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Inzest-Drama in Amstetten: 

Josef Fritzl soll Kindern mit Gas gedroht haben

01. Mai 2008 14:43, ergänzt 15:49
Mittlerweile verdächtigt man ihn auch wegen anderer Taten.
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Immer wieder habe er die Gefangenen gewarnt: Wenn ihm etwas zustoße, würden sie nicht überleben. Das berichtet die Polizei jetzt. Derweil fürchtet der Kanzler um Österreichs Image. Und das Entführungsopfer Kampusch sieht Schuld bei den Nazis.

Der österreichische Inzest-Täter Josef Fritzl hat seinen eingekerkerten Opfern nach Angaben der Polizei damit gedroht, Gas in ihr Verlies strömen zu lassen, falls sie ihn überwältigen wollten. Fritzl habe seinen Opfern wiederholt angedroht, sie würden es nicht überleben, wenn ihn im Keller etwas zustoßen sollte, sagte ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamtes, Helmut Greiner.

Die Ermittler untersuchten jetzt, ob Fritzl einen entsprechenden Mechanismus in dem Keller angebracht habe, sagte Greiner. Fritzl habe während seiner ersten Vernehmung entsprechende Angaben gemacht. Die Polizeiexperten wollen außerdem die Aussage des 71-Jährigen überprüfen, es gebe einen Automatismus zum Öffnen der Stahltüre für den Fall, dass er eine ungewöhnlich lange Zeit nicht in dem Keller auftauche.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer befürchtet einen Imageschaden für Österreich wegen des Inzest-Falles von Amstetten. Gusenbauer betonte am Mittwoch: «Das können wir nicht akzeptieren. Es gibt keinen Fall Amstetten, es gibt keinen Fall Österreich, es gibt nur einen Einzelfall.» Gemeinsam mit Außenministerin Ursula Plassnik, den Botschaften im Ausland und «weiteren Profis» solle ein «Gesamtkonzept» entwickelt werden, das Österreich wieder ins rechte Licht rückt. Auch der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer betonte: «Es ist sicher nichts Abgründig-Österreichisches an diesem Fall.»

Folge des Zweiten Weltkriegs

Die jetzt bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in Österreich sind nach Ansicht von Natascha Kampusch wohl auch eine Spätfolge des Zweiten Weltkriegs und des Erziehungssystems der Nazis. Missbrauch gebe es überall auf der Welt, aber sie glaube, es handele sich auch um eine Folge des Zweiten Weltkriegs und seiner Verbindung zur Erziehung, sagte die junge Österreicherin, die selbst achteinhalb Jahre gefangen gehalten und missbraucht wurde, dem britischen Sender BBC.

In der Nazi-Zeit sei die Unterdrückung der Frau propagiert worden. Eine autoritäre Erziehung sei sehr wichtig gewesen. Kampusch appellierte, Elisabeth Fritzl und ihre Familie bräuchten eine langfristige Hilfe. «Sie brauchen viel Ruhe, die Zeit heilt alle Wunden.»

Inzwischen arbeiten 35 Beamten einer Sonderkommission an dem nicht nur in Österreichs Kriminalgeschichte einzigartigen Fall, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. Am Donnerstag untersuchten Techniker des österreichischen Bundeskriminalamts (BK) am Tatort in Amstetten die rund 300 Kilogramm schwere und nur über eine Fernbedienung zu öffnende Stahlbetontür zu dem fensterlosen Verlies, in dem Elisabeth seit 1984 festgehalten wurde.

Vorleben im Fokus

Bei den Ermittlungen zum Inzest-Fall in Amstetten rücken das Vorleben des Verdächtigen Josef Fritzl und die Frage nach eventuellen Mittätern ins Blickfeld. Die österreichische Polizei prüft einen ungeklärten Sexualmord aus dem Jahr 1986. Die Familie des Festgenommenen versucht unterdessen unter ärztlicher Aufsicht, in ihr neues Leben zu finden. Der körperliche Zustand bei allen sieben Patienten sei «relativ gut», sagte am Donnerstag der Direktor der Sonderkrankenanstalt Amstetten-Mauer, Berthold Kepplinger. (AP)


 
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