19.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nicht nur in London: englische Polizisten
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Berliner Stadtbild wird seit Dienstag von einer Besonderheit geprägt, haben Andreas Kopietz und Lutz Schnedelbach beobachtet: Englische Polizisten mit Bobby-Helmen halten die Fußballfans von der Insel in Schach.
Er ist dick, er ist glatzköpfig und er ist ganz schön überrascht. Denn als er gestern um 12.38 Uhr in Schönefeld aus der Chartermaschine steigt, wird der Fan von einem englischen Polizisten mit Bobby-Helm um seine Personalien gebeten. Freundlich aber bestimmt sagt ihm dieser: «We are watching you!» («Wir beobachten Sie!»). Die englischen Fußballfans, die nach Berlin kommen, um das Spiel Deutschland gegen England heute Abend zu sehen, sind nicht allein. Polizisten aus ihrer Heimat sind mitgereist nach Berlin. Sie sind Teil des Plans, den die Sicherheitsbehörden für den heutigen Tag ausgearbeitet haben.
Am Abend treffen im fast ausverkauften Olympiastadion die beiden Nationalmannschaften zum Freundschaftsspiel aufeinander. Etwa 8.000 Eintrittskarten hat der Deutsche Fußball-Bund nach England verkauft. Viele englische Fans haben ein Komplettpaket gebucht Flug, Übernachtung, Stadtrundfahrt und Spiel. Den Weg zu den bei ihnen beliebten Kneipen, zum Beispiel dem Irish Pub im Europacenter oder den am Hackeschen Markt, finden sie aber sicher auch ohne Tourguide. Und unter den Fans hat sich auch herumgesprochen, dass es auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg ein Fußballfest geben soll, was zwar nicht stimmt, weil dort der Weihnachtsmarkt aufgebaut wird, dennoch stellt sich die Polizei darauf ein, dort verstärkt zum Einsatz zu kommen. Sie rechnet schon ab Mittag mit betrunkenen Fußballtouristen. Und sie fürchtet die für ihre Aggressivität berüchtigten englischen Hooligans.
Um diese gewaltbereiten Männer kümmern sich elf unbewaffnete Beamte einer britischen Spezialeinheit, der sogenannten Football Police Unit. Diese Beamten kennen viele der Schläger persönlich. 200 bis 300 der erwarteten Fans gelten als «problematisch». Allerdings haben die Sicherheitskräfte die Hoffnung, dass die Prügelfreudigsten bei dem Berlin-Ausflug gar nicht dabei sind. Denn 3.000 bekannte Hooligans wurden in England mit einem Ausreiseverbot belegt und müssen sich in ihrem Heimatort heute Abend bei der Polizei melden. Ihre Namen wurden auch den deutschen Grenzkontrollstellen gemeldet.
Berlins Polizei rechnet allerdings auch mit 800 sogenannten «Problemfans» aus dem deutschen Lager vorwiegend Fans von Drittligaklubs. Um Krawalle zu verhindern, sind heute rund 2.000 Beamte im Einsatz. Bundespolizisten aus Blumberg sichern die Bahnstrecken, Hundertschaften aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Schwerin, Hamburg und Thüringen unterstützen die Berliner Polizei. Drei Alarmhundertschaften der Berliner Polizei werden rund um die Uhr mit Mannschaftswagen Streife fahren. Szenekundige Beamte von Bundes- und Landespolizei halten Ausschau nach deutschen Hooligans, deren Ehrgeiz darin besteht, sich mit englischen Gleichgesinnten zu prügeln.
Staatsanwälte und Richter in DauerbereitschaftAuch die Justiz hat sich auf das Freundschaftsspiel vorbereitet. Staatsanwälte und Richter werden bis morgen in Dauerbereitschaft sein, um Randalierer gegebenenfalls sofort anklagen und verurteilen zu können. Nach der Chartermaschine gestern, deren Insassen mit Bussen direkt in verschiedene Hotels kutschiert wurden, sollen heute Morgen weitere fünf Flugzeuge mit insgesamt 926 Fußballfans in Schönefeld landen Diese werden dann per S-Bahn oder mit dem Airport-Express in die Innenstadt fahren, um sich fürs Spiel in Stimmung zu bringen.
Die Polizei will die englischen von den deutschen Fans konsequent trennen. Deshalb werden die Engländer am heutigen Abend vor dem Spiel vom S-Bahnhof Pichelsberg über das Maifeld in die Westkurve des Olympiastadions geleitet. Die Deutschlandfans nutzen die anderen Tore. Die Bundespolizei wird auch die deutschen Fans mit zahlreichen Beamten begleiten. Noch in der Nacht nach dem Spiel werden die meisten Engländer wieder nach Hause fliegen.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».