Nach dem Sieg über Russland:
Sonderlob für Adler und Ballack
12. Okt 2008 15:14
 |  Gratulation: Rene Adler (M.) und Michael Ballack | Foto: dpa |
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Während Kevin Kuranyis Länderspielkarriere ein abruptes Ende nimmt, haben der Leverkusener Keeper und der in die Kritik geratene Kapitän in Dortmund nicht nur den Bundestrainer überzeugt. Gegen Wales sollen Löws Schützlinge nachlegen.
Trotz des überraschenden Abgangs von Kevin Kuranyi stehen für Bundestrainer Jogi Löw nach dem Erfolg gegen Russland in der WM-Qualifikation die positiven Aspekte im Vordergrund. Mit einem nach dem EM-Finale neu entfachten Konkurrenzkampf legte Löw die Grundlage für das beeindruckende 2:1 im ersten Gipfeltreffen gegen die bärenstarken Russen.
Den bald 39- jährigen Jens Lehmann hat Löw nach der EM in Nationalmannschafts- Rente geschickt, Christoph Metzelder zunächst aussortiert - und gegen Russland musste Torsten Frings auf die Bank und Kuranyi nach schwachen Trainingseindrücken auf die Tribüne. «Wir haben gut kombiniert, haben aufs Tempo gedrückt und hatten viele Torabschlüsse», beschrieb der DFB-Chefcoach die positiven Auswirkungen der internen Auslese vor allem in der ersten Spielhälfte - am Ende musste noch mächtig gezittert werden.
Mittwoch gegen den Tabellenzweiten
Angesichts der vielen Russland-Gewinner um René Adler und Michael Ballack wollte sich Löw dann auch nicht lange mit dem Problemfall Kuranyi aufhalten. Noch in der Nacht beschloss die sportliche Leitung den Rauswurf des 26-jährigen Stürmers, bevor der selbst seinen angekündigten Rücktritt verkünden konnte. Löw rückte gleich die nächste Aufgabe am Mittwoch in Mönchengladbach gegen Wales in den Mittelpunkt: «Der Sieg gegen Russland war sehr wichtig für uns, aber wir müssen jetzt nachlegen und einfach die drei Punkte holen.» Wales (6 Punkte) lauert nach einem 2:0 gegen Liechtenstein in der WM-Gruppe 4 nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Deutschland (7). Auch Finnland (4) mischt nach einem 1:0 gegen Aserbaidschan mit Trainer Berti Vogts munter mit und steht derzeit sogar vor Russland (3).
Westermann sieht «Weltklasse»
Spätestens seit der Erleichterung über die erfolglose Aufholjagd des Russland-Expresses vor 65.000 Fans im Fußball-Tempel Dortmund ist auch dem letzten DFB-Akteur bewusst, dass die direkte Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 eine große Herausforderung wird. Die drei Heim-Zähler gegen den größten Kontrahenten waren da nur Pflicht. «Wir dürfen keine Punkte verschenken in der Gruppe. Ich glaube nicht, dass die Russen viele Punkte gegen die anderen Mannschaften lassen werden», erklärte Ballack. Der Kapitän (28.) baute in der ersten Hälfte, die Abwehrspieler Heiko Westermann als «weltklasse» titulierte, die schnelle Führung durch Lukas Podolski (9.) auf 2:0 aus. Später trug er mit viel Einsatz und Übersicht entscheidend dazu bei, dass nach dem Anschlusstor von Superstar Andrej Arschawin (51.) der wertvolle Sieg über die Ziellinie gerettet wurde.
Bierhoff lobt Ballack
Nach seinem 39. Treffer im 88. Länderspiel legte Ballack demonstrativ den Zeigefinger auf seine Lippen. «Ich muss das nicht erklären. Jeder weiß, was die Geste zu bedeuten hat», sagte der Kapitän danach. Dem 32-jährigen Chelsea-Star war über 93 Minuten anzumerken, dass er auf dem Rasen die Antwort auf die Diskussionen um seinen Führungsstil und seinen Platz im DFB-Team geben wollte. «Er hat ein Tor gemacht, er hat die Mannschaft voran geführt», gab Manager Bierhoff zu Protokoll, mit dem sich Ballack in den vergangenen Wochen einige verbale Duelle geliefert hatte. «Es war wichtig, dass sich die jungen Spieler an ihm orientieren konnten. Er ist der unumstrittene Kapitän», erklärte auch Chefcoach Löw.
Adler macht Eindruck
Zum zweiten großen Gewinner avancierte Überflieger Adler, der nach der Verletzung von Robert Enke ein astreines Debüt hinlegte und sich sofort als Favorit auf die Nummer 1 positionierte. «Man hatte nie das Gefühl, dass er von Nervosität angesteckt wird und seine Konzentration verliert», sagte Löw. Der 23 Jahre alte Adler genoss «jede Sekunde» und ordnete sein erstes A-Spiel als Baustein in seiner bislang jungen Karriere ein, «für die ich so viel geopfert habe». Mehr als ein erster Baustein auf dem Weg nach Südafrika war das 2:1 auch für Podolski nicht: «Gegen Liechtenstein haben wir ein gutes Spiel gemacht und dann in Finnland ein wenig abgebaut. Das darf uns jetzt gegen Wales nicht passieren.» Der 23-jährige Bayern-Stürmer zeigte gegen die Russen wieder sein Deutschland-Gesicht. «Sie haben doch ein bisschen Ahnung vom Fußball: Wenn Sie das beobachten, dann sehen Sie, dass ich in München nicht spiele und hier spiele», lieferte er die Erklärung dafür den Journalisten gleich mit. (dpa)