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Seleçao in der Krise: 

Brasilien bangt um die WM-Qualifikation

05. Sep 2008 11:48
Kritik von ganz oben: Brasiliens Coach Carlos Dunga
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Nicht nur für Trainer Carlos Dunga wird das Spiel in Chile zu einer besonderen Bewährungsprobe. Sein Team droht in der Südamerika-Gruppe den Anschluss zu verpassen, eine weitere Pleite kann sich der Rekordweltmeister nicht mehr leisten.

High Noon in den Anden: Rekordweltmeister Brasilien spielt am Sonntag in der WM-Qualifikations-Partie in Chile um die Zukunft von Trainer Carlos Dunga. Eine weitere Pleite kann sich Dunga nach den jüngsten Misserfolgen nicht leisten.

«Es ist verrückt. Die brasilianischen Fans wünschen sich eine Niederlage, damit Dunga entlassen wird. Man hat mich auf der Straße mehrfach aufgefordert, viele Tore zu schießen», staunte der vor einer Woche von Flamengo Rio de Janeiro verpflichtete chilenische Nationalspieler Gonzalo Fierro. In einer Umfrage der Zeitung «O Globo» sprachen sich 86 Prozent der Leser gegen den früheren Stuttgarter Profi Dunga als Coach aus.

«Schlimmste Krise in der Geschichte unseres Fußballs»

Bei einer Schlappe in Santiago könnte die «Seleção» nach sieben von insgesamt 18 Spieltagen vom fünften auf den siebten Tabellenplatz des südamerikanischen Turniers rutschen. Nur die ersten Vier qualifizieren sich direkt für Südafrika 2010.

Der angesehene Sportjournalist Juca Kfouri glaubt, dass man bald von der «schlimmsten Krise in der Geschichte unseres Fußballs» sprechen wird. «Brasilien ist heute nur Durchschnitt», ist «O Globo»-Kolumnist Fernando Calazans überzeugt. In den letzten drei Begegnungen gelang Brasilien kein Tor, die Olympiaauswahl musste sich in China mit Bronze zufriedengeben.

Staatspräsident nimmt Stellung

Die Situation ist so schlimm, dass sich sogar Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva bei Pressekonferenzen eher dem Fußball als der Börsenkrise oder einem schweren Abhörskandal widmet. Die Nationalspieler wirkten «seelenlos», klagte er dieser Tage. Er respektiere Dunga, aber der beste Trainer Brasiliens sei Vanderlei Luxemburgo vom Traditionsverein Palmeiras.

Viele Medien fanden unterdessen neue Schwachpunkte des Trainers, dem eine zu defensive, ängstliche Spielweise vorgeworfen wird. Dunga lasse kaum trainieren, die Brasilianer seien im Vergleich zu den Konkurrenten faul, hieß es.

Diego statt Kaka

Zu allem Übel muss Brasilien am Sonntag in Chile und am Mittwoch daheim gegen Bolivien ohne den angeschlagenen Weltstar Kaká vom AC Mailand auskommen. Die Hauptverantwortung ruht deshalb auf den Schultern der formschwachen Dribbelkünstler Ronaldinho und Robinho.

Der in die Enge getriebene Dunga wird sein Team ungewöhnlich offensiv einstellen und auch den Bremer Diego und Mittelstürmer Luis Fabiano von Anfang an aufs Feld schicken. Mit von der Partie werden auch die Bundesliga-Legionäre Lucio (FC Bayern) und Josue (VfL Wolfsburg) sein. «Die Lage ist wirklich nicht gut», räumt Luis Fabiano als einer der wenigen «Realisten» ein. Man dürfe nur nicht verzweifeln, warnt er.

Chile, das zuletzt 1998 an einer WM teilnahm und zurzeit mit zehn Punkten (einem Zähler mehr als Brasilien) den begehrten vierten Tabellenplatz einnimmt, will im Estadio Nacional die Gunst der Stunde nutzen. «Die Brasilianer sind heutzutage leichter zu schlagen als früher», provozierte der aus Argentinien stammende Coach Marcelo Bielsa. Spielmacher Jorge «Mago» (Der Magier) Valdivia, beteuert, nur der Sieg sei für die Andenkicker interessant. «Wir wollen den Brasilianern die Lust am Fußball nehmen», tönte er. (dpa)

 
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