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Oliver Bierhoff und die Kraft des Wortes: 

Goldwaage bleibt im Köfferchen

10. Okt 2008 12:28
Säuselnd: DFB-Manager Oliver Bierhoff
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Die jüngsten Aussagen des DFB-Managers waren stets reich an Zwischentönen, was der schreibenden Zunft so manche Interpretation erlaubte. Wie Bierhoff dies vor dem Spiel gegen Russland vermied, hat Matti Lieske erlebt.

Oliver Bierhoff hat es nicht leicht im Augenblick. Eigentlich schien es vor gar nicht langer Zeit so, als sei das böse Rummenigge-Wort von der Ich-AG vom Starnberger See vom Tisch, und der Team-Manager der Nationalmannschaft könne ein ruhigeres Leben führen. Aber dann kam die EM, und Bierhoff musste sich ständig rechtfertigen. Für das viele Geld, das er - natürlich zum Wohle des deutschen Fußballs und seiner Vertreter - verpulvert hatte, für das sündhaft teure Hotel im Tessin und die Wellness-Oase, die er den Profis am Lago Maggiore hingestellt hatte.

Das war ein bisschen ungerecht, denn schließlich konnte Bierhoff damals nicht wissen, dass Fußballer, die es zu gemütlich haben, auch auf dem Platz so auftreten, als säßen sie in einem Plüschsessel in der Lounge. Das findet Jürgen Klinsmann gerade erst in einem Feldversuch bei den Bayern heraus. Und was das viele Geld angeht: Wer hatte denn DFB-Präsident Theo Zwanziger persönlich das Angebot einer Sportartikelfirma überbracht, mit dem man Wellness-Oasen für die nächsten hundert Jahre hätte finanzieren können? Was kann Bierhoff, dafür, wenn der Bursche das Geld nicht nimmt?

Das Image des Problembärs

Und dann kam zu allem Überfluss auch noch der Streit mit einer anderen der vielen Ich-AGs vom Starnberger See, die im Gegensatz zu allen anderen AGs dieser Welt im Moment prächtig florieren. Nun wird jeder Satz, den Bierhoff über den Nachbarn Michael Ballack sagt, sorgsam auf besonders empfindliche Goldwaagen gelegt und solange analysiert, bis eine Gemeinheit dabei herauskommt. Meist lautet die, aus dem Bierhoffschen ins Deutsche übersetzt: Der blöde Schnösel soll sich nicht so aufspielen! Man kann das Ganze auch ins Ballacksche übersetzen, dann kommt jener unfeine deutsch-englische Kunstbegriff heraus, den der Nationalmannschaftskapitän Ohrenzeugen zufolge Bierhoff im Wiener Praterstadion nach dem EM-Finale entgegenschleuderte: Pisser!

Das Beste wäre, Bierhoff würde einfach eine Weile den Mund halten. Geht aber nicht, weil er ja nicht nur für teure Hotels, sondern auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, und Joachim Löw keine Lust hat, jeden verdammten Tag zu erzählen, wie toll die Russen sind. Also saß am Donnerstag Bierhoff vor der Presse, und alle hingen gebannt an seinen Lippen, ob er sich selbige inklusive Zunge wieder verbrennen würde.

Aber diesmal ging die Sache gut, die Goldwaagen blieben im Köfferchen. Bierhoff war ganz Manager und bemüht, seinem Image als DFB-Problembär entgegenzuwirken. Er lobte nicht nur die Russen, sondern auch die Stadt Düsseldorf für ihre immerwährende Gastfreundlichkeit. Er klopfte sich selbst auf die Schulter als «Chefinitiator» des Fanfestes in Düsseldorf. «Wir wollen die Mannschaft ja dem Publikum, vor allem den Kindern präsentieren», säuselte er - dies nach dem ersten öffentlichen Training seit November 2007. Und er parlierte versiert über die Finanzkrise: «Wenn das Konsumentenverhalten ängstlich ist, wird es auch für den Fußball schwerer.»

Über Ballack: kein Wort. Und er wurde auch gar nicht danach gefragt. Offenbar haben alle das Thema satt - bis zur nächsten Runde.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».

 
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