Hauen und Stechen bei 1860 München:
Die «Löwen» zerfleischen sich selbst
13. Mai 2008 09:31, ergänzt 13:58
 |  Stefan Ziffzer | Foto: dpa |
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Der Streit in der Vereinsführung des TSV 1860 München ist mit einer unglaublichen Schärfe geführt worden. Jetzt muss der Geschäftsführer seinen Hut nehmen - Sportdirektor Stefan Reuter hingegen führt seine Arbeit fort.
Nachdem der Konflikt zwischen Präsidium und Geschäftsführung des TSV 1860 München im Anschluss an das 1:1 im letzten Heimspiel gegen den VfL Osnabrück eskaliert war, scheint beim Zweitligisten nun vorerst wieder Ruhe einzukehren. Nach einer beispiellosen verbalen Attacke gegen Präsident Albrecht von Linde wurde die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Stefan Ziffzer vorzeitig beendet. «Ich habe heute die schriftliche Kündigung erhalten», sagte Ziffzer am Dienstag in München.
«Eine Schande für den Verein»
Der Geschäftsführer hatte Linde am Sonntag im Stadion in einer Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel heftig angegriffen und den Präsidenten bei seiner verbalen Abrechnung sogar als «Schande» für den Verein bezeichnet. Daraufhin hatte ihm Linde, der Ziffzers Rede im Vip-Bereich der Allianz Arena verfolgte, mündlich die «fristlose Entlassung» ausgesprochen. Ziffzer saß am Montag dennoch in der 1860-Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße an seinem Schreibtisch.Die Kündigung des Vertrages, der bis zum 30. Juni 2010 läuft, ist nun rechtskräftig. «Ziffzer hat nie gewusst, wer Koch und wer Kellner ist», sagte Linde am Sonntag. «Er ist gefeuert. Wir wissen auch, wie es ohne ihn weitergeht.» Auf der Internetseite der Münchner Abendzeitung wurde Wettberg zitiert, dass es für Ziffzer «kein Zurück» mehr gebe. «Was er gemacht hat, ist groß vereinsschädigend.» Ziffzer konterte, das Präsidium habe «vom ersten Tag an nichts anderes vorgehabt, als mich hier herauszuschießen».
«Mangelndes Rückgrat, mangelnder Charakter»
Der Konflikt um die schlechte Rückrunde des Teams und die finanzielle Krise des Vereins ist eskaliert, nachdem das Fachmagazin «kicker» berichtet hatte, Stefan Reuter stehe als sportlicher Geschäftsführer bereits vor Ende seines Vertrages am 30. Juni 2009 vor der Ablösung. Diese Meldung nicht dementiert zu haben, wertet Ziffzer entweder als «schlampiges Verhalten» oder ein «frühzeitiges Distanzieren» von Reuter. «So, wie es der Herr Präsident und sein Stellvertreter machen, ist das eine Sauerei und zeugt von mangelndem Rückgrat und mangelndem Charakter», sagte Ziffzer.Reuter hatte die «Art und Weise» der verbalen Attacke seines Geschäftsführer-Kollegen Ziffzer «überrascht», wie er am Montag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in München erklärte. «Er hat emotional reagiert», meinte Reuter: «Es sind in der nächsten Woche extrem viele Gespräche nötig, um die Situation zu klären und die Weichen zu stellen.» Der Manager bekräftigte nach der Pressekonferenz, dass er dem Verein treu bleibt: «Ich mache auf jeden Fall weiter.»
Die Mannschaft knüpfte beim Remis gegen Osnabrück vor 32.000 Zuschauern in der Allianz Arena nahtlos an die enttäuschenden Ergebnisse und Leistungen der Rückrunde an. Den Führungstreffer der Niedersachsen durch Rouwen Hennings (38.) konnten sie durch Berkant Göktan wenigstens noch ausgleichen (55.). (nz/dpa)