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Inzest-Verbrechen in Amstetten: 

Früherer Mieter vernahm Klopfen im Keller

02. Mai 2008 12:36, ergänzt 14:01
Ein Keller der zum Kerker wurde: Lageplan des Amstettener Hauses
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Ein ehemaliger Mieter des betroffenen Hauses hat sich zu Wort gemeldet. Er will einiges beobachtet haben. Ganz Österreich zeigt sich indes erschüttert und beginnt, an den eigenen Behörden zu zweifeln.

Ein ehemaliger Mieter im Haus des österreichischen Inzest-Täters Josef F. in Amstetten hat nach eigenen Angaben mehrmals verdächtige Geräusche aus dem Kellergeschoss gehört. Er habe gelegentlich Klopfen vernommen und Geräusche, als ob Gegenstände fallengelassen würden, sagte Alfred Dubanovsky am Donnerstag.

Josef F. habe ihm auch einmal gesagt, das Haus werde eines Tages noch Geschichte schreiben. Der Mieter wohnte von 1995 bis zum vergangenen Jahr im Erdgeschoss des Hauses im niederösterreichischen Amstetten, in dem F. seine Tochter und drei mit ihr gezeugte Kinder im Keller eingekerkert hatte. Er habe F. gefragt, ob die Geräusche von einer Gasheizung im Keller kämen, und dieser habe mit Ja geantwortet, sagte Dubanovsky.

Ermittlungen werden forciert

Die Ermittler in Amstetten haben auf dem Grundstück des Inzest-Täters Josef F. mit moderner Sonartechnik nach weiteren möglichen Kellerräumen gesucht. Das gesamte Gelände werde durchkämmt, sagte Chefermittler Leopold Etz am Freitag in Amstetten. Zudem wurde bekannt, dass das Verlies durch zwei Stahltüren versperrt war, die offenbar durch eine Funkfernsteuerung zu öffnen und zu schließen waren.

Außerdem setzte die Polizei ihre Befragungen von früheren Hausbewohnern und Bekannten von F. fort. «Wir werfen ein weites Netz aus», sagte Etz. «Das ist viel Arbeit.» So würden mehr als 100 Personen befragt, die über die Jahre hinweg in dem Haus in Amstetten gewohnt haben. Die Ermittler überprüften nach Angaben von Etz auch Aussagen des Tatverdächtigen, wonach dieser gedroht hat, Gas in die Kellerräume zu leiten.

Österreich unter Schock

Das Inzestverbrechen in Amstetten hat die Menschen in Österreich nicht nur schockiert, sondern auch ihren Glauben in Behörden und die eigene Zivilcourage erschüttert. In einer Umfrage des Klagenfurter Humaninstituts zeigten sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur APA vom Freitag 54 Prozent überzeugt, dass Ämter bei heiklen Dingen zu oft wegsehen. Mehr als die Hälfte der 820 Befragten aus ganz Österreich kritisierten außerdem das Fehlen eines offenen und vertrauensvollen Gesprächsklimas zwischen Bürgern und Behörden. Auch die Bevölkerung schneidet beim eigenen Urteil über gesellschaftliche Einstellungen schlecht ab: 61 Prozent glauben, dass die Zivilcourage in Österreich nicht besonders ausgeprägt ist.

Anreise von Katastrophentouristen

Der Inzest-Fall lockt inzwischen auch Katastrophentouristen nach Amstetten. Für die Stadt sei dies erschreckend, sagte Vizebürgermeisterin Ursula Puchebner am Freitag. Reisende aus Deutschland würden die Westautobahn (A1) extra verlassen, um einen Blick auf das «Horror-Haus» zu werfen, sagte Puchebner. «Die Motivation, die dahinter steht, ist nicht nachvollziehbar». Es sei erschütternd, dass Menschen extra von weit her kämen, um den Tatort zu besichtigen. Puchebner führte dies wohl auch auf die Sensationslust der heutigen Zeit zurück. (AP)


 
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