Rolfes im Interview:
Teil zwei: Zidane diese Eleganz!
18.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Rolfes: Ich gehöre zum Stamm des Kaders, aber nicht zum Stamm der ersten Elf.
Rolfes: Es ist völlig okay, dass jeder seine persönlichen Ziele und seine Einzelinteressen hat.
Frage: Ist es auch in Ordnung, dies scharf und öffentlich auszudrücken, wie Frings es getan hat?
Rolfes: Dazu will ich gar nichts sagen.
Frage: Kann eine Mannschaft eine gute Gruppe werden, wenn jeder in erster Linie für sich selbst kämpft?
Rolfes: Ich will die Nummer 1 werden, er will die Nummer 1 werden, am Ende entscheidet der Trainer. Das ist in Ordnung. Im Verein weiß ich auch, dass ein Konkurrent meinen Platz will. Ich habe damit keine Probleme. Wir sind ja nicht in der Kreisliga auf dem Dorf, wo der Zusammenhalt viel wichtiger ist. Bei uns geht es eben zu wie in der Leistungsgesellschaft. Das schließt nicht aus, dass man einen guten Teamgeist hat. Wenn das Team Erfolg hat, profitiert man ja auch als Einzelner davon.
Frage: Sie reden so ruhig, wie Sie spielen.
Rolfes: Es ist auf meiner Position wichtig, ruhig zu bleiben und keine Fehler zu machen. Je weiter es auf dem Feld nach vorne geht, desto kreativer wird es. Da ist es wichtig, dass die Bälle vorne sicher ankommen - damit die Jungs dort dann ins Risiko gehen können.
Frage: Ärgert es Sie sehr, wenn Sie doch mal einen Fehler machen?
Rolfes: Früher habe ich die Erwartungen an mich zu hoch gesetzt. Da habe ich mich zu sehr über den letzten Fehler geärgert - und gleich den nächsten gemacht. Heute weiß ich: Man kann sowieso nichts mehr machen. Der Fehler ist passiert - abhaken.
Frage: Haben Sie früher, als Sie etwas überehrgeizig waren, vielleicht zu große Vorbilder gehabt?
Rolfes: Als Kind war mein Vorbild Maradona. Später dann Zidane: diese Eleganz! Und Andi Herzog - weil ich Bremen-Fan war. Der war mein Spieler. Er war die 10, ein Linksfuß mit einem Superschuss. Ich habe damals auch im offensiven Mittelfeld gespielt.
Frage: Sind Sie traurig, dass Sie nicht auch Spielmacher geworden sind?
Rolfes: Nein. Ich bin nicht so der Dribbler hinter den Spitzen. Ich brauche Anlauf. Ich habe ein gutes Auge für Räume, in die ich von hinten reinstoßen kann. Ich kann nicht gut hinter den Spitzen mit dem Rücken zum Tor stehen. Ich brauche das Spielfeld vor mir.
Das Interview führte Andreas Lesch.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».

