Bei Italienern macht sich Angst breit
18. Jun 2006 10:10, ergänzt 14:13
 |  Italiens Alessandro Nesta | | Foto: dpa |
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Dem hoch gehandelten Team aus Italien droht nun auch bei dieser WM ein frühes Aus. Die Spieler aus den USA gehen da schon deutlich optimistischer in ihr entscheidendes letztes Gruppenspiel.
Von Peter Putzing, Kaiserslautern
Alessandro Nesta musste sich immer wieder die langen Haare aus dem Gesicht streichen. Denn permanent schüttelte der Innenverteidiger der Italiener heftig den Kopf. Das magerere 1:1 in einem Kampfspiel gegen die USA war der Grund für diese Reaktion, die ihm fast Kopfschmerzen verursacht haben muss. «Fast eine Halbzeit spielten wir gegen acht US-Boys. Da hätte ein Sieg raus springen müssen«, so Nesta. Das klappte aber nicht. Und plötzlich kehrte bei den Azzuris die Angst vor dem frühen Ausscheiden ein. Man sah förmlich, was Trainer Marcello Lippi und seine Akteure dachten: Bitte nicht, wie seit 1982, erneut bei einer WM früh scheitern. Das würde dem italienischen Fußball, der eh unter dem Schiedsrichterskandal leidet, weiter großes Ansehen kosten. Doch in der Gruppe E ist am letzten Vorrundenspieltag noch alles möglich. Spannung pur also.
Nesta bleibt optimistisch
Nesta bekennt, dass durch das magerere Remis gegen die USA und durch das einfallslose Spiel der Italiener gegen aufopferungsvoll kämpfende Amerikaner «der Druck für uns gegen Tschechien im letzten Gruppenspiel enorm wird.» Bei einer Niederlage ist die «Mission WM 2006» für Italien beendet, bevor sie so richtig begonnen hat. Nesta, der nach der Führung durch Alberto Gilardino und auch nach dem unglücklichen Ausgleich durch Zaccardos Eigentor von einem Sieg seines Teams überzeugt war, gibt sich optimistisch. «Wir werden im Turnier bleiben, davon bin ich absolut überzeugt», so der Mann vom AC Milan.
Diverse Totalausfälle Doch da muss sich bei der Squadra Azzura einiges ändern. Das Außenverteidigerpaar Cristian Zaccardo und Gianluca Zambrotta war bei der Partie gegen die USA einfach schwach. Hoffungsträger Francesco Totti bis zu seiner taktisch bedingten Auswechslung in Minute 35 nicht zu sehen – und der hoch gelobte Angreifer Luca Toni ein Totalausfall. Italiens Rotsünder De Rossi muss nach seinem üblen Ellbogencheck und der anschließenden peinlichen »Ich-hab´-nichts-getan«-Nummer gegen McBride, der blutüberströmt vom Feld schlich, auf die Tribüne. Lediglich Milans Adrea Pirlos ließ seine Klasse aufblitzen. «Wir müssen uns steigern und wir werden uns steigern», war die lapidare Antwort vom blassen Trainer Marcello Lippi zu dieser Bestandsaufnahme.
Arena: «Wir leben noch» Strahlende Gesichter gab es hingegen auf Seiten der US-Boys nach einer tollen kämpferischen Leistung. Torhüter Casey Keller strahlte über das ganze Gesicht. Als er zum «Man of the match» gekürt wurde, sagte der Gladbacher, der zwei Großchancen der Italiener mit prächtigen Paraden vereitelte: «Diese Auszeichnung gehört der Mannschaft. Ich danke dem Team für diese hervorragende Leistung.»Auch Trainer Bruce Arena lobte seine Akteure. «Wir leben noch. Nach diesem Spiel habe ich noch Hoffnungen, das Achtelfinale zu erreichen. Wir können Ghana besiegen», so der ehemalig Nationalkeeper der USA. Dass er dabei auf die vom Platz gestellten Pablo Mastroeni und Eddie Pope verzichten muss, sei schlimm, «aber wir haben 23 gute Akteure im Kader.»
Unverständnis über Pope's Ausschluss Auch Arena hätte Kopfschmerzen vom Kopfschütteln bekommen müssen, als er die vom Schiedsrichter Jorge Larrionda verhängten Platzverweise kommentierte: «Das habe ich in meiner langen Fußballlaufbahn noch nie erlebt», sagte Arena und drehte dabei den Kopf so heftig hin und her, dass jedem Zuschauer Angst und Bange wurde. «In weniger als fünf Minuten zwei Platzverweise gegen uns - unfassbar.» Vor allem mit der gelb-roten Karte für Abwehrchef Eddie Pope haderte er. «Die erste Verwarnung war völlig überzogen. So konnten wir keinen Dreier holen.» Doch insgesamt sei der Punktgewinn phantastisch. Wir haben uns Respekt erarbeitet und das zählt im internationalen Fußball etwas.« Der kommende Gegner Ghana würde jetzt alles andere als »ruhig und gelassen« gegen sein Team antreten. »Und darin liegt unsere Chance. Mit einem Sieg können wir im Turnier bleiben – ich glaube daran!«
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