Brasiliens Bankdrücker vor Einsatz
22. Jun 2006 10:28
 |  Trainer Carlos Alberto Parreira (r.) und Ersatzspieler Robinho. Foto: dpa |
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Im Japan-Spiel geht es für Brasilien um den Gruppensieg und die Ersatzspieler brennen auf ihren Einsatz. Während Trainer Parreira sein «Luxusproblem» schätzt, muss Japan auf Schützenhilfe eines anderen Teams hoffen.
Brasiliens Bankdrücker laufen heiß, doch die Superstars wollen nicht weichen. Für Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira wird das letzte Vorrundenspiel des Weltmeisters gegen Asienmeister Japan am Donnerstag (21 Uhr/live auf ZDF) in Dortmund zur heiklen Mission, obwohl es für die bereits für das Achtelfinale qualifizierte «Seleção» nur noch um den Gruppensieg geht. Den Japanern um ihren brasilianischen Trainer Zico droht dagegen das vorzeitige Ende der Dienstreise.
Japan mit Rücken zur Wand
Selbst bei einem Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz sind die Japaner auf Schützenhilfe der Kroaten gegen Australien angewiesen. Zico: «Wir müssen einfach alles geben, was wir haben. Wenn Australien gewinnt, liegt es nicht mehr in unseren Händen. Mittelfeldspieler Hidetoshi Nakata: «Wir haben noch eine Chance. Wenn ich nicht daran glauben würde, wäre ich schon wieder zu Hause in London.» Kapitän Tsuneyasu Miyamoto muss wegen seiner zweiten Gelben Karte zuschauen. «Ich werde etwas zurecht basteln», sagte Zico. Und dass Keisuke Tsuboi in die Abwehr rücken werde. Mehr verriet der 53 Jahre alte Coach nicht. Wer den Angriff verstärken soll, ist offen. Seiichiro Maki, der 25-Jährige von JEF United Chiba, könnte allein wegen seiner Körpergröße von 1,84 Meter in Frage kommen. «Ich bin in großartiger Verfassung und bereit zu tun, was immer von mir verlangt wird», sagte Maki fast schon mit der Forderung auf den Platz in der Anfangself.
Aufstellung geheim Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira machte erstmals bei der WM ein Geheimnis um die Startformation. «Die Aufstellung wird morgen in der Kabine bekannt gegeben», sagte der 63-Jährige nach dem Abschlusstraining am Mittwoch. Normalerweise habe er es gern, «wenn die Spieler abends beim Schlafengehen wissen, wer spielt». Aber dieses Mal bestehe dafür keine Notwendigkeit.«Wir hoffen, dass sich unsere Mannschaft weiterentwickelt, zumal wir keinen Druck haben und es für Japan ums Überleben geht», sagte Parreira, der normalerweise als nicht sehr experimentierfreudig gilt und seit acht Monaten an seiner Stammelf festhielt. Ronaldo, Cafú, Emerson und Robinho sind zwar mit einer Gelben Karte vorbelastet, doch der Coach sagte: «Die Welt geht nicht unter, wenn sie die zweite bekommen.»
Cafú «will nicht raus» Jedenfalls machen sich die Reservisten Hoffnungen wie selten zuvor. «Von dem Moment an, als wir zur WM gekommen sind, denken wir nur daran, spielen zu dürfen», erklärte Cicinho den Gemütszustand der Ersatzspieler. Der Abwehrspieler von Real Madrid hat sogar Kapitän Cafú «um 15 Minuten Ruhm» gebeten - «und wenn es 90 Minuten werden, umso besser».Doch der 36-Jährige vom AC Mailand will seinem Konkurrenten nicht freiwillig Platz machen, zumal er einen Rekord aufstellen kann: Falls er mit Brasilien gewinnt, würde er mit insgesamt 16 WM-Siegen die früheren deutschen Nationalspieler Wolfgang Overath und Lothar Matthäus (jeweils 15) übertrumpfen. «Ich möchte nicht geschont werden. Ich habe dieses Jahr wenig gespielt, und jetzt, wo wir unsere Form finden, will ich nicht raus», sagte Cafú. Neben Cicinho hofft vor allem Juninho auf sein WM-Debüt. Der Freistoßspezialist von Olympique Lyon wurde von seinen Kollegen in Frankreich zum «Spieler des Jahres» gewählt, darf aber angesichts der Superstars Ronaldinho und Kaká allenfalls darauf hoffen, im defensiven Mittelfeld für Zé Roberto oder Emerson eingesetzt zu werden. Im Angriff drängen hinter Ronaldo und Adriano die beiden 22- jährigen Robinho und Fred nach. Juninhos Vereinskollege Fred schwärmte noch Tage nach seinem Treffer beim 2:0 gegen Australien von den Glückwünschen seiner Mitspieler. «Wie ein Erleuchteter» sei er sich vorgekommen.
Spielpraxis für Ronaldo Parreira will jedoch seinem «Sorgenkind» Ronaldo weiterhin zu Spielpraxis verhelfen und von Anfang an aufbieten. Zumal der Real- Profi auf seinen ersten WM-Treffer hofft: «Die Tore kommen schon noch.» Auch Ronaldinho sprach sich gegen ein Wechselspiel aus: «Wir respektieren, was der Professor entscheidet, aber wir haben die Kondition durchzuspielen.» (nz)
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