 1967 vergewaltigt. Außerdem habe er im gleichen Jahr versucht, eine 21 Jahre alte Frau bei einem Spaziergang in einen Wald zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Nach Angaben des Blattes liegen der Justiz des Landes seit Mittwoch entsprechende Akten vor. Danach sei Fritzl der Polizei auch im Zusammenhang mit einem Exhibitionismusfall gemeldet worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft St. Pölten gilt der Vorgang jedoch inzwischen als «getilgt». Angesichts des schrecklichen Verbrechens sollen die bisher dafür geltenden Fristen jetzt allerdings verlängert werden.

Die Schwägerin Fritzls hatte bereits in einem Interview des Boulevard-Blatts «Österreich» vom Donnerstag erklärt, ihr Schwager habe bereits vor 40 Jahren wegen Vergewaltigung im Gefängnis gesessen. Inzwischen hat eine weitere Frau in Linz behauptet, seinerzeit von Fritzl vergewaltigt worden zu sein. Wegen der Verjährungsfristen wird die Staatsanwaltschaft aber keine Auskunft mehr über diese Fälle geben, sagte deren Sprecher am Freitag in St. Pölten.

Österreichs Justizministerin Maria Berger hat sich am Freitag dafür ausgesprochen, die sogenannten Tilgungsfristen, nach denen Vorstrafen aus einem Register gelöscht werden, bei Sexualdelikten auf das Doppelte anzuheben. Bisher wurden Vorstrafen spätestens nach 15 Jahren automatisch gelöscht. Allerdings wies sie die Forderung nach schärferen Strafen in der Zeitung «Kurier» vom Freitag zurück. «Die Strafrahmen gehen hier bis zu 15, 20 Jahre, bei Todesfolge bis zu lebenslänglich. Mehr als lebenslänglich ist nicht denkbar», betonte die sozialdemokratische Politikerin.

Zwei Stahltüren im Verlies

Eine Sonderkommission der Kriminalpolizei, die im Fall Fritzl ermittelt, fand inzwischen heraus, dass der Täter das Kellerverlies, in dem er seine Tochter und drei ihrer Kinder jahrelang gefangen hielt, durch insgesamt zwei Stahltüren gesichert hatte. Bisher war die Polizei davon ausgegangen, dass das Labyrinth durch eine einzige, rund 300 Kilogramm schwere Stahlbetontür verschlossen wurde. Dies sagte der Ermittlungsleiter Franz Polzer am Freitag. Die Experten versuchen außerdem herausfinden, ob durch die Türen Gas in das Verlies geleitet werden konnte. Fritzl hatte seiner Tochter nach deren Aussage gedroht, dass automatisch Gas in das Kellergefängnis geleitet würde, falls ihm etwas zustoßen sollte. Die Polizei sieht dies als einen der Gründe an, warum die Gefangenen nie versuchten, den heute 73-jährigen Vater zu überwältigen. (dpa)

 
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