Tschechien sucht Retter in der Not
17. Jun 2006 09:28
 |  Vratislav Lokvenc. Foto: dpa |
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Vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der Tschechen muss Trainer Brückner im Angriff umstellen. Nachdem der komplette «erste Sturm» ausfällt, darf sich ein ehemaliger Bundesliga-Profi beweisen.
Wenig Spielpraxis, viel Verantwortung - in ihrer Not setzen die Tschechen auf Vratislav Lokvenc. Nach den Ausfällen der Angreifer Jan Koller und Milan Baros soll der ehemalige Bundesliga-Profi am Samstag in Köln gegen Ghana (18 Uhr live auf ZDF und Premiere) erstmals seit seinem Kreuzbandriss im November über 90 Minuten zum Einsatz kommen. Mit der ihm zugewiesenen Rolle als Retter in der Not kann der Rekonvaleszent gut leben: «Nach der langen Pause bin ich wieder fit und freue mich über jede Minute, die ich spielen kann.»
«Erster Sturm» verletzt
Wie Koller (Muskelfaserriss) kämpfte sich Lokvenc nach monatelanger Rehabilitation zurück ins Team. Obwohl er in den vergangenen Wochen lediglich zu insgesamt acht Kurzeinsätzen bei seinem Club RB Salzburg und im Nationalteam kam, stimmte er der Beförderung vorbehaltlos zu. «Natürlich fehlen uns zwei wichtige Spieler. Klagen hilft uns aber jetzt nicht weiter», sagte er.Die Ausfälle seiner Torjäger haben Trainer Karel Brückner die Freude über den Auftaktsieg gegen die USA (3:0) genommen. Immerhin 14 Treffer steuerten Koller und Baros in der WM-Qualifikation bei. Weil die Bulletins der Ärzte wenig Gutes verheißen, fühlten die Tschechen bei der Fifa vor. Doch der Wunsch nach einer Nachnominierung wurde mit Verweis auf die Fristen abgelehnt. «Wir wollten das Unmögliche möglich machen», sagte Petr Fousek, Generalsekretär des tschechischen Verbands.
Koller hofft Nicht auszuschließen, dass sowohl Baros als auch Koller nicht mehr in das Turnier zurückkehren. Vor allem Baros droht eine vorzeitige Abreise. Noch immer bereitet die Bänderdehnung in der Ferse Schmerzen. Nach einer Untersuchung am Montag soll die Entscheidung über den Verbleib des EM-Torschützenkönigs von Aston Villa fallen. Ebenfalls ungewiss ist das Comeback von Koller: Anders als der ehemalige BVB-Angreifer selbst halten die Teamärzte dessen Einsatz bereits im Achtelfinale für eher unwahrscheinlich.Ein Sieg gegen Ghana könnte über die Verletztenmisere hinwegtrösten und den Tschechen schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Italien am 22. Juni in Hamburg den Weg in das Achtelfinale ebnen. Doch angesichts des Notstands ist der Respekt von Pavel Nedved vor dem Gegner gewachsen: «Ohne Milan und Jan wird es gegen Ghana nicht leicht.»
Unter Einsatz des Lebens Die Tschechen machen sich auf heftige Gegenwehr gefasst. Schließlich stehen die Afrikaner nach der 0:2-Auftaktschlappe gegen Italien unter Zugzwang. Mit großen Worten kündigte Ghanas Kapitän Stephen Appiah (Fenerbahce Istanbul) einen leidenschaftlichen Auftritt an: «Wir werden unsere Leben einsetzen für unser Land. Mannschaften, die ihr erstes Spiel verloren haben, können immer noch das Viertelfinale erreichen.»Ähnlich zuversichtlich ist Ratomir Dujkovic, wollte aber seinen Respekt vor dem Weltranglisten-Zweiten nicht verhehlen: «Die Stärken der tschechischen Mannschaft sind der Torhüter, die vier Abwehrspieler, die vier Mittelfeldfeldakteure und die beiden Stürmer», sagte der Trainer. Noch scheint sich der Serbe nicht besonders intensiv mit der Taktik seines Gegenübers Brückner beschäftigt zu haben. Denn der ließ zuletzt mit nur einer Sturmspitze spielen. (nz)
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