Ende des Streits in Sicht:
Ballack entschuldigt sich
26. Okt 2008 12:43, ergänzt 13:12
 |  "Ein Fehler": Michael Ballack entschuldigt sich | Foto: AP |
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Michael Ballack hat eingeräumt, dass die öffentliche Kritik am Bundestrainer ein Fehler war. Joachim Löw «registrierte» die Entschuldigung, möchte bis zum klärenden Vier-Augen-Gespräch allerdings noch keine Wertung abgeben.
Michael Ballack reicht Joachim Löw die Hand, aber der Bundestrainer schlägt nicht einfach ein. Die angekündigte Entschuldigung des Kapitäns der Nationalmannschaft hat der 48-Jährige am Sonntag ohne eine Bewertung «registriert», mögliche Konsequenzen für eine weitere Zusammenarbeit auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 macht Löw auch weiterhin vom Verlauf und Ausgang des Vier-Augen- Gesprächs in Deutschland abhängig. «Danach wird es von mir eine abschließende Stellungnahme geben», erklärte Löw am Sonntag auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Ausmaß der Kritik überrascht Ballack
Ballack hatte mit einer am Samstagabend verbreiteten Erklärung einen ersten Schritt zur Konfliktlösung vollzogen. «Ich werde mich in kürzester Zeit mit Joachim Löw zusammensetzen, sobald es mein Gesundheitszustand zulässt, und werde mich für mein Verhalten bei ihm entschuldigen», kündigte der 89-malige Nationalspieler an. Er räumte ein, dass der Weg, in einem Interview «offen und kritisch» Dinge anzusprechen, «ein Fehler war». Ballack hatte dabei auch Löws Kurs und Personalentscheidungen kritisiert sowie mehr Respekt und Ehrlichkeit im Umgang angemahnt.Ballack nennt als Motive für sein Vorgehen, dass er Mitspieler wie seinen langjährigen Weggefährten Torsten Frings in einer schwierigen Situation «schützen und unterstützen» und Themen ansprechen wollte, «die mir als Kapitän am Herzen lagen». Das «Ausmaß» der Kritik, die er für seinen Gang an die Öffentlichkeit erntete, habe er «nicht erwartet». Ausdrücklich versucht Ballack den Bundestrainer, der verärgert und persönlich verletzt reagiert hatte, zu besänftigen: «Ich schätze Jogi Löw persönlich als Mensch und Trainer sehr», versicherte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler. Dem Trainer bescheinigte er «eine starke und unantastbare Position». Im Telefonat am Samstag habe er ihm auch gesagt, «dass es nicht meine Absicht war, seine Arbeit als Bundestrainer zu kritisieren».
Löw will «inhaltliche Fragen» klären
Tatsächlich überlässt DFB-Präsident Theo Zwanziger Löw exklusiv die Entscheidung darüber, ob und wie es mit Ballack in der DFB-Elf weitergeht. Erklärung und Entschuldigung hin oder her - «viel wichtiger ist das persönliche Gespräch», betonte Löw am Sonntag. Es werde «inhaltlich» das eine oder andere über Ballacks Erklärung hinaus anzusprechen sein, konkretisierte DFB-Sprecher Harald Stenger. Auch denkbare Sanktionen wie eine Absetzung als Kapitän dürften «Gegenstand des Gesprächs» sein, sagte Stenger am Sonntag im «DSF».Vor möglichen Überreaktionen und gar einem Rauswurf Ballacks warnte Uli Hoeneß. «Das muss zu kitten sein», sagte der Manager des FC Bayern. «Michael Ballack ist für die Nationalmannschaft unabdingbar. Ohne den kann man meiner Meinung nach nicht zur Weltmeisterschaft 2010 fahren», erklärte Hoeneß. Dem widersprach Günter Netzer in der «Bild am Sonntag»: Ballack sei «nicht Mister Deutschland, ohne den die Nationalelf zusammenbrechen würde».
Viele gute Ratschläge
Hoeneß nahm Ballack sogar in Schutz. «Ich denke, zwei Männer können auch mal etwas Kritisches übereinander sagen, ohne dass man so ein Theater daraus macht. Ich bin für eine Aussprache und dann muss die Sache erledigt sein», meinte der 56-Jährige, der auch Kritik am Krisenmanagement des Verbandes übte: «Die PR-Politik des DFB ist eine Katastrophe. Man lässt das Thema köcheln. Man muss es endlich mal beenden.» Der heutige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld hätte anders als Löw gehandelt: «Ich hätte mich gleich ins Flugzeug gesetzt und wäre zum Spieler geflogen.» Drei Wochen vor der nächsten Zusammenkunft der Nationalmannschaft zum Länderspiel am 19. Mai in Berlin gegen England warten auch Ballacks Teamkollegen gespannt auf den Ausgang des Konfliktes. «Wir wollen, dass wieder Ruhe einkehrt», sagte Bastian Schweinsteiger. Die Aussprache zwischen Bundestrainer und Kapitän sei «nötig». (Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa)