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Noch nicht in der «Klapsmühle»: 

Grund zum Feiern: Otto Rehhagel

09. Aug 2008 16:50
Europameister 2004: Otto Rehhagel
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Eine der schillerndsten Trainerpersönlichkeiten Europas wird 70 Jahre alt: Otto Rehhagel! Er hat große Erfolge feiern können und hat noch immer nicht genug.

«Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle.» Als Otto Rehhagel vor vielen Jahren einen seiner besten Sprüche zum Besten gegeben hat, ahnte er nicht, dass er auch mit 70 noch auf der Bank Platz nehmen würde. Und Antworten auf die Frage, wann er denn aufzuhören und jüngeren Kollegen Platz zu machen gedenke, weicht der Essener, dessen Vertrag als Griechenlands Nationalcoach erst kürzlich bis zur WM 2010 verlängert wurde, aus. Dafür sprach Rudi Völler: «Mit 60 will ich den Job nicht mehr machen. Auf der anderen Seite: Otto Rehhagel ist 70 und scheint mitnichten zu alt», sagte der frühere Rehhagel-Schüler und heutige Sportdirektor von Bayer Leverkusen der Zeitschrift «Maxim» über den Fußballlehrer. Der hat allen Grund zum Feiern, denn an diesem Samstag wird der demokratische Diktator im Trainingsanzug runde 70 Jahre alt.

Sprücheklopfer Rehhagel

Mit Aussagen wie «Modern spielt, wer gewinnt» oder «Ich schätze es, wenn Fußballer verheiratet sind, denn die eigene Frau ist das beste Trainingslager» hat er nicht nur einmal für ein Schmunzeln gesorgt. Seine Karriere zeitigte erst mit Verspätung Erfolge: Als beinharter Abwehrspieler bestritt der Rotschopf 201 Bundesligaspiele (22 Tore) für Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern, Trophäen aber holte er erst als Coach: Mit Werder Bremen gewann der Erfinder der kontrollierten Offensive den Europacup der Pokalsieger (1992) sowie je zwei Meisterschaften (1988/1993) und Pokalsiege (1991/1994), mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger den Meistertitel 1998. Der DFB-Pokalsieg 1980 mit Fortuna Düsseldorf als erster Trainercoup steht für ihn ebenso zu Buche wie die bis heute höchste Niederlage der Ligageschichte: 0:12 mit Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach (Saison 1977/78).

Seit dem September 2001 ist er in Griechenland, wo er spätestens seit dem sensationellen Gewinn des Europameistertitels als «Rehakles» vergöttert wird. Daran hat sich auch nach der «Entthronung» bei der EURO 2008, die für den Titelverteidiger nach drei bitteren Pleiten schon nach der Vorrunde beendet war, nicht viel geändert. Nun aber muss er im Land der Hellenen den sportlichen Neuaufbau vorantreiben. Verbandschef Vassilis Gagatsis, einer seiner größten Fürsprecher, ließ nach erster leiser Kritik an der Spielweise keine Zweifel daran, dass der gelernte Maler der richtige Mann für's Grobe dieser Aufgabe sei. «Wir haben Bilanz gezogen: Er bleibt!», betonte der EPO-Präsident und verlängerte den Trainervertrag bis zur WM 2010 in Südafrika.

Otto öffnet sich

Die Griechen haben den «Oldie» seit dem EM-Sieg in Portugal ins Herz geschlossen. Jeder im Land weiß: Ein solcher Triumph wird wohl einmalig bleiben. Entsprechend wurde der Deutsche 2004 gefeiert und als erster Ausländer «Grieche des Jahres», Welt-Nationaltrainer sowie Ehrenbürger Athens. Nach der verpatzten EM 2008 bewies Rehhagel («Wir haben nicht gesagt, dass wir ganz Europa schwindlig spielen»), der sich bis dato stets als alleinige Autorität gesehen hatte, dass er auch im hohen Traineralter offenbar für Neuerungen offen ist.

Künftig wird er mit einem im modernen Fußball üblichen erweiterten Stab kooperieren - weiterhin mit ihm als Chef natürlich. Beim Umbruch steht seinen Schützlingen viel Arbeit und Schweiß bevor. Denn auch dies ist eine Maxime des mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichneten Trainers: «Mit Sprüchen wurde noch nie ein Fußballspiel gewonnen.» (dpa)

 
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